"Ihr habt mein Leben völlig verändert"

Manuela Seidel aus Beierfeld konnte fast 20 Jahre ihre Arme nicht mehr bewegen - "Leser helfen" hat ihr nicht nur einen Treppenlift finanziert

Beierfeld.

Sie ist wie ausgewechselt. Wenngleich die 55-Jährige nie - auch nicht angesichts ihrer Behinderung - ihre Lebenslust verloren hatte. Doch heute sprudelt Manuela Seidel regelrecht vor Glück. Denn sie kann immer noch nicht fassen, was 2017 alles geschehen ist - für sie und mit ihr.

Gut 20 Jahre lang konnte die Frau aus Beierfeld ihre Arme nicht bewegen. Sie hingen an ihrem Körper herunter als gehörten sie nicht mehr zu ihr. Alles, was Manuela Seidel fassen oder tun wollte, musste sie mit dem Mund versuchen. Weder Finger noch Arme konnte sie gezielt bewegen. Immer schlimmer wurde die Lähmung. Auch das Zwerchfell war bereits betroffen. Das erschwerte ihr das Atmen. Doch ihre größte Angst war die steile Treppe im eigenen Haus. Die konnte sie nur auf dem Po sitzend hinabrutschen. Zu groß war die Angst, zu stürzen und sich nicht abfangen zu können.

Die Krankenkasse lehnte den Einbau eines Treppenlifts ab. Die Aktion "Leser helfen" der "Freien Presse" griff das Problem auf, und in kurzer Zeit war ausreichend Geld gespendet worden, um den Lift einzubauen. "Der läuft ohne Probleme. Ich bin so glücklich. Seither kann ich wieder raus", sagt Manuela Seidel noch immer absolut dankbar.

Doch das war bei Weitem noch nicht alles. Nach der Konsultation von Spezialisten in Berlin und zahlreichen Untersuchungen im Bundeswehrkrankenhaus erhielt sie nach so vielen Jahren eine Diagnose. "Es ist eine Autoimmunkrankheit, und keine Hirnerkrankung, wie es immer hieß", verkündete sie danach stolz. Irgendwann habe sich ein Virus an die Nervenverzweigungen ihrer Wirbelsäule angedockt, sagt sie. Und dieses Virus wird seit Frühjahr 2017 alle sechs Wochen mit gezielten Infusionen bekämpft. Bereits nach der ersten konnte sie ihre Daumen wieder etwas bewegen. Mittlerweile kann sie die Arme leicht abspreizen vom Körper, einen Lappen greifen, den Tisch abwischen und mit ganzem Körpereinsatz sogar ihren Namen schreiben. "Und das wird alles noch besser", ist sie zuversichtlich. Dafür arbeitet sie hart mit der Physiotherapie. Musste im Sommer noch alle zwei Wochen Sauerstoff angeliefert werden, den sie für die Nacht braucht, so sind es jetzt Lieferungen alle zwei Monate. "Ab Januar darf ich auch wieder nach Berlin fahren", jubelt sie. Seit September erhielt sie die Infusionen in Aue. Seit Oktober braucht es nämlich keine Sondergenehmigungen mehr für Krankentransporte unter 400 Kilometern. Zu "Freie Presse" sagt sie stolz und bewegt: "Ihr habt mein Leben völlig verändert." (matu)

 

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