"Welcome-Hutzn" gegen den Fachkräftemangel

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Job und Zukunft Die Wirtschaft im Erzgebirge hat Existenzsorgen - und mit ihr viele Erzgebirger. Und doch wird bei allen Schwierigkeiten ein großes Problem nicht aus den Augen verloren: der Fachkräftemangel. Jetzt haben die heimischen Wirtschaftsförderer eine neue Idee entwickelt.

Erzgebirge.

158.700 potenzielle Erwerbstätige im Alter zwischen 15 und 65 Jahren prognostiziert das Statistische Landesamt des Freistaates Sachsen für das Jahr 2030. Zum Vergleich: 2010 waren es laut Statistik noch 233.800. Fazit: Dem Erzgebirge fehlen in den nächsten zehn Jahren annähernd 30.000 Fachkräfte. Eine Entwicklung, die das Team der Wirtschaftsförderung Erzgebirge (WFE) schon seit Jahren beschäftigt. Um gegenzusteuern, wurden und werden immer wieder neue Ideen entwickelt.

Die Ausgangslage: Bei der Bevölkerungsentwicklung gleichen sich Zu- und Abwanderung mittlerweile nahezu aus, belegen die Zahlen des Statistischen Landesamtes. Allerdings gibt es nach wie vor deutlich weniger Geburten im Verhältnis zu den Sterbefällen. Trotz dieser seit Jahren anhaltenden demografischen Entwicklung war es bis 2018 gelungen, einen Zuwachs bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen zu erreichen. "2018 hatten wir den Höchststand im Erzgebirgskreis", macht Jan Kammerl von der WFE deutlich. Seither gebe es keinen Zuwachs mehr - und das Problem, dass auf zwei Berufsaussteiger nur noch ein Berufseinsteiger kommt. Anders die Entwicklungen bei den Ein- und Auspendlern. "Da gibt es zwar immer noch einen negativen Saldo. Aber er verringert sich stetig", mach Jan Kammerl deutlich. Und es sei momentan nicht erkennbar, dass sich dieser Trend ändere. Standen beispielsweise im Jahr 2008 38.111 Auspendlern aus der Region noch 13.109 Einpendler gegenüber, waren es im Jahr 2020 35.428 Auspendler gegenüber 18.498 Einpendlern.

Die Fachkräfteallianz Erzgebirge will gegensteuern. Zu ihr gehören neben den Wirtschaftsförderern noch zahlreiche andere Mitstreiterinnen und Mitstreiter, angefangen vom Regionalbauernverband bis zur Liga der freien Wohlfahrtsverbände im Erzgebirgskreis. Sie ist erst vor wenigen Tagen mit einem neu gestalteten Format an den Start gegangen. Die seit vielen Jahren bewährte Ausbildungsmesse Erzgebirge an den vier Standorten Annaberg-Buchholz, Aue-Bad Schlema, Marienberg und Stollberg geht jetzt unter dem Namen "Makerz" an den Start. Das etablierte Konzept rund um das Thema Ausbildung und Schule bleibt - das Design ist neu, verbunden mit einem neuen Portal in den sozialen Medien, mit dem insbesondere junge Leute noch individueller angesprochen werden sollen. Sabine Schulze-Schwarz von der WFE spricht von einer "wertvollen Ergänzung" der bereits etablierten und bewährten Angebote. Denn die Messe ist nur einer von vielen Bausteinen, wenn es um die Gewinnung von Fachkräfte-Nachwuchs geht. Die Woche der offenen Unternehmen im Frühjahr gehört dazu genauso wie verschiedene andere Formate zur Berufsorientierung. Bei allen ist den Initiatoren wichtig, "so authentisch wie möglich" zu sein. Das wird unter anderem dadurch erreicht, dass alle Ideen und Aktionen von regional bekannten Akteuren getragen werden.

Rückkehrer und Zuwanderer spielen neben dem Nachwuchs bei der Fachkräftesicherung eine ebenso entscheidende Rolle. Denn: "Ohne Zuzug von außen kann das Fachkräfteproblem nicht gestemmt werden", sagt Jan Kammerl. Deshalb haben die Erzgebirger vor sechs Jahren eine Vorreiterrolle in Sachsen eingenommen und das erste Welcome-Center im ländlichen Raum eingerichtet. Bis dahin hatte es solche Einrichtungen nur in den großen Städten gegeben. Kristin Kocksch, selbst Rückkehrerin ins Erzgebirge, leitet es zusammen mit Christoph Wagner. Gemeinsam helfen sie nun anderen beim Ankommen in der alten oder auch neuen Heimat. Um das den Neu-Erzgebirgern noch leichter zu machen, haben sie jetzt eine neue Idee entwickelt: das "Welcome-Hutzn". Der Name ist dabei Programm, denn Internationalität soll auf Erzgebirge treffen. "Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir Menschen noch intensiver beim Ankommen begleiten können. In eine neue Region zu ziehen ist das eine, Land und Leute kennenzulernen das andere. Wir möchten mit der Einladung einen Impuls setzen und Neu-Erzgebirger anregen, in gemütlicher Runde miteinander ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und untereinander auch Hilfe zur Selbsthilfe zu geben", so Kristin Kocksch. Gehutzt wird am 27. September von 17 bis 21 Uhr in der Alten Brauerei in Annaberg-Buchholz.

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