Protestzug durch Aue trotz Polizeiverbot

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Rund 1000 Menschen sind nach dem Abbruch einer Kundgebung am Samstagabend durch die Innenstadt gezogen. Auch in Schwarzenberg versammelten sich am Wochenende Menschen zu weiteren Kundgebungen.

Aue/Schwarzenberg.

Wenige Minuten nach dem eigentlichen Start hat die Polizei eine Corona-Demonstration am Samstagabend auf dem Altmarkt in Aue beendet. Mehrere Personen durchbrachen die Absperrungen. Zudem wurden Abstandsregeln und Maskenpflicht ignoriert.

Zu der Kundgebung aufgerufen hatte die neu gegründete Gruppe "Freie Sachsen", die von Martin Kohlmann, dem Kopf der rechtsextremen Gruppierung Pro Chemnitz, angeführt wird. Stellvertretender Vorsitzender ist NPD-Kreisrat Stefan Hartung. Ab 18 Uhr sollte gegen die Lockdown-Maßnahmen und speziell die erneuten Schulschließungen demonstriert werden. Doch schon vor Beginn ließ die Polizei keine weiteren Teilnehmer mehr auf den umzäunten Altmarkt. "350 Personen waren auf dem Platz. Mehr konnten wir nicht reinlassen", verweist Polizeisprecherin Jana Ulbricht auf die Abstandsregelungen.

Um die Barrieren versammelten sich mindestens weitere 500 Menschen - darunter Familien mit Kindern, Senioren, aber auch Personen, die sichtbar der rechten Szene zuzuordnen sind. Viele trugen keine Mund-Nase-Bedeckung und missachteten den Mindestabstand. Die Polizei forderte die Demonstranten mehrfach über Lautsprecher auf, die Corona-Regeln einzuhalten. Mehrere Personen, animiert von Menschen auf dem Altmarkt, kletterten schließlich durch die Absperrungen. 18.05 Uhr verkündete Mitorganisator Stefan Hartung nach Aufforderung der Polizei, dass die Versammlung beendet ist. Daraufhin setzten sich die Teilnehmer zu einem nicht genehmigten Aufzug durch die Stadt in Bewegung. "In der Spitze befanden sich bis zu 1000 Personen", teilt Jana Ulbricht mit. Kurz nach 20 Uhr war der Marsch beendet.

Der Leiter der Versammlung sei durch die Einsatzkräfte an der Spitze des Aufzuges festgestellt worden. Gegen ihn wurden Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz sowie die Corona-Schutzverordnung eingeleitet, ergänzt die Polizeisprecherin. Ermittelt wird auch gegen einen 19-Jährigen, der lenkend Einfluss auf den Marsch genommen hatte. Zudem wurde ein 15-Jähriger festgestellt, der Polizisten tätlich angegriffen hatte. Ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte wurde gegen Unbekannt eingeleitet. Insgesamt waren 165 Polizisten im Einsatz.

Nicht ganz 100 Menschen kamen parallel am Samstagabend in der Schwarzenberger Altstadt zusammen. Die Grünen wollten mit einer Lichterkette der Toten der Corona-Pandemie gedenken. Mitorganisator Roland Küblböck betonte aber, dass es sich nicht um eine politische Versammlung handelte: "Es ist eine Gedenkveranstaltung." Auch Lokalpolitiker anderer Parteien schlossen sich an, darunter Schwarzenbergs Oberbürgermeister Ruben Gehart (CDU). Ab 18.30 Uhr wurden auf dem noch abgedeckten Springbrunnen Kerzen angezündet und aufgestellt. Kurz nach 19 Uhr ergriff Küblböck das Wort und erinnerte an die Menschen, die durch oder mit dem Virus gestorben sind. Grünen-Kreisrätin und Fraktionsvorsitzende Ulrike Kahl hatte ein Gedicht aus der Zeit der Spanischen Grippe herausgesucht und rezitierte es. Dabei zeigten sich viele Parallelen: Einerseits forderten die Bürger damals schon, dass die Politik Maßnahmen ergreift, um hohe Todeszahlen zu verhindern. Andererseits sahen sie sich später durch die Maßnahmen stark beschränkt. Nach den kurzen Ansprachen und dem Türmerruf bildete sich entlang der Oberen Schlossstraße die Lichterkette. Zehn Minuten wurde in aller Stille der Opfer der Pandemie gedacht.

Deutlich weniger Menschen sind dem Aufruf des Bündnisses "Aufstehen gegen Rassismus Erzgebirge" gefolgt. Etwa 20 Teilnehmer zählte die Kundgebung am Samstagnachmittag am Ernst-Schneller-Ehrenmal in Schwarzenberg anlässlich des internationalen Aktionstags gegen Rassismus, der jährlich am 21. März begangen wird. Alle Teilnehmer trugen Mund-Nase-Schutz. Mitorganisator Andreas Heilsberg sprach über die Judenverfolgung. Anschließend ergriff SPD-Kreisrat Sören Wittig das Wort, trug ein Gedicht von Anton Günther vor, das beschreibt, dass alle Menschen gleich sind. Vor Alltagsrassismus warnte Gerd Weigel, Vorsitzender der SPD Westerzgebirge. Man müsse Flagge zeigen gegen Rassismus und Hass. Hubert Protzel, Linken-Stadtrat in Schwarzenberg, richtete weitere Worte an die Teilnehmer. Unter ihnen: Heidrun Hiemer, ehemalige CDU-Oberbürgermeisterin der Stadt.

Geschätzte 200 Menschen waren am Sonntag dem Aufruf der AfD nach Schwarzenberg gefolgt. Auf dem Festplatz an der B 101 forderten sie die Bundes- und Landesregierung auf, den Lockdown sofort zu beenden und die Schulen und Kindertagesstätten wieder zu öffnen. Die Veranstaltung, auf der unter anderem auch der AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Thumm und der Kandidat für die Bundestagswahl Thomas Dietz sprachen, verlief friedlich. Allerdings hielt sich ein Großteil der Teilnehmer nicht an den vorgeschriebenen Mund-Nase-Schutz und den Sicherheitsabstand. Die Veranstalter wiesen mehrfach, jedoch erfolglos auf die Vorschriften hin. Unter den Teilnehmern der Kundgebung waren Familien mit kleinen Kindern, Senioren und junge Leute. Aber auch offenbar Mitglieder der rechten Szene, die sich sichtbar zu erkennen gaben.

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