Sammelleidenschaft für gestickte Vereinsembleme

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Im Stickereimuseum Eibenstock zeigt Torsten Mäder aus Gotha Exponate, die mit Sportvereinen zu tun haben. Er konzentriert sich dabei auf die ostdeutschen.

Eibenstock.

Torsten Mäders Interesse für gestickte Vereinsembleme begann, als er 13, 14 Jahre alt war und in Altenburg lebte. Dort spielten die Fußballer von Motor Altenburg in der DDR-Liga, und er war Fan. Logisch, dass er ein solches Vereinsemblem für seine Kutte haben musste. Und so begann die Sammelleidenschaft, die den heute 55-Jährigen nicht mehr los ließ.

Heute nennt er zwischen 8500 und 9000 solche Embleme sein Eigen. Im Stickereimuseum Eibenstock ist aktuell eine Auswahl von 200 zu sehen, die einen Bezug zum Stadtwappen haben. Von A wie Adorf bis Z wie Zwickau. "Zu 80 Prozent wurden die Aufnäher zu DDR-Zeiten im VEB Buntstickerei und bei der Firma Diersch & Schmidt in Eibenstock gefertigt", erzählt der Gothaer. Es gibt sehr einfach gestaltete Embleme, teilweise mit farblichem Bezug zu den Stadtfarben. Manche enthalten nur Anfangsbuchstaben oder Jahreszahlen, andere orientieren sich an historischen Namen oder Regionen. Torsten Mäder konzentriert sich auf Vereine aus Ost-Deutschland. Als Grundlage für seine Suche nach Emblemen dient ihm ein Lexikon der Stadtwappen mit einem Verzeichnis über 600 Städten der DDR. "Unter den Sammlern von Aufnähern gibt es nur zwei, drei, die sich auf Ostdeutschland spezialisiert haben", sagt Mäder.

Die Sammler treffen sich zu speziellen Tauschbörsen, die aber in letzter Zeit wegen Corona ausgefallen sind. "Mein erstes Ziel ist es, überhaupt Aufnäher zu finden, die ich noch nicht habe. Das zweite Ziel ist dann, welche in besserer Qualität zu finden." Denn oft sind die, die angeboten werden, auch dreckig oder zerknittert. Ein Teil der Embleme ist sehr selten oder völlig verloren gegangen, weil viele Sportclubs der DDR in den 1960er-Jahren liquidiert wurden. "Oft spielt der Zufall eine entscheidende Rolle, wenn ich ein neues Emblem bekomme", sagt der Gothaer. Besonders freut er sich, wenn seine Kontaktaufnahme zu Sportvereinen erfolgreich ist. "Viele bemühen sich da richtig, mir zu helfen. Und dann kommt man eben doch an ein Emblem von dem einzigen Verein eines Ortes, der nur wenige Einwohner hat."

Eine Seltenheit unter den in Eibenstock zu sehenden Aufnähern ist das der BSG Stahl Brandenburg. "Die haben davon nur 200 sticken lassen, als sie 1986 gegen den nordirischen Coleraine FC und den schwedischen IFK Göteborg im Europapokal gespielt haben. Gebraucht wurden die gestickten Aufnäher für die dabei getragenen Adidas-Trikots", erzählt der Sammler.

Heutzutage geben die Sportvereine kaum noch Stickarbeiten in Auftrag. Die Embleme werden als dünne Folien auf die Shirts aufgetragen.

Das Stickereimuseum Eibenstock ist Dienstag bis Sonntag, 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr geöffnet. Wer Torsten Mäder Aufnäher oder Sportabzeichen anbieten möchte, kann ihn unter Locomotion1950@gmx.de kontaktieren.

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