Rasendes Vergnügen: Skifahren in der Sommerhitze

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Der Stollberger Skiverein will auf dem Hang an der Lessingstraße eine Randsportart etablieren. 2022 soll dort der erste internationale Wettbewerb stattfinden. Ist das realistisch?

Stollberg.

Und dann muss man irgendwie bremsen. "Am Anfang ist es schwierig", sagt Pepe Arnold, neun Jahre alt. Er muss es wissen: An seinen Knien klaffen ein paar Mini-Schürfwunden. Die Füße stecken in klobigen Schuhen, und darunter sind Skier, die aussehen wie kleine Planierraupen. Etwas wacklig rollt er den Hügel herab, aber diesmal schafft er es, ohne zu stürzen.

Pepe Arnold ist einer von drei Pionieren am Stollberger Skihang. Zusammen mit seiner Freundin Abigail Schulz Quebre und seinem Freund Niklas Krebs hat er am Samstag Rasenski trainiert. Das ist eine der neuen Sparten, die der Skiverein demnächst etablieren will, weil die Winter der vergangenen Jahre, nun ja, meist wenig mit den schneereichen Wintern zu tun hatten, die einst dazu führten, dass an der Lessingstraße ein Lift gebaut wurde. Aber weil die Anlage auch im Sommer funktioniert, können die jungen Rasenski-Fahrer nun die Teller zwischen ihre Beine klemmen und sich knapp 200 Meter nach oben ziehen lassen.

Hoch hinaus will auch Alexander Arnold, Pepes Vater, der im Verein für Rasenski verantwortlich ist. Zunächst wird alle zwei Wochen geübt. Aber falls das Interesse zunimmt, könnte der Nachwuchs auch jede Woche den Hügel herunterdüsen. "Wenn von drei Jugendlichen einer dabei bleibt, wäre das schon gut", sagt Arnold. Sein großes Etappenziel: Im nächsten Jahr will er einen internationalen Wettbewerb für Schüler am Stollberger Skilift veranstalten - mit lokaler Beteiligung, versteht sich.

Ist dieses Ziel realistisch? "Nicht auszuschließen", sagt ein Jugendtrainer des Ehrenfriedersdorfer Skivereins, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. In einer Randsportart wie Grasski sei die Konkurrenz nicht so groß. Wer zur Spitze gehören will, habe bessere Chancen als etwas beim Fußball, sagt er. Der 44-Jährige baute am Samstag Kegel für eine Slalom-Abfahrt auf und zeigte den Kindern, worauf sie in den Kurven achten müssen.

Dabei kam ihnen zugute, dass sie bereits Erfahrungen auf Schneepisten gesammelt hatten. "Man sollte vorher schon ein paar Saisons Alpinski gefahren sein. Sonst hat man keine Freude", sagt der Jugendtrainer. "Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede." Allerdings ist da noch das Problem mit dem Bremsen. Anders als beim Alpin-Ski kann man mit den Kanten der Grasskier nicht einfach abrupt stoppen. Um zum Stillstand zu kommen, müssen die Fahrer in einer Kurve ausschwingen und letztlich ausrollen. Der Stollberger Hang, der eher flach ist, bietet dafür recht gute Voraussetzungen.

Aufwendig ist die Rasenpflege. Sollen die Grasski geschmeidig rollen, muss die Piste ordentlich gemäht sein. Beim ersten Mal, als das Gras sehr hoch war, habe das drei Tage gedauert, erzählt Alexander Arnold. Mit dem Trecker braucht man jetzt drei Stunden für die Fläche. Joachim Funke, auch bekannt als "Opa Joe", setzt sich dafür regelmäßig hinters Steuer.

Doch der Hügel an der Lessingstraße ist nicht nur zum Skifahren da. 2006 kämpften dort Biker um die Europameisterschaft im Four Cross, einer Disziplin, bei der vier Fahrer gleichzeitig über die Piste donnern. Der Skiverein hat die Mountainbike-Strecke vor zwei Jahren wiederbelebt und eine eigene Abteilung gegründet. Zu manchen Veranstaltungen kommen jetzt bis zu 50 Jugendliche aus Stollberg und der Umgebung. Bald soll die Strecke umgebaut werden. Die Vereinsleitung will sie familienfreundlicher gestalten, aber auch Routen für Wettbewerbe integrieren.

Kontakt Wer Grasski in Stollberg ausprobieren will, kann sich an Alexander Arnold wenden. Ruf 0151 14817309

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