Wenn ganz Mitteldorf auf einem Spielplatz zusammenkommt

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Ein Spielplatzabend lockt alle Generationen an. Die Zusammenkunft ist sozialer Kitt sowie Benefizveranstaltung für einen Turnhallen-Umbau -von dem auch die Theatergruppe profitiert.

Mitteldorf.

Um eine Feuerschale am Spielplatz Mitteldorf sitzen Mädchen und Jungen mit Stockbrot. Weil die Stöcke, um die der süße Teig gewunden wird, ein gewisses Gewicht haben und nicht jedes Kind ausreichend Kraft besitzt, können diese aufgelegt werden. Das Gestell ist ein gut durchdachter Eigenbau. Andere Kinder toben sich auf dem Spielturm mit Rutsche, Kletterelementen und Schaukeln aus. Auf einer kleinen Bühne bereiten sich Nachwuchsmusiker von der Popakademie aus Bad Schlema auf ihren Auftritt vor. Männer stehen am Grill und Frauen verkaufen Zwiebelfettbemmen, Bemmen mit Kräuterbutter und mit Feta-Tomaten-Aufstrich. "Alles selbst gemacht", sagt Norman Schirmer, der Ortsvorsteher von Mitteldorf. Die Brote hat er gebacken. Die Aufstriche wurden von anderen Mitteldorfern beigesteuert. Schirmer betont: "Hier ist gar nichts gewerblich." Denn sämtliche Einnahmen sollen für den Erhalt der Turnhalle genutzt werden.

Der Spielplatzabend lockt alle Generationen an. Es ist ein richtiger Treffpunkt am Freitagabend. Der ganze Ort scheint auf den Beinen zu sein. Schirmer nennt das Fest auch den "sozialen Kitt". Es gehört also zu den Dingen, die die Gemeinschaft zusammenhalten und sorgt dafür, dass niemand das gemeinsame Ziel aus den Augen verliert. Im Ort, so ist zu erfahren, gibt es genau genommen nichts weiter. Mitteldorf hat keinen Bäcker, keinen Fleischer, keine Schule, keinen Supermarkt - die Einwohner haben nur noch sich selbst und eben die Turnhalle mit angeschlossenem Kunstrasenplatz und Spielplatz.

Seit ein paar Jahren, als seitens der Stadt überlegt wurde, die Turnhalle zu verkaufen, stellten sich die Mitteldorfer deshalb ganz klar gegen die Pläne. Erfolgreich. Es gründete sich der Förderkreis Turnhalle Mitteldorf, der die Turnhalle in Erbpacht erhält. Der "Zugezogene" Martin Tappert gehört ebenfalls zu den Engagierten im Ort. "Ich möchte in zehn Jahren meinem Sohn nicht erklären müssen, warum es die Turnhalle nicht mehr gibt", sagt er über seine Beweggründe.

So können die Kinder weiterhin Fußball spielen, die Boogie-Woogie-Tänzer und ein Fitnessverein trainieren sowie die Theatergruppe Spielfreunde in den Räumlichkeiten proben. Längst sind die Mitteldorfer allerdings an ihre Platzgrenzen gestoßen. Ein Erweiterungsbau sei geplant. "Aber kein zu großer, sondern einer, der genau am Bedarf orientiert ist", sagt Ortsvorsteher Schirmer und weiß den gesamten Ortschaftsrat hinter sich. "Beim diesjährigen Spielplatzabend, den wir ganz bewusst klein und damit händelbar halten, geht es um die Spielfreunde", so Schirmer.

Während beim Projekt 21 das Untergeschoss der Turnhalle mit Toiletten komplett barrierefrei gestaltet wurde, geht es beim Projekt 22 um einen Raum, in dem die Theaterleute ihren Fundus unterbringen können. 40.000 Euro investierten die Mitteldorfe 2021. Mehr als die Hälfte kam aus dem Förderprogramm "Lieblingsplätze". Dazu gab es Geld von Stadt, Spendern und Sponsoren. "500 Stunden im Ehrenamt haben wir selbst geleistet", sagt der 46-jährige Norman Schirmer. In diesem Jahr ist die Investitionssumme nicht ganz so hoch: Insgesamt 4000 Euro wurden für den Umbau des Werkstatt- und Wirtschaftsraums für die Theaterleute veranschlagt. Denn die Werkstatt zieht dafür in einen Bürocontainer, der auf dem Außengelände Platz finden soll.

Um die benötigen Gelder zusammenzubekommen, nutzt der Förderverein auch ein Crowdfunding der Volksbank. Und die Pläne gehen weiter: 2023 soll eine Tischtennisplatte im Außenbereich angeschafft werden.

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