Jahresrückblick: Prominente Erzgebirger 2019 - ein Jahr zwischen Geburt und Tod

Glück und Trauer haben Teresa Weißbachs 2019 geprägt. Ein beruflicher Höhepunkt war der ZDF-Erzgebirgskrimi. Aber auch dafür gab es nicht nur Lob.

Stollberg.

Stollberg. Für Teresa Weißbach war es das Größte, nach der Erstausstrahlung des ZDF-Erzgebirgskrimis in die Heimat zu kommen. Die meisten Leute seien begeistert gewesen: Unsere Region. Im Fernsehen. Zur besten Sendezeit. "Das war so gut", erzählt sie am Telefon. Dass sie aus dem Erzgebirge stammt, hört man ihr kaum noch an. Seit ein paar Jahren lebt die 1981 in Zwickau geborene Schauspielerin in Berlin, aufgewachsen ist sie in Stollberg. Fragt man sie, ob sie noch Erzgebirgisch kann, sagt sie: "Klor."

Die Frage ist nicht trivial. Tatsächlich war das Fehlen des regionalen Dialekts im Film ein Vorwurf, den sie sich - trotz hoher Einschaltquote - anhören musste. Teresa Weißbach sagt, sie könne die Kritik nachvollziehen, aber: "Ich habe den Leuten erklärt, dass der Film in ganz Deutschland verständlich sein muss." Ansonsten habe jedoch die Begeisterung überwogen.

Aus beruflicher Sicht wertet Teresa Weißbachs ihr 2019 als Erfolg. Privat ging sie durch Höhen und Tiefen. So brachte sie im Januar ihr drittes Kind zur Welt. "Ein guter Auftakt", erzählt sie. Doch ein paar Monate später, im Mai, verfiel sie in Trauer: Ihr Schwiegervater starb. Weihnachten musste sie ohne ihn verbringen. "Es ist schon komisch, dass er bei Familienfesten nicht mehr dabei ist."

Tod und Sterben, das sind Themen, über die Weißbach offen sprechen kann. Vor einigen Jahren ließ sie sich zur Sterbebegleiterin ausbilden. Da sie viel mit ihrem Nachwuchs beschäftigt ist, betreut sie im Augenblick keine Sterbenden, übernimmt jedoch repräsentative Aufgaben für die Caritas. Der Tod ihres Schwiegervaters habe auch ihre Einstellung zum Leben bestätigt: "Im Hier und Jetzt zu sein. Dankbar dafür zu sein, dass man gesund ist. Nicht nur Weihnachten, sondern jeden Tag."

In Berlin hat Teresa Weißbach nicht nur ihren Dialekt abgeschliffen. Sie hat das Lebensgefühl der Metropole in sich auf genommen. "Die Stadt ist ein Schmelztiegel mit vielen Kulturen." Zugleich fühlt sich Weißbach noch immer mit dem Erzgebirge verbunden. Sie versucht, einmal im Monat mit ihren Kindern nach Stollberg zu fahren, um die Großeltern zu besuchen. "Ich bin ein Familienmensch", sagt sie.

So gern sie in der Heimat ist, so besorgt war sie im Herbst wegen der Wahlen, bei denen die AfD viele Stimmen bekam. "Das ist beängstigend", sagt Weißbach, die auch den Titel "Botschafterin des Erzgebirges trägt. "Dabei kenne ich so viele Erzgebirger, die offen, tolerant und hilfsbereit sind." Für das kommende Jahr wünscht sie sich ein "stärkeres Miteinander und dass sich mehr Menschen auf christliche Grundwerte besinnen. Es gibt viele gute Gründe, keine Angst zu haben." Zudem hofft Teresa Weißbach, dass der Erzgebirgskrimi als Reihe fortgesetzt wird. Sollte es dazu kommen, darf sie mit hohen Einschaltquoten rechnen - auch ohne Mundart. (cp)


Rups holt seine Söhne auf die Bühne

Breitenbrunn. In der Weihnachtszeit brauchte man Thomas "Rups" Unger (51) mit Zeit nicht zu kommen. Davon hatte er nämlich kaum welche. 22 Weihnachtskonzerte hat der Breitenbrunner im Dezember gegeben. Er war ständig auf Achse, aber nicht allein. Stets an seiner Seite: Toni Kraus (22), sein Sohn, der inzwischen ein bekannter Pop-Musiker ist. Und obwohl sich die Musik von Vater und Sohn normalerweise unterscheidet - im Advent singen sie gemeinsam Weihnachtslieder und erzgebirgische Klassiker.

Dabei bekommen der Randfichten-Gründer und die einstige Klaane Flugficht immer öfter Unterstützung von einem weiteren Rups-Sprößling: Kurt (14) stand in diesem Jahr bei etwa einem Drittel der Weihnachtskonzerte neben seinem Vater und seinem Bruder auf der Bühne. "Ich habe gemerkt, er hat Musik im Blut, so wie der Toni, und zusammen macht es einfach mehr Spaß", sagt Rups. "Wenn es bei ihm zeitlich passt, ist er dabei."

Kurt ist ausgebildeter Schlagzeuger und spielt auch das Cajon, ein Schlagwerk, das als Rhythmusinstrument eingesetzt wird. Ob Kurt demnächst öfter mit seinem Vater auftreten wird, ist aber noch offen. "Wir lassen das auf uns zukommen", sagt Rups. "Ich dränge ihn nicht. Er soll machen, worauf er Lust hat. Vielleicht spielt er eines Tages in meiner Band oder in Tonis oder er gründet seine eigene. Das muss er selbst entscheiden."

Die Formation Rups und Söhne könnte übrigens sogar ein Quartett sein, denn Rups hat noch einen dritten Sohn: Patrick (31), ebenfalls nicht unmusikalisch. "Zu viert haben wir schon ein Geburtstagsständchen für meinen Vater zum Achtzigsten gegeben, aber Patrick wohnt in Bielefeld, das ist zu weit weg für gemeinsame Konzerte", sagt Rups.

In diesem Jahr hat er sein fünftes Album seit seinem Ausstieg bei den Randfichten veröffentlicht. Wie schon mit seiner Weihnachts-CD im Jahr davor, kehrte er damit zu seinen Wurzeln zurück: Polka, Volksmusik und Country mit flotten Texten. mu


"Arbeitslosenpfarrer" im Ruhestand

Krumhermersdorf. Als Beauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Fragen der Arbeitslosigkeit hat sich der Krumhermersdorfer Pfarrer Johannes Roscher Anfang der 2000er-Jahre über Sachsens Landesgrenzen hinweg einen Namen gemacht. Im mittleren Erzgebirge ist er ohnehin bekannt. Er leitete die Kirchliche Erwerbsloseninitiative Zschopau und hatte zuletzt die Hauptvertretung für die vakante Zschopauer Pfarrstelle übernommen. Zudem bekleidet er das Ehrenamt des Integrations- und Ausländerbeauftragten des Erzgebirgskreises.

Im April begann für den Seelsorger nun ein neuer Lebensabschnitt. Dabei hielt er sich an seinen Plan, sich mit Beginn des Ruhestandes zumindest für ein halbes Jahr aus dem kirchlichen Dienst zurückzuziehen. Der siebenfache Großvater nahm sich Zeit zum Lesen und für seine Enkel- und Patenkinder. Inzwischen hat Johannes Roscher vertretungsweise wieder einige Gottesdienste übernommen. Dabei geht er die Dinge aber gelassener an. Der Zeitdruck ist weg. "Was heute nicht wird, wird morgen", sagt er selbst.

Roschers Engagement galt in seiner beruflichen Laufbahn stets den sozial Benachteiligten und Ausgegrenzten. Das brachte ihm Anerkennung, aber auch Anfeindungen ein. 2008 wurde er in Berlin mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Mit der Hans-Böckler-Medaille erhielt er zwei Jahre später die höchste Auszeichnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Doch es gab auch finstere Stunden. Die für ihn dunkelste erlebte der Pfarrer am 19. März 2015. Bei einer Informationsveranstaltung über die Unterbringung von Asylbewerbern in Zschopau sah sich vor allem Roscher, der in der Diskussion selbst nicht immer das richtige Fingerspitzengefühl hatte, Beleidigungen und Schmährufen ausgesetzt. "Dass es so schlimm kommen würde, habe ich damals nicht erwartet", so Johannes Roscher. Die persönlichen Anfeindungen flauten damals glücklicherweise schnell ab.mik mit sf/hfn/mbe


Weltmeistertitel krönt tolles Jahr

Bockau. Das Jahr 2019 ist für Denise Herrmann ein überaus erfolgreiches gewesen. Für die aus Bockau stammende Sportlerin, die am 20.Dezember ihren 31. Geburtstag feierte ging sogar ein Traum in Erfüllung: Erstmals in ihrer Biathlon-Karriere sicherte sich die frühere Skilangläuferin einen Weltmeistertitel - in der Verfolgung im schwedischen Östersund.

Gänsehaut pur war es für sie, bei der Siegerehrung die deutsche Nationalhymne zu hören. Hinzu kam Silber mit der Mixed-Staffel und Bronze im Massenstart. Zweimal stand Herrmann zudem in Weltcup-Rennen ganz oben auf dem Podest. Sie siegte in Salt Lake City in den USA in der Verfolgung und mit der Staffel im kanadischen Canmore. In Oberhof und Ruhpolding gab's Podestplätze. Klar, dass sie dann erst einmal durchatmen musste. "Ich war im Frühjahr mit meinem Freund Thomas zwei Wochen im Süden zum Entspannen und Erholen", sagt Denise Herrmann.

Schon Anfang Mai begann dann die Vorbereitung auf die neue Saison. "Der Wintersportler wird ja bekanntlich im Sommer gemacht." Der Fokus lag auf der Verfeinerung der Technik und dem Schießtraining. "Ich konnte alles wie geplant trainieren und an vielen Details arbeiten." Obwohl sie straff eingespannt ist, hat die Biathletin ihre alte Heimat, das Erzgebirge, nicht vergessen. "Ich bin sehr gerne zu Hause bei meiner Familie, wenn es die Zeit erlaubt", sagt sie und ergänzt: "Mein Trainingsstützpunkt und dadurch auch mein Wohnort ist seit nunmehr zehn Jahren Ruhpolding. Aber einige Male im Jahr schaffe ich es schon nach Bockau. Dann freue ich mich auf Familienzeit."

Für 2020 wünscht sich die 31-Jährige Gesundheit, Zufriedenheit und Glück: "Und sportlich möchte ich meine Ziele erreichen." klin


Aufstieg in die Königsklasse geschafft

Grießbach. Mit der Austragung des Finales einer Enduro-Weltserie in einem rund 500 Einwohner zählenden Erzgebirgsdorf ist für Falko Haase und Matthias Schubert ein Traum in Erfüllung gegangen. Mit dem Duo an der Spitze ist es dem Getzen-Rodeo-Verein nicht nur gelungen, den Endlauf der World Enduro Super Series (Wess) 2019 nach Grießbach zu holen, sondern mit der achten Auflage der extremen Rundenhatz am 2. November auch zu einem einmaligen Erlebnis für Fahrer und Fans zu machen. "Der ultimative Enduro-Champ wird in diesem Jahr beim Getzen-Rodeo gekrönt", hatte Wess-Manager Winfried Kerschhaggl den Grießbachern vor dem Auftakt der aus acht Läufen bestehenden Serie einen Ritterschlag verpasst. Denn vor dem Kräftemessen im Erzgebirge standen immerhin Klassiker wie das Trèfle Lozérien in Frankreich, das Erzbergrodeo in Österreich oder die Red Bull Romaniacs in Rumänien auf dem Programm. Damit gehörten die Grießbacher einer prominenten Runde an.hd


Die immer lachenden DJs

Hinter Stereoact liegt ein aufregendes Jahr, und das nächste wird mindestens genauso spannend. Höhepunkt 2019 war die erste Tour der Erzgebirger.

Annaberg/Gornsdorf. Grund zum Freuen hatte Stereoact 2019 eine Menge. Mit Sängerin Vanessa Mai landeten die Erzgebirger einen Hit. Das Musikvideo zu "Ja, nein, vielleicht" wurde auf dem Videoportal Youtube bereits mehr als 750.000-mal angeschaut. Und die Superlative hören nicht auf. Über den Musik-Streaming-Dienst Spotify erreichten die DJs Millionen Hörer, die aus 79 Ländern kommen. Das zeigt, nicht nur hierzulande kennt man Sebastian Seidel und Rico Einenkel. Bei Spotify lief ihre Musik 2,1 Millionen Stunden. Kaum vorstellbar.

Seit dem Durchbruch mit "Die immer lacht" hört der Hype um das DJ-Duo nicht auf. Dahinter steckt aber auch viel Arbeit. Unermüdlich basteln Seidel und Einenkel in ihren Studios an neuen Songs und Remixen für andere Künstler. Anfang kommenden Jahres soll das neue Album erscheinen. Es wird das dritte von Stereoact sein. Einige der Songs, die darauf zu hören sein werden, haben Rico Einenkel und Sebastian Seidel auf ihrer Tour, die bis Ende 2019 ging, bereits live erprobt.

Apropos Tour. Auch wenn Stereoact mittlerweile schon wieder seit Jahren immer wieder in den Deutschen Charts auftauchen, in Clubs in der ganzen Republik gespielt werden, waren die Erzgebirger bisher noch nie auf Tour. Das hat sich im vergangenen Jahr geändert. Die Wunschkonzert-Tour war damit eines der Höhepunkte 2019 für die DJs. Stammgast sind die Musiker mittlerweile aber auch zu Silvester am Brandenburger Tor in Berlin. Vor wenigen Tagen heizten sie dort die Massen an.

Mit "Die immer lacht", geschrieben von Kerstin Ott, schafften sie den Durchbruch. Und auch wenn der Hit eine tiefere Ebene hat und eben das Lachen nicht immer über den wahren Gemütszustand Auskunft gibt, so hatten Seidel und Einenkel 2019 doch viel zu lachen. Die beste Voraussetzung für das neue Jahr. (aed)


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