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Bach in vielen Facetten: Weihnachtsoratorium erklingt in der Region mit Saxofonbegleitung und ganz traditionell

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Westfälische Saxophoniker ersetzen bei Aufführungen in Zschopau und Burgstädt das klassische Kammerorchester - Andernorts wird konventionell musiziert

Vokalmusik.

Jazz und Weihnachten - diese Kombination ist nun nicht gar so neu. Aber dass die locker swingende Klangkunst mit afroamerikanischen Wurzeln und die deutschlandweit weihnachtsmusikalische Institution schlechthin eine Allianz eingehen, das ist doch eher selten. Zumal in der in dieser Hinsicht doch eher traditionell geprägten Region des Erzgebirges. Einen Versuch ist es allemal wert, hat sich Carola Kowal aus Zschopau gesagt. Die Kantorin der St.-Martins-Kirchgemeinde in Zschopau hat für das Wochenende mit ihren Kantoreien aus Zschopau und Dittersdorf die Kantaten 1 bis 3 aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach einstudiert und lässt ihre Sängerinnen und Sänger dabei am Samstag ab 19 Uhr nicht etwa von einem gewöhnlichen Kammerorchester begleiten - sondern von einem Ensemble aus neun Saxofonen und einer Pauke

 

 

Westfälische Saxophoniker nennt sich das Ensemble aus dem östlich von Bielefeld gelegenen Lemgo, das sich auf Barockmusik im klanglichen Gewand der erst im 19. Jahrhundert in die Welt gekommenen Blasinstrumentenfamilie spezialisiert hat und da wiederum seit 2014 das wohl populärste Vokalwerk Bachs zu seinem Portfolio zählt. Die Musiker haben das 1734/35 uraufgeführte Werk nach ihren Vorstellungen arrangiert, womit den Zuhörern etwas Neues und zugleich Vertrautes angeboten werden kann. "Saxofone treten an die Stelle der Streicher, Trompeten, Flöten, Oboen und harmonieren mit dem Chor und den Sängersolisten. Damit nicht genug: fließend wechselt Barock zu eingeschobenen barocken Jazz-Stücken, die Bachs Melodien und Harmonien aufnehmen und überzeugend Brücken in die Musik der Jetztzeit schlagen", heißt es in der Eigendarstellung des Ensembles.

Das erste Mal seit 15 Jahren

Andere und somit in diesem Fall auch weniger Musiker auf der Bühne - hat das jetzt immer noch mit Corona zu tun? Carola Kowal, seit drei Jahren für die Kirchenmusik in dem Zschopauer und Dittersdorfer Gotteshaus zuständig, verneint: "Die Aufführung war sogar schon für Weihnachten 2021 geplant, da blieb uns aber nicht mehr genügend Zeit zum Proben. Deswegen haben wir die Aufführung um ein Jahr verschoben und proben jetzt seit Frühjahr." Dazu muss man wissen: Wenngleich gefühlt das Weihnachtsoratorium, außer in Pandemiezeiten, jedes Jahr in den Terminkalendern vieler Kirchgemeinden aufploppt, ist es in der Zschopauer Kirche Kowal zufolge jetzt zum ersten Mal seit schätzungsweise 15 Jahren zu hören. Mithin sind unter den Mitsingenden auch zahlreiche Männer und Frauen, die das "WO", wie der Siebensilber im Kirchenmusikerjargon gern genannt wird, zum ersten Mal mitsingen. Und ja, es gibt diesen Nachwuchs, sagt sie. Auch wenn das Geschäft ihn zu werben, schwer ist. Besonders an Männerstimmen herrscht stetes Defizit. Dabei erfahren Sängerinnen und Sänger dieses Mal sogar ein kleines bisschen Entlastung, wie Carola Kowal verrät. Wegen der spieltechnischen Besonderheiten des Saxofons ist das ganze Oratorium "tiefergelegt" -  um einen Halbton. Das mache für den Chor an manchen Stellen schon einiges aus. 

Das gleiche gilt mithin selbstverständlich auch für die rund 40 Singenden der Stadtkirche Burgstädt, die am Samstag ins Erzgebirge kommen und den dortigen Chor verstärken. "Der Burgstädter Kantor Benjamin Müller und ich hatten uns zusammengetan und das Saxofonensemble gemeinsam gebucht, weil es so kostengünstiger ist", sagt Carola Kowal. In der mittelsächsischen Stadt unweit von Chemnitz bringen dann die ungefähr 80 Singenden mit der ungewöhnlichen Begleitung das Werk am Sonntag, 17 Uhr, in der Stadtkirche zu Gehör. Der musikalische Doppelschlag ist überdies eine Sachsen-Premiere: Zwar sind die mit den blechernen Rohrblattinstrumenten sämtlicher Stimmlagen von Sopran bis Kontrabass auftretenden Westfälischen Saxophoniker mit ihrer Reloaded-Version des Klassikers schon in Berlin und Brandenburg aufgetreten. Der Freistaat ist bislang aber noch Neuland für sie.

Auf hohem Niveau, aber konventionell dargeboten

Zuhörern, denen das dann doch zu viel Neuland ist, haben am zweiten Adventswochenende  eine weitere Möglichkeit, dem "WO" auf hohem Niveau, aber in konventioneller Darbietungsform zu lauschen. Im Freiberger Dom am Untermarkt dirigiert Domkantor Albrecht Koch das Werk am Samstag um 16 und 19.30 Uhr mit dem Freiberger Domchor, der Jugendkantorei am Freiberger Dom und der Domkurrende. Es spielt das Philharmonische Kammerorchester.  Den Ensembles zur Seite steht ein Solistenensemble von internationalem Rang. So kommt aus Wien der Tenor Daniel Johannsen, der einer der meistgefragten Bach-Interpreten Europas ist. Erstmals in Freiberg gastiert auch die aus Leipzig stammende junge Sopranistin Viola Blache, die bereits auf eine beachtliche Karriere zurückblicken kann. Weiterhin sind die Erfurterin Annekathrin Laabs (Alt) und der Bariton Wolf-Matthias Friedrich zu erleben.

Die Domchöre waren zuletzt 2019 mit dem beliebten Oratorium zu hören. 2020 machte der Freiberger Dom im Lockdown mit einer kleinstbesetzten Aufführung, die im Internet übertragen wurde, auch international auf sich aufmerksam. Im vergangenen Jahr fiel das Konzert dann ganz aus. Besonders für viele Kinder und Jugendliche der Nachwuchschöre wird es so eine Premiere im Dom werden.

Für das Konzert am 19:30 Uhr sind noch ausreichend Eintrittskarten erhältlich. Für die ausverkaufte Vorstellung um 16 Uhr gibt der Freiberger Dom ein zusätzliches Kartenkontingent in den Verkauf, um auf die hohe Nachfrage zu reagieren. Diese Zusatzkarten sind nur im Domladen Freiberg erhältlich, der täglich von 11 bis 16 Uhr geöffnet hat.

Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach - weitere Termine

Samstag, 10. Dezember:

Laurentiuskirche, Auerbach/V.
Beginn:17.00 Uhr, Einlass ab 16.30 Uhr

St.-Jakobi-Kirche Stollberg
Beginn: 19.30 Uhr

St. Annenkirche Annaberg-Buchholz
Beginn: 19 Uhr

Sonntag, 11. Dezember:

Dom St. Marien, Zwickau
Beginn: 17 Uhr

Samstag, 17. Dezember:

Kreuzkirche, Chemnitz
Beginn: 18.30 Uhr

Dienstag, 27. Dezember:

Aegidiuskirche Lengenfeld
Beginn: 17 Uhr
 

 

 

 

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