Die Leseratte lebt

Warum das Klagen der Buchverkäufer manchmal grundlos ist

Das Buch, oh je, das Buch! So jammern die Buchhändler. Kulturpessimisten klagen: Das Buch ist in Gefahr, das auf Papier gedruckte Wort. Auch wenn es wie alle Jahre wieder in Frankfurt seit Mittwoch die Buchmesse gibt. Die weltgrößte, wohlgemerkt. Mit vielen neuen Büchern, die in die Hunderttausende gehen. Also was soll's, dieses Ningeln?

Na ja, sagt der Börsenverein, der Verband der Buchhandelsbranche, da ist schon was dran: Fast 37 Millionen Buchkäufer hat man vor sechs Jahren in Deutschland gezählt. Fünf Jahre später sind es nur noch knapp 31 Millionen. Dennoch gingen in dieser Zeit Jahr für Jahr konstant Bücher für mehr als 4,1 Milliarden Euro über die Ladentische, die echten und virtuellen. Fazit: Sechs Millionen Käufer gab es weniger. Aber viele der dem Buch treu Gebliebenen sagten sich: Nimm eines mehr.

Und wer ist schuld am Käuferschwund? Der Papst? Angela Merkel? Donald Trump? Also, letzterer auf gar keinen Fall. Zumindest indirekt. Ausgerechnet in den USA, wo immer mehr Menschen immer mehr im Internet lesen, feiert das gute alte Buch einen Riesenerfolg wie diesen: Es füllt zwischen New York und Los Angeles Stadien und Hallen mit mindestens 14.000 Plätzen. Die Tickets für eine Buchlesung kosten bis an die 3000 Dollar in der ersten Reihe. Das sind die Eckdaten der Lesereise einer Trump-Gegnerin, die im November damit beginnt.

Auf der Bühne ein Buch mit dem Titel "Becoming" - frei übersetzt: So wurde ich, was ich bin. Oder einfach "Meine Geschichte" von Michelle Obama. Dies ist die Autorin, welche die Hallen füllt, als wäre sie Madonna oder Lady Gaga. Ebenso ihr Ehemann Barack, der Ex-US-Präsident, hat seine Memoiren geschrieben. 65 Millionen Dollar soll der Verlag dem Paar dafür gezahlt haben.

Das Buch, oh je, das Buch! Stöhnen dagegen viele Verlage in Frankfurt und haben ihre Buchmessepartys diesmal abgesagt. Kein Geld für Wein und Häppchen. Genug zu fressen gab es dagegen in Stuttgarts Unibibliothek - an die 8000 Bücher auf 200 Regalmetern haben Ratten angenagt. Schaden: 200.000 Euro. Da sage noch mal einer, es gibt sie nicht mehr: die Buchverschlinger und Leseratten.

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