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Sinnes-Energie-Ausstellung "Chemnitz leuchtet": Kinder, dann bastelt euren Strom doch selber!

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Das Industriemuseum Chemnitz greift in seiner neuen Sonderschau mit bissigem Charme große Fragen aus dem Kleinen

Sonderschau.

Dumme Frage: Wozu brauchen wir überhaupt Licht? Hell ist es tagsüber doch sowieso! Und zack, schon hat einen das Industriemuseum am Wickel mit seiner neuen Sonderausstellung "Chemnitz leuchtet": Ja, das Thema klingt banal, fährt aber auch direkt einige irritierenden Widerhaken aus.

Denn so allgegenwärtig das Licht aus Ampeln, Laternen, Leuchtreklamen, Scheinwerfern, Kontrolllämpchen und Bildschirmen auch sein mag, das eine Stadt flutete wie Regenwasser, Feinstaub und Atemluft: Es ist, mal bei Museumslichte betrachtet, ein vergleichsweise neues Phänomen. Selbst die schummerige Gaslaterne funzelte erstmals vor nur rund 200 Jahren - davor ging die Menschheit über Jahrtausende einfach mit den Hühnern schlafen und mit einer Kerze aufs Klo. Die Eingangsfrage stellte sich nicht, es galt vorab das Udo-Lindenberg-Zitat: "Hell ist der Tag / und dunkel die Nacht!"

Beleuchten wir uns also, weil wir müssen - oder weil wir können? Dass die Wahrheit irgendwo zwischen Blackout und klimakillender Totalverschwendung liegen muss, schwant einem bereits am Angang der Sonderschau. Dort erschlagen zigmeterhohe Leuchtreklamen aus Chemnitz den Besucher regelrecht, etwa das ausgemusterte Fassadenlogo "Galeria Roter Turm". Die Museumshalle, deren Höhe für die Riesenobjekte erstmals voll genutzt wird, taucht das in ein eigentümliches Zwischenlicht aus Nacht und Tag, was zusammen mit der unvermittelten Nahperspektive auch eine filmreife Stimmung erzeugt: Wunderschön und absurd unreal gleichermaßen.

Zu sehen ist auch alte DDR-Neonreklame, bei der nur wenige Röhren getauscht werden mussten. "Das allermeiste funktionierte noch, als wir es aus dem Depot geholt haben", so Museumschef Jürgen Kabus: Wie gut, erkennt man daran, dass neue Leuchtteile dezent heller sind.

Angesichts der verschwenderischen Übergrößen ist schon nach wenigen Schritten die Frage im Kopf: Wenn man eben nicht nur funktionale Dinge braucht in einer Stadt, sondern eben auch (be)sinnliche wie den Lichtüberfluss - müssen wir dann nicht irgendwie auch eine Balance aushandeln? "Chemnitz leuchtet" greift diese dezent aus mit vielen kleinteiligen Nischen auf, in denen Straßenlaternen, heute für Designerwohnungen gefragte Werkstattleuchten und immer wieder auch stichelige Fakten zu finden sind. Der Pro-Kopf-Stromverbrauch in Sachsen etwa. Oder die Vorteile der LED-Technologie gegenüber klassischen Glühbirnen.

Ein eigener "Darkroom" greift dann mit stimmungsvollen Miniaturen die Frage auf, wann wir Licht im Dunkel wirklich brauchen - und wann wir es damit übertreiben. Dass das wie nebenbei das vorweihnachtliches Flair von Modelleisenbahnen und Puppenstuben freisetzt, ist ebenso jahreszeitlich passend wie museal geschickt: "Chemnitz leuchtet" knipst die Lichter im Kopf auch ohne Zeigefinger an und streicht immer wieder seinen starken Schauwert heraus, der den Besuch wirklich lohnt. Fakten gibt es dazu recht gut dosiert in einigen sparsamen wie stylischen Grafiken auf - natürlich - illuminierten Touchscreens.

Da die Schau teil des Themenjahres "Energie" des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum ist, vermisst mancher vielleicht ein paar genauere Hintergründe zum Strom, der im Licht der Viertelmillionen-Metropole Chemnitz verglüht. Aber einerseits ist der gemeinsamer Faden für 2024 eher rosa als rot: Die Zinngrube Ehrenfriedersdorf plant eine Sonderschau zur Wasserkraft im Bergbau, die Tuchfabrik Gebr. Pfau in Crimmitschau will sich mit neuer Dauerausstellung zur Textilfabrikation verstärkt als Museum etablieren, und die Energiefabrik Knappenrode hat eine Wanderausstellung des Bundes zur Energiewende in petto.

Und andererseits ist Versorger Eins Energie Sponsor von "Chemnitz leuchtet" und wird nur prospekthaft vorgestellt. Zum Beispiel mit seinem Energiemix: Stattliche vier (!) Windkraftanlagen hat man am Start, fünf weitere sind in Planung. Tja, wenn Landschaft so geschont wird, leuchtet am Ende auch das Auge des einen oder anderen Erzgebirgers!

Zwölf Windräder aus Pappe, Federn und Holz haben dagegen Chemnitzer Kita-Kinder, die sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt haben, für die Schau gebastelt. Das kann man dann durchaus auch als bissigen Kommentar der Ausstellungsmacher verstehen: Wenn die kommende Generation klimaschonenden Strom will, muss sie ihn sich wohl selber basteln? Touché!

Die Ausstellung "Chemnitz leuchtet" ist bis 5. Mai 2024 im Industriemuseum Chemnitz zu sehen.

www.industriemuseum-chemnitz.de

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