Fünf Handy-Fallen im Ausland

Auch ein Jahr nach Abschaffung der EU- Roaming-Gebühren drohen hohe Kosten fürs Telefonieren und Surfen.

Viele Menschen gehen davon aus, dass sie nach der Abschaffung der EU-Roaming-Gebühren ihr Handy in der EU komplett kostenlos nutzen können. "Dieser Irrtum führt mitunter zum Schock beim Blick auf die nächste Handyrechnung", sagt Justin Pietsch vom Fachportal Smartklar.de und erklärt, welche Fallen es gibt.

Mit einer Allnet-Flat kann man kostenlos von Deutschland ins Ausland telefonieren: Das ist falsch. Korrekt ist: Wer eine Allnet-Flat hat, der kann diese auch kostenlos im EU-Ausland nutzen. Zum Beispiel für stundenlange Telefonate innerhalb von Frankreich. Oder von Frankreich nach Deutschland. Oder von Frankreich nach Italien. Aber: Gespräche von Deutschland nach Frankreich sind nicht inklusive. Dafür fallen Extra-Kosten an - teils sogar mehr als ein Euro pro Minute, im Extremfall sogar 1,99 Euro pro Minute. Diese Kosten sollen nach dem Willen der EU-Kommission zwar ebenfalls gedeckelt werden, das wird allerdings erst ab dem 15. Mai 2019 der Fall sein.

Telefonate zwischen den EU- Ländern kosten extra: Das ist falsch. Viele Anbieter werben zwar damit, dass das kostenlose EU- Roaming für Telefonate aus dem EU-Ausland nach Deutschland gilt. Davon sollte man sich aber nicht verwirren lassen: Auch Telefonate zwischen den EU-Ländern - etwa von Spanien nach Frankreich - fallen darunter. Das heißt: Wer in Deutschland einen Handyvertrag mit Allnet- Flat gebucht hat, der kann damit im Spanien-Urlaub auch nach Frankreich telefonieren, ohne Extra-Kosten fürchten zu müssen; in Spanien gelten schließlich die Konditionen des deutschen Handyvertrags.

Das gesamte Datenvolumen ist auch im EU-Ausland gültig: Jein: Zwar kostet das mobile Surfen im Internet in Spanien oder Frankreich dank der EU-Roaming-Abschaffung nichts extra. Aber wie viel Datenvolumen zur Verfügung steht, das hängt vom gebuchten Handytarif und den Konditionen des Anbieters ab. Manche Anbieter gewähren zwar das volle Datenvolumen auch in Spanien oder Frankreich. Dazu verpflichtet sind sie aber nicht immer: Denn gesetzlich geregelt ist das Mindest-Datenvolumen durch die sogenannten Fair-Use-Policy. Mithilfe einer Formel lässt sich anhand der Grundgebühr eines Handyvertrags berechnen, wie viel Datenvolumen der Anbieter mindestens zur Verfügung stellen muss. Vor allem bei billigen Tarifen mit viel Datenvolumen kommt diese Regelung zum Einsatz.

Jeder Anbieter muss die Handynutzung im Ausland ermöglichen: Falsch. Es gibt Handytarife, die explizit Roaming ausschließen. Mit solchen "National-Handytarifen" ist eine Handynutzung nur innerhalb Deutschlands möglich - im Ausland funktioniert die SIM-Karte nicht. Wer nicht in Grenznähe wohnt und nie ins Ausland reist, für den bieten solche Tarife eventuell etwas Spar-Potenzial. Grundsätzlich sollte man sich die Entscheidung aber gut überlegen - denn im Ausland steht man damit letztlich komplett ohne Netz da, selbst kurze Telefonate sind nicht möglich.

Übrigens: Bei manchen Anbietern wird das Roaming erst rund sechs bis acht Wochen nach der SIM-Karten-Aktivierung freigeschaltet. Auch das ist nicht verboten, wenn die Anbieter dies ausdrücklich in ihren Vertragsbedingungen verankert haben. So zumindest heißt es in einer Antwort der Bundesnetzagentur an Teltarif.

Auf Kreuzfahrten über EU-Meere fallen keine Extra-Kosten fürs mobile Internet an: Das ist falsch. Selbst, wenn man mit dem Kreuzfahrtschiff auf europäischen Meeren seinen Urlaub genießt: Hier drohen oft hohe Extrakosten. Denn wer fernab der Küste durch das Mittelmeer schippert, der klinkt sich mit dem Smartphone ins Schiffsnetz ein. Diese Mobilfunknetze sind per Satellit gekoppelt und fallen nicht unter die EU-Roaming-Verordnung, dafür berechnen die Anbieter spezielle Preise. Und das nicht zu knapp: Für ein Megabyte Datenvolumen fallen teils mehrere Euro an, auch für Telefonate fallen mehrere Euro pro Minute an. Da hilft nur: Die Handynutzung stark einschränken und beim nächsten Landgang in Spanien oder Italien mit dem dortigen Netz verbinden. Oder eben: einfach mal abschalten. (rnw)

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