Ausgerechnet

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Wir alle müssen ja immer so viel. Zum Beispiel müssen wir wieder ein entspanntes Verhältnis zu allen möglichen Dingen finden. Sogar zur Mathematik. Entspannt euch, aber sofort!

Liebe Pisastudienbeauftragte, ich kann euch beruhigen: Mein Verhältnis zur Mathematik ist absolut tiefenentspannt. Spätestens, seit meine Lehrerin die binomischen Formeln erklärte und dabei Herzchen, Dreiecke und Kreise als Platzhalter benutzte, um zu zeigen, dass ein Platzhalter durch alles ersetzt werden kann, seitdem weiß ich: Rechnen macht Spaß!

Nicht rechnen übrigens auch. Wenn man gar nicht mehr damit rechnet, dass die Kinder gleich zum Essen kommen, wenn man sie ruft, ist die Freude über ihr Erscheinen umso größer. Zum Nachtisch gibt es Johannisbeeren. Der Mittlere verkündet: „Die Johannisbeere ist meine Lieblingszahl!“. Dann fragt er: „Wie viel ist eigentlich Johannisbeere plus Johannisbeere?“ Klarer Fall: Der Junge ist hochbegabt. Schon mit vier Jahren rechnet er mit Variablen.

Und während ich noch rätsle, ob die Lösung „zwei Johannisbeere“ oder „zwei Johannisbeeren“ lautet, ist er schon einen Schritt weiter: „Die Johannisbeere ist die 28!“ Da stellt sich allerdings die Frage, was vor der Johannisbeere kommt. Wenn jede natürliche Johannisbeere einen Nachfolger hat, muss doch auch jede einen Vorgänger haben? Mein Mann behauptet, es wäre die Himbeere, kann aber keinen schlüssigen Beweis liefern. Ist wohl ein Axiom, oder, in Elternsprache: „Wenn ich das sage, dann ist das so!“

Jedenfalls steht in unserer Familie die Zahl 28 für „sehr, sehr, sehr viel“. Die Große verkündete vor ein paar Jahren: „Ich habe 28 Hunger!“ Jetzt hat ihr Bruder einen Hunger, so groß wie die größte Kirche der Stadt. Die ist wirklich groß, jedenfalls wenn man bedenkt, wie klein unsere Stadt ist. Es kommt eben immer auf das Verhältnis an. (Übrigens gibt es bei uns laut meinem Sohn auch eine Donaldskirche. Ob sie nach dem berühmten Enterich benannt ist, oder nach einem Trumpeltier, bleibt allerdings offen.)

Zurück zu den Zahlen: Der Mittlere wollte neulich wissen, wie alt sein Papa ist. Ich sagte es ihm. Da kriegte er große Augen: „Das ist so groß wie ein Riesenrad!“ Das kann sich jetzt jeder selbst ausrechnen. Über all der Mathematik ist mein Sohn übrigens satt geworden: „Ich hab dir schon tausendmal gesagt, dass ich keinen Hunger mehr habe!“ Woher er die Formulierung wohl hat? Ich sage ihm, er solle sich mal entspannen. Aber sofort!

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