Heiße Nachrichten aus Bad Lippspringe. Das ist ein Städtchen bei Paderborn mit einem lächelnden Bürgermeister namens Herr Bee. Gerade habe ich gelesen, dass es in Bad Lippspringe dieses Jahr schon 67 Sommertage gab. Das ist viel. Mehr als doppelt so viel wie die Bad Lippspringer gewohnt sind. Ich bin zwar kein staatlich geprüfter Sommertagszähler, aber das Wetter in unserem Garten kann locker mit Bad Lippspringe mithalten.

Jedenfalls trage ich seit Mai keine Socken mehr. Für Kind 1 und Kind 2 zwitschere ich täglich eine kleine Operette, die aus einem einzigen Satz besteht. Der geht so: „Spielt draußen, es ist ja heute so schönes Wetter!“ Meistens passiert das in dem Moment, in dem sie in diversen Ecken herumlungern und heimlich auf dem Tablet Filmchen schauen. Dann kommt mein Auftritt. Ich baue mich auf wie ein Türsteher bei der Einlasskontrolle, stemme die Hände in die Hüfte und beginne, diesen Satz zu singen. Im Mai habe ich ihn noch gesprochen. Inzwischen hat sich eine Melodie eingeschlichen, weil ich ihn so häufig benutze. Die Kinder schimpfen, draußen sei es langweilig und öde. In der letzten Sternschnuppennacht hat sich Kind 2 Dauerregen gewünscht, um in Ruhe drin spielen zu können. Ich tröste und weise darauf hin, dass es morgen bestimmt nicht so schön werde wie heute. Es könnte der letzte schöne Tag des Jahres sein.

Kind 1 und Kind 2 hatten im Hort neulich Besuch von der Krankenkasse. Eine Frau erzählte ihnen ein bisschen was über Schnupfen und schenkte ihnen einen Gutschein für ein Nasenspülkännchen. Man kann auch Nasendusche sagen, erklärte Kind 1 feierlich. Anschließend hielt der Junge ein kleines Referat über dieses Kännchen. Die eigene Nase auszuspülen, sei wohltuend und befreiend und produziere ein Gefühl von Wellness im Bereich der Gesichtsmitte. Kind 1 findet es gut, wenn ihm jemand ein Geschenk macht, ohne dass es etwas zurückschenken muss. Bald werden wir in die Stadt fahren, die Krankenkassenfrau in ihrem Krankenkassenbüro besuchen und unsere Nasenspülkännchen abholen-

Ich muss ihr was sagen, der Gesundheitsberaterin. Sie soll bitte dafür sorgen, dass die Krankenkasse Bonusstempel fürs Draußenspielen einführt. Für ausreichend dreckige Füße und dreckige Hände gibt es abends einen Frische-Luft-Stempel, den eine Jury aus mindestens drei Müttern oder Vätern in ein buntes Heftchen drückt. Über die Prämie müssen wir noch reden. Bloß kein Gutschein für Nasenspülkännchen.

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