Jeder Buchstabe zählt. Man sollte keinen einzigen unter den Tisch fallen lassen. A, E oder Y - alle werden gebraucht. Außerdem lassen sie sich so schlecht aufkehren, die Buchstabennudeln.

Meine Kinder lieben Buchstabensuppe. Nicht etwa, weil sie so wild auf Sellerie, Möhren und Suppenkräuter wären. Sondern, weil sie gerne die Anfangsbuchstaben ihres Namens suchen (Der Kleine nicht. Während seine beiden Geschwister suchen, futtert er den Topf leer).

Es dauert natürlich ganz schön lange, bis man sich bei der Buchstabensuppe von A bis Z vorgearbeitet hat. Doch so hat man immerhin Zeit für gepflegte Tischgespräche. Der Mittlere erzählt von seiner Erzieherin: "Frau X ist kein Fisch." Im ersten Moment beruhigt mich das. Dann aber frage ich mich, warum er diese Information für so erwähnenswert hält. Sind etwa die anderen Erzieherinnen Fische? Stellt sich der Junge den Kindergarten als übergroßes Aquarium vor? Hat er zu tief in die Buchstabensuppe geschaut? Erst nach mehreren Minuten verstehe ich, was er wirklich sagen wollte: "Frau X isst keinen Fisch." Da sieht man mal, welche Missverständnisse entstehen können, wenn man einfach Buchstaben weglässt. Und wenn man es mit der Grammatik nicht so genau nimmt.

Früher hab ich es nie so eng gesehen, wenn mal ein Buchstabe verlorenging. Das ist wie mit dem Buchstabenpuzzle: Das C, das H und das T können tagelang verschwunden sein, aber beim nächsten Aufräumen findet man sie wieder. Schwieriger ist es, wenn Buchstaben vertauscht werden. Früher machte ich mich über meinen Mann lustig, der am Telefon gerne erklärte, er heiße "Hommel, wie die Hummel bloß mit O". Dann sagte ich eines schönen Samstagnachmittags im Beisein einer Standesbeamtin "Ja". Seitdem bekomme ich regelmäßig Briefe an Frau Hammel oder Frau Rommel. Inzwischen habe ich mir selbst schon den Hummelspruch angewöhnt.

Wahrscheinlich reden wir einfach alle zu undeutlich. Das sieht man daran, wie die Kinder schreiben, wenn man sie lässt. Die Große zum Beispiel ist manchmal richtig "sauar". Der Mittlere schreibt noch nicht. Aber er möchte gerne Schlafzeug spielen. Ich kenne mich ja nicht aus. Bestimmt ist das ein sehr leises Instrument. Die Nachbarn werden wohl nichts dagegen haben.

Die Buchstabensuppe ist alle. Gut so - zu viele Buchstaben sollten es ja auch nicht sein. Jedenfalls nicht innerhalb eines Wortes. Mein Sohn möchte jetzt zum Nachtisch Waffeln mit Bruderzucker. Er ist nun mal ein richtiger Quatschknopf.

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