Corona, Tag 359

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Tag 359 mit Corona. Ich betone an dieser Stelle „mit Corona“ und sage nicht "wegen Corona", weil ich nicht weiß, ob es ohne Virus anders wäre. Das lässt sich auch nicht herausfinden, weil es schlicht und ergreifend zu spät ist.

Der Tag beginnt mit einem lauten Knall. Kind 1 ist aus dem Bett gefallen, nachdem ihm im Traum eine Spinne erschienen war. Es mag keine Spinnen und wollte flüchten, blieb dabei aber unglücklich hängen. Daraufhin beschwert sich der Junge über Knöchelschmerzen und erklärt sich selbst als krank geschrieben. Er lässt sich aufs Sofa fallen. Kind 2 jammert indes über die Sinnfreiheit der Mathematik. "Zahlenstrahl, kein Mensch braucht Zahlenstrahlen", wehklagt das Mädchen. Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass die Dinger jemand cool findet, könnte man sie essen oder wenigstens streicheln. Kind 1 hat inzwischen den Fernseher eingeschaltet und schaut eine Doku über eine zwölfjährige Kuh namens Uschi. Uschi ist die älteste Kuh auf dem Hof, aber nicht das älteste Rindvieh im Dorf. Kind 1 findet das faszinierend und überlegt, ob es einen Deutschaufsatz über Uschi verfassen soll. Immerhin muss der Junge in Deutsch seine Gedanken zum Montagmorgen aufschreiben, und diese kreisen nun um Kuh Uschi.

Alle sind in letzter Zeit so empfindlich. Ich beschwere mich über Zahnpastakleckse im Waschbecken und auf den Bodenfliesen, woraufhin Kind 1 und Kind 2 beleidigt die Türen zuknallen. Daraufhin öffne ich die soeben zugeschlagenen Türen und werfe Schlafanzüge und Schmutzwäsche hindurch, die ich im Badezimmer gefunden habe. Diese Sachen habe gefälligst jeder selbst zu geeigneten Plätzen zu bringen, sage ich. Das ist mein tägliches Mantra. Kurze Zeit später erscheint Kind 2 mit der Frage, welche Speise ich heute zum Mittag servieren werde. "Tütensuppe", antworte ich. Das Mädchen würgt, verdreht die Augen und bittet darum, ihm die Nudeln zu erhitzen, die vom Vorabend im Kühlschrank stehen. Ich laufe in die Küche und stelle fest, dass es inzwischen in allen Räumen Spuren von Schulbüchern, Heftern und losen Blättern gibt. Kind 1 lacht beherzt und hört dabei "Brüderchen, komm tanz mit mir". Es hat das Telefon auf Lautsprecher gestellt, sucht auf YouTube im Wechsel mit seinem Kumpel die meistgeklickten Kinderlieder und beschwert sich nölend über die Texte. Ich bemerke, dass der Müll raus muss. Ich freue mich auf den Spaziergang zur Mülltonne, bin so aufgeregt und weiß gar nicht, was ich anziehen soll. Es gibt Tage, da wird meine Wohnumgebung zum Irrenhaus. Dagegen ist eigentlich auch nichts einzuwenden, solange die Rollen klar sind.

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