Habe ja erwähnt, dass ich von hinten wie ein wandelndes Erdnussflip aussehe. Durch kalorienreiche Fußball-Fankost. Ist beim Futtern vor Aufregung hinten in meiner persönlichen Powerbank hängengeblieben. Das ist mein Energie-Depot, und es befindet sich leider an einer ungünstigen Stelle meines in die Jahre kommenden Körpers. Wäre ich Profi im Kugelstoßen und auf dem Weg zu Olympia, wäre das in Ordnung. Bin ich aber nicht. Ich bin die deutsche Durchschnittsmutter, die zu beweisen versucht, dass sich das Muttersein nicht aufs Gewicht legt.

Also stand ich nun am Buffet der Kindergarten-Abschiedsfete von Kind 2. Das kleine Mädchen hatte sich gerade eine Zuckertüte vom Zuckertütenbaum gepflückt und sich darüber beschwert, dass es nicht die gleiche Tüte habe wie seine Freundin. „Die hat aber Pferde auf der Zuckertüte. Ich habe mir schon immer Pferde auf der Zuckertüte gewünscht“, sagte Kind 2. Das empfand der junge Mensch als ausgesprochen ungerecht und rücksichtslos und gemein. Aber Kind 2 kriegte sich wieder ein, als es am Buffet stand und sah, dass es Muffins gibt. Die Aussicht, zum Abendbrot Kuchen statt Schnitte zu essen, stimmte meine Tochter versöhnlich.

Ich schaufelte Beilagen auf meinen Teller. Kartoffelsalat, Nudelsalat, und dazwischen klemmte ein Würstchen. Da hielt eine superschlanke Mutter einen Vortrag über eine Stoffwechsel-Diät, quer übers Buffet. Die habe sie soeben erfolgreich absolviert und fühle sich nun wieder wohl in ihrer Haut. Im All-Inklusive-Strandurlaub dürfe sie sich nun vollstopfen mit Essen. Sie habe schließlich Platz geschaffen in ihrem Körper. Ich schaute auf meinen Teller und dann auf mich.

Seitdem habe ich schlechte Laune. Ich organisierte mir den Diät-Speiseplan, den ich für zwei Wochen einzuhalten versuche. Das wäre nur fair. Zwei Wochen hungern, dann zwei Wochen hemmungslos im Urlaub futtern. Die erste Diät meines Lebens. Und leider habe ich festgestellt, dass mir Disziplin keinen Spaß macht. Morgens schwarzer Kaffee und trockenes Brötchen sind doof. Mittags gekochte Eier mit Gemüsesalat sind auch doof. Abends darf ich zwar Fleisch essen, aber 300 Gramm Rumpsteak machen mich auf Dauer arm. Außerdem fühle ich mich wie ein Neandertaler, der gerade das Feuer als neuen Freund entdeckt hat und so verzückt ist, dass er sich immerzu ein Steak braten muss. Kann sein, dass der Neandertaler damit sehr glücklich war. Mir fehlt jedenfalls der Zucker.

Kind 1 und Kind 2 haben leider überall im Haus unsichtbare Ohren installiert. Sie sind über meine Diät bestens informiert. Kind 1 testet an mir seinen schwarzen Humor, indem es mit der Gummibärchentüte vor mir herumknistert: „Willst du eins?“ Pause. „Ach, 'tschuldige. du machst ja Diät. Hihihi!“ An diesem Abend überraschte ich Kind 1 und Kind 2 mit einem Salat. Ich kündigte an, dass wir uns ab sofort gesund ernähren. Kein Fastfood, kein Weißbrot, keine Eierkuchen. Nun bin ich wenigstens nicht mehr allein mit meiner schlechten Laune.

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