Elvira

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Kind 1 will sie. Dringend. Ganz unbedingt und sofort. Und falls wir diesen hübschen kleinen Wunsch nicht durchwinken, wird der Junge lebenslänglich traumatisiert. Er wird von seiner schlechten Kindheit erzählen, sobald er erwachsen ist. Falls er dann überhaupt noch Lust haben sollte, mit jemandem zu sprechen. Womöglich wird er als Erwachsener nichts anderes tun als auf dem zu Sofa sitzen und RTL 2 zu gucken, die Wollnys und Frauentausch mit Nadine und Trixie, weil wir als Eltern eine glatte Sechs waren. Diesen Absturz könnten wir mit zwei kleinen Wörtchen verhindern. Wir müssten nur „na gut“ sagen. Und das habe ich nun gemacht, und dem Jungen liefen Tränen des Glücks in die Augen. Es geht an dieser Stelle wieder um Hühner.

Er kaufe sie sich selbst, sagte mein Sohn und wedelte mit einem Bündel Fünfern und Zehnern vor mir. Das Geld stamme von unserer Nachbarin. Er habe ihr seine Dinosaurier-Sammlung verkauft, für ihren Sohn. Nun besitze er genügend Scheine, um sich eine kleine Hühnerschar und einen Stall zuzulegen. Echte Dinosaurier, wie er zu betonen pflegt. Wenigstens das, was von ihnen übrig blieb. Ein paar Tage verstrichen. Dann kam ich von der Arbeit nach Hause und sah in unserem Vorgarten eine Holzhütte stehen. Opa sei so freundlich gewesen, sie zu besorgen, erklärte Kind 1. Dabei lief der Junge im Vorgarten auf und ab, einem Ort, den sich unsere Nachbarschaft mit hübschen Steinchen und Bodendeckern dekoriert hat. Bei ihnen fressen Rasenmähroboter die Wiese ab und verschwinden zum Feierabend automatisch in kleinen Holzhütten. Bei uns werden das künftig Hühner erledigen und dabei kacken. Das ist erlaubt. Kind 1 hat sich im Internet weitergebildet, denn diese Recherche gehörte zu seiner Argumentationskette.

Das Stall-Modell heißt übrigens Elvira. Es ist mit zwei Legenestern ausgestattet, was es zwei Hennen gleichzeitig ermöglicht, in angenehmer Atmosphäre ein Ei zu legen. Nach der kleinen Präsentation zog Kind 1 eine Visitenkarte aus seiner Hosentasche und hielt sie mir vor die Nase. Er habe bereits Kontakt zum örtlichen Geflügelzüchterverein aufgenommen, und dies sei die Telefonnummer des Vorsitzenden. Von dieser Quelle gedenke er, in den nächsten 72 Stunden Hühner zu beziehen. Übrigens habe man ihn eingeladen, aufgrund seiner Fachkenntnis einen Vortrag über bedrohte Geflügelarten zu halten.

Mich überfiel ein Anflug von Panik. Abends guckte ich Frauentausch mit Natalie und Yvonne.

Weitere Blog-Einträge