Entweder jetzt!

Möglicherweise habe ich es schon erwähnt: Ich bin ein großer Fan der Super Nanny. Nicht, dass ich schon jemals eine Folge der Serie gesehen hätte, in der die Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank Familien bei Erziehungsproblemen half.

Ich sehe fast nie fern. Das liegt daran, dass ich es nie gelernt habe. Wirklich: Als Kind durfte ich nur selten fernsehen, und schon gar nicht Privatsender, die bei meinen Eltern unter der Spartenbezeichnung „Verdummungskanal“ liefen. Besser gesagt, nicht liefen.

Die Fernseh-Ikonen der 1980er- Jahre kenne ich nur von meinem Mann, der im Osten nahe der bayerischen Grenze aufwuchs. Wenn meine Schulkameraden im Schnellrestaurant einen MacGyver bestellten, konnte ich nicht mitlachen.

Zum Glück ist die Verdummung heute dank Internet für jeden erreichbar. Doch das Netz bietet auch Gutes. Und dazu gehören für mich die Blogs und Fachartikel von Katharina Saalfrank. Dem Fernsehsender hat sie den Rücken gekehrt, hat eine Praxis als Familienberaterin. Ihr Erziehungskonzept in Kurzform: Emotionale Bedürfnisse von Kindern achten, Gründe für ihr Verhalten verstehen, stabile Eltern-Kind-Beziehung aufbauen, Kinder bei der Selbstregulierung unterstützen. Bestrafung bringt nichts, sagt sie.

Wie wahr. Nichtbestrafung bringt allerdings oft auch nichts. Wie gerne würde ich bei unerwünschtem Verhalten meiner Kinder den Umschaltknopf finden. Finde ich aber nicht. Muss wohl an meiner mangelnden Fernseherfahrung liegen. Vielleicht lese ich den Kindern einfach ein paar Texte von Katharina Saalfrank vor. Dann lernen sie, dass man mit „Expressung“ nicht weiterkommt. Der Mittlere versucht es trotzdem: „Entweder wir gehen jetzt Eis essen!“ Ich warte geduldig auf das „oder“, das nicht kommt. Und versuche, ein gutes Vorbild zu sein.

Praktische Anwendung: Der Kleine haut seinen Bruder. Er braucht also nur Zuwendung und kann sich noch nicht ausdrücken. Als ich schimpfe und ihn danach in den Arm nehme, weint er. Ich bin genervt. Der Mittlere aber versteht, warum ihn sein Bruder geschlagen hat: „Er dachte, ich wäre eine Trommel!“ Wir müssen also nur eine richtige Trommel anschaffen, schon hört der Zank auf.

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