Es gibt ja Leute, die meinen, Sport ohne Ball sei kein richtiger Sport. Unser Kleiner gehört dazu. Beim Kinderturnen hängt er an mir, als wäre er erst eineinhalb (stimmt ja) und als könnte kein Wässerchen trüben (stimmt nicht so ganz). Doch dann kommen die Bälle in die Halle. Sofort stürmt der Junge los und schnappt sich einen. Leider handelt es sich um einen schweren Medizinball. Beim Versuch, ihn zu werfen, scheitert er. Später ergattert er einen Gummiball. Ich zeige ihm, wie man den bis an die Decke wirft. Der Junge versucht es ebenfalls, indem er den Ball über seinen Kopf hält und loslässt. Ein Riesenspaß.

Der Mittlere hat's eher mit dem Motorsport. Doch ein Mädchen hat das Feuerwehr-Rutschauto. Der Junge rennt hinterher, kann aber mit der motorisierten Konkurrentin nicht mithalten. In seinem Gesicht kündigt sich ein ganz großes Drama an. Ich nehme ihn in den Arm und hebe zu einem lehrreichen Vortrag an. Darüber, dass man sich abwechseln muss und es in der Turnhalle doch viele andere schöne Bewegungsmöglichkeiten gibt. Aber der Junge zieht sich höchstens mal bäuchlings die Bank entlang. Dann ist er ein Zug. Ein Zug kann natürlich nicht klettern. Es sei denn, es ist eine Zahnradbahn. Doch die gibt es bei uns in der Turnhalle nicht. Als ich also gerade mit dem Vortrag beginnen will, sehe ich, dass das Motorrad frei ist. Sofort vergesse ich meine Rede und rufe nur: "Schnapp dir das Motorrad!"

Ich gehe gerne mit meinen Kindern zum Sport. Wahrscheinlich, weil ich selbst die Hälfte meiner Kindheit in einer Turnhalle verbracht habe (und die andere Hälfte auf dem Sportplatz). Der Geruch von Schweiß auf Gummimatte und sanierungsbedürftigen Sanitäranlagen weckt in mir Kindheitserinnerungen.

Die Große geht meist zu einer Freundin, wenn "Flohsport" ist – so nennt sich das Eltern-Kind-Turnen bei uns. Manchmal kommt sie aber auch mit. Warum Flohsport, will sie wissen, sie sei doch kein Floh. Ich beruhige: Es sei eben ein Angebot für Flöhe und ihre großen Schwestern. Dann spielen wir Fangen. Ich habe nur eine Chance, wenn ich ihr den Weg abschneiden kann. Nachdem ich wieder Luft habe, kündige ich an: "In spätestens zwei Jahren bist du schneller als ich." So leicht macht man sein Kind glücklich. Und übermütig. Am Abend sagt die Große, sie wolle bald schneller sein als der Nachbarsjunge. Und älter sein als er. Der Junge ist acht, meine Tochter sieben. Nun, man wird ja wohl noch träumen dürfen.

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