Heute muss ich gestehen: Ich mag den Weihnachtsmann nicht. Das ist nicht nett von mir. Ein freundlicher alter Mann, der Kinder glücklich macht – was kann ich gegen ihn haben?

Vielleicht hat es mit meiner süddeutschen Herkunft zu tun. In meiner Kindheit brachte das Christkind die Geschenke. Das Zauberhafte: Niemand weiß genau, wie es aussieht. Das Christkind verrichtet seinen Dienst im Stillen. Es drängt sich auf dem Weihnachtsmarkt nicht auf, es grinst nicht von Plakaten und poltert auch nicht so ungezogen gegen die Tür. Aber ich habe natürlich nichts dagegen, wenn Eltern ihren Kindern vom Weihnachtsmann erzählen. Für viele Familien gehört er einfach zur Festtagsfreude, genau wie die weiße Weihnacht (die es ja ebenfalls nicht gibt). Niemals würde ich einem fremden Kind sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Oder ihm ungefragt die biblische Weihnachtsgeschichte vortragen.

Umgekehrt fände ich es nett, wenn fremde Menschen nicht immer wieder meinen Kindern mit dem Weihnachtsmann – oder seiner potenziellen Abwesenheit – drohen würden. Situation Nummer 1. Ich bin alleine mit den Kindern in einem Drogeriemarkt und probiere mit dem Mittleren (2) gegen seinen Willen eine Mütze an. So was macht keinen Spaß. Für einen kurzen Moment habe ich die Große (5) nicht im Blick. Als ich wieder hinschaue, sitzt sie auf dem Schaukelpferd und wird von zwei Eltern, die mit einem Kind da sind, böse angeschaut. Zu Hause erfahre ich, dass die Große das Schaukelpferd räumen sollte. Sonst bekomme sie nichts vom Weihnachtsmann, habe die Mutter des anderen Kindes erklärt. Ich wiederum erkläre meiner Tochter zweierlei: Dass sie nach einer gewissen Zeit vom Schaukelpferd muss. Und dass es keinen Weihnachtsmann gibt.

Situation Nummer 2. Die Große macht ein Riesengezeter im Lebensmittelladen. Ihr Verhalten ist nicht okay. Aber es hat einen Grund. Eine Frau schaut sie streng an: "Wenn ich jetzt der Weihnachtsmann wäre!" Da muss ich der Frau leider die Wahrheit sagen: "Zum Glück gibt's den nicht!"

In der Erziehung meiner Kinder mache ich jeden Tag tausend Fehler. Manchmal spreche ich leere Drohungen aus oder verspreche etwas, das ich nicht halten kann. Aber dann schiebe ich das nicht dem Weihnachtsmann in die Stiefel. Der kann schließlich nichts dafür. Und falls er dieses Jahr an unsere Tür klopft, werde ich ihn selbstverständlich hereinlassen.