Es gibt zu wenig Lehrer, und ich kann das gut verstehen. Ich gebe zu, dass ich eine Teilschuld daran trage, dass keiner Lehrer werden will. Schulkinder sind nämlich nicht erst neuerdings anstrengend und frech bis unmöglich. Sie sind schon sehr, sehr lange so drauf. Ich denke darüber nach, weil ich gerade vom Klassentreffen komme und diese Erinnerungen im Kopf nach Hause balanciere.

Dachte erst, ich bin auf der falschen Veranstaltung und in eine Familienfeier reingerutscht. Dann winkte meine Deutschlehrerin in meine Richtung, rief „juuhuu“, und ich erkannte meine alten Kameraden an ihrer Mimik.

Hier die Vergehen meiner Schulklasse vor etwa 30 Jahren: Das erste hat mit Erich Honecker zu tun. Ich erinnere mich an das Foto eines alten Mannes, der eine dunkle Hornbrille und beige trug. Es hing überall, auch in unserem Speisesaal. Er schaute so schräg von der Wand und beobachtete uns. Selbst beim Essen. Und dann gab es Kartoffelbrei. Ein paar meiner Kameraden schaufelten den Brei auf ihre Löffel, legten die Löffel wie Katapulte auf ihre Teller und zielten auf das Wandbild. Sie zielten gut. Wir hatten Spaß mit Erich Honecker, bis die Küchenfrau einen zornigen Brüller ausstieß.

Unsere Klassenlehrerin belohnte uns mit einer kleinen Reise in die Jugendherberge am Filzteich. Jeder nahm seinen Kuli und schrieb in Schönschrift seine Adresse auf sein Herbergskopfkissen. Das war wegen der Kissenschlacht, bei der eine Brille kaputtging. Damit wir die Kissen am Ende nicht verwechselten.

Die Klassenlehrerin nahm ihre Arbeit sehr ernst und wollte uns fit fürs Leben machen. Deshalb kochten wir zusammen Spaghetti. Jemand hatte gesagt, die Dinger muss man an die Wand werfen. Wenn sie kleben, sind sie gar, die Spaghetti. Wir warfen so lange, bis Frau W. von der Toilette zurückkam.

Etwas später lernten wir, wie man Fußböden wischt. Immer zwei Kinder mussten nach Schulschluss das Klassenzimmer putzen. Dani und ich nutzten die Gelegenheit und spielten Matrose. Zogen die Schuhe aus, krempelten die Hosen hoch, kippten die Wassereimer ins Zimmer, um schöner spielen zu können. Brachte nichts. Wir schraubten das Abwasserrohr vom Waschbecken, damit das Wasser direkt aus dem Hahn ins Zimmer läuft.

Das sei ja die absolute Krönung gewesen, sagte Frau W. zum Klassentreffen. Sie war da und wollte uns sehen. Sie hatte Bilder dabei. Gegen eins sagte sie Prost, ich bin die Beate und immer noch Lehrerin. Dann gingen wir ins nächste Lokal.

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