Nicht wieder Ostsee

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Hier mal ein Beitrag zur Neiddebatte: Wir waren über Pfingsten im Urlaub. An der Ostsee! Das war gar nicht so einfach. Ich meine nicht das An-der-Ostsee-Sein. Aber das Herausfinden, ob wir an die Ostsee dürfen. Das verlangte ein eingehendes Studium der Corona-Regeln mehrerer Bundesländer unter Berücksichtigung der erwartbaren Wocheninzidenz in Kombination mit dem Immunitätsstatus aller Mitglieder unserer Reisegruppe. Zum Glück ist Reiseplanung in unserer Familie Männerarbeit.

Die coronakonforme Reisegruppe bestand aus uns und zwei weiteren Hausständen, die ich früher als Geschwister oder Schwager bezeichnete. Die drei mussten mit, denn sonst hätten Hommels ja selbst auf ihre Kinder aufpassen müssen – wo kämen wir denn da hin! Ursprünglich wollten wir an die Nordsee, aber dann beschloss Niedersachsen, uns Obersachsen nicht reinzulassen. Schleswig-Holstein sah die Sache lockerer. Die Infektionszahlen sind im Norden ja recht niedrig. Kein Wunder: Wer nie den Mund aufmacht, kann auch niemanden anstecken. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es dort nicht so viele „Spaziergänger“ gibt. Auf Fehmarn jedenfalls bewegen sich die Menschen ausschließlich mithilfe von Rädern, Traktoren oder störrischen Ponys fort. Wobei die Sache mit der Fortbewegung beim Pony eher relativ ist. Wenn es nicht will, dann will es nicht. So machte die Große die Erfahrung, dass es Lebewesen gibt, die noch sturer sind als sie.

Falls Sie mal an die Ostsee kommen: Wundern Sie sich nicht, dass keine Steine mehr am Strand liegen. Der Kleine hat sie alle ins Wasser geworfen. Nur der Mittlere hatte schon am zweiten Tag genug von Outdoor-Aktivitäten. Er wolle „nicht schon wieder an die Ostsee“, erklärte er. Ein Wunsch, der eher schwer zu erfüllen ist, wenn man sich auf einer Ostseeinsel befindet.

Auch mein Bruder hatte beim Blick auf die Landkarte zu klagen: Die Ostsee liege ja im Westen, damit könne er nicht umgehen. Vielleicht urlaubten wir aber auch versehentlich am Nordpolarmeer. Jedenfalls fühlt es sich so an, wenn man sich im Mai bei 15 Grad Außentemperatur in die Fluten stürzt. Ein Nervenkitzel, dem sich selbstredend nur die weiblichen Familienmitglieder hingaben. Typisch weibliches Imponiergehabe eben.

Weitere Blog-Einträge

30 Tage für 22,49€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 22,49€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt0€statt 22,49 €