Ich bin eine Ökoterroristin. Nicht, dass ich mich in letzter Zeit an irgendwelche Kohlekraftwerke gekettet hätte. Ich terrorisiere nur meine Familie. Ich halte Vorträge über gesunde Ernährung. Ich mische Kohlrabi in den Kartoffelbrei und Vollkorngrieß unter den Grießbrei (Seit meine Kinder Zähne haben, lieben sie Brei. Man nennt es das Milchzahn-Paradoxon.) Gerne führe ich auch aus, dass wir diesen oder jenen Quatsch nicht kaufen, weil er zu viel Müll verursacht. Ich bin also eine ganz schreckliche Öko-Mama.

Manchmal jedenfalls. Manchmal kaufe ich meinen Kindern auch Pommes mit Ketchup. Zu dem Quatsch, den ich aber wirklich selten kaufe, gehören Quetschies. Die Älteren kennen sie vielleicht nicht, die Jüngeren können sich ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Quetschies sind Kunststoffbeutel mit Mundstück, in denen sich 100 Gramm Fruchtmus befinden, manchmal auch mikroskopische Mengen von Gemüse. Hersteller werben oft damit, dass kein Zuckerzusatz drin sei, stecken dafür aber Saftkonzentrat rein, was auf dasselbe hinausläuft. Ein einziger Quetschie kostet mindestens so viel wie ein halbes Glas Apfelmus. Ich hatte nur Mathe-Grundkurs, aber irgendwie scheint sich das nicht zu rechnen. Jedenfalls nicht für die Kunden. Natürlich sind diese Argumente meinen Kindern egal.

Doch zum Glück bietet der Kapitalismus für alles eine Lösung, auch für Quetschie-Gequengel: Es gibt jetzt wiederverwertbare Quetschbeutel, die man selbst befüllen kann. Das ist natürlich wieder so eine Beschäftigungstherapie, die Frauen davon abhält, die Weltherrschaft zu übernehmen. Aber bei uns hat sogar mein Mann schon Beutel befüllt. Allerdings griff er nicht zum Pürierstab, sondern schüttete Apfelmus (ungezuckert!) in die Beutel. Und die Kinder, die eigentlich kein Apfelmus gewollt hatten, verschlangen es. Wenn es sich quetschen lässt, essen sie alles. Der Tag, an dem der Mittlere (2) eine Mischung aus Apfelmus, Mandarine, Mais und Erbsen aß (schmeckte besser, als es klingt) und die Große (6) schwärmte, wie gut die Rote Bete war, war ein großer Tag in meinem Leben.

Übrigens dürfen meine Kinder auch manchmal richtige Süßigkeiten essen. Lange ist es her, dass meine Tochter freudestrahlend vor einem Regal voller Schokoriegel rief: "Guck mal, Mama, Fruchtriegel!" Der Mittlere verlangt schon "Sankt Martins", bevor er überhaupt richtig sprechen kann. Er meint damit Smarties. Mir schmecken M&Ms ja besser. Aber das sage ich ihm nicht!

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