Manche Tage meines Daseins sind wie Monty-Python-Filmchen. Sie wirken wie aneinandergefädelte Sketche, in denen komische Dinge passieren. Ein beliebter Sketch aus der 276. Staffel von „Saulustig bei den Müllers“: Ich will mir abends Schokolade nehmen, weil mein Zuckerspiegel im Keller spazieren geht. Ich laufe zum Küchenschrank und wühle zwischen Bonbons. Finde leider nur zusammengeknülltes, leeres Schokoladenpapier und braune Brösel.

Deshalb frage ich mich, ob irgendwo im Weltall jemand sitzt. Ein Regisseur oder so, klein und grün wie Meister Yoda. Dieser jemand schwebt in einer Glaskapsel durchs All, hat Teleskop und Drehbuch auf dem Schoß liegen, schaut mir zu und kann jedes Mal herzhaft lachen, wenn das Ding im Kasten ist.

Es könnte auch ein Zocker sein anstelle eines Regisseurs. Er hockt an seinem Bildschirm und spielt Minecraft. Das ist dieses legoähnliche Computerspiel. Nur, dass der Zocker die echte Welt zusammensteckt. Er lässt seine Finger über eine Tastatur zappeln, drückt auf „Sachsen“ und zoomt ganz nahe ran. Um mich herum lässt er dann skurrile Dinge passieren. Zum Beispiel 6.32 Uhr: Kind 1 verlässt sein Bett und betritt das Wohnzimmer. Es läuft aber nicht, sondern schlägt ein Rad nach dem anderen. Neuerdings bewegt sich der Junge in geschlossenen Räumen nur noch so vorwärts. Beim zweiten Rad landet sein Schwungfuß an meiner Nase. Zum Glück ist mein Körper zäh wie ein ungeklopftes Schnitzel. Ich schaffe es unverletzt ins Büro, die Sonne scheint, und vor meinem Fenster stellt der Zocker einen Mann mit E-Gitarre auf. Er lässt ihn zwölfmal hintereinander „Tears in Heaven“ singen. Wie gestern und vorgestern und letzte Woche. Ich überlege kurz, ob ich das Fenster öffnen und „Ruhe“ brüllen soll. Stattdessen entscheide ich mich, meine Mittagspause vorzuziehen, weil ich mich nicht konzentrieren kann. In diesem Moment klingelt das Handy. Mein Mann möchte mir per Mobiltelefon mitteilen, dass er soeben das Auto seiner Mutter gerammt hat. Und nun drückt der Architekt meines Alltags wieder die „Enter“-Taste. Er probiert mal was Ausgefallenes und lässt Horst Schneider an mir vorbeilaufen. Das ist ein Mann mit Vollbart und Brille, der immer grinst und winkt wie die Queen, ich kenne ihn durch die Arbeit. Nervt mich.

Ich fühle mich jedenfalls wie die Figur eines Computerspiels. Mich beschleicht dieses Gefühl. Wegen Kind 1 komme ich jetzt darauf. Am Ende des Tages hockt der Junge auf seinem Bett und fragt mich, was eine Verschwörungstheorie ist.

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