Heute Morgen habe ich die beiden von mir zu betreuenden Personen in die Einrichtung gebracht. Als Personensorgeberechtigte ist das ja meine Aufgabe, die ich mir allerdings mit dem Kindsvater teile. Die Einrichtungsleiterin war gerade ortsabwesend, aber die anderen Betreuungspersonen befanden sich im Dienst.

Der Besuch dieser Einrichtung durch meine Kinder erfolgt werktäglich außer samstags. Dort wird ein umfassendes Pflege- und Erziehungsprogramm durchgeführt. Unsere Große (5) wurde früher durch eine Tagespflegeperson in einer Kindertagespflegestelle betreut. Auch dies erfolgte stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.

"Was redest du da, Mama?", würde die Große wohl fragen, wenn sie nicht gerade mit der grundhaften Erneuerung ihrer Sandburg in der Kinderbetreuungseinrichtung beschäftigt wäre. "Ich weiß nicht", würde ich antworten. "Eigentlich habe ich euch nur in den Kindergarten gebracht." Kindergarten – kaum ein deutsches Wort beschreibt so plastisch und so schön, worum es geht: Ein geschützter (Frei)Raum, in dem kleine Menschen gehegt und gepflegt werden und feste Wurzeln bekommen, bis sie groß sind und den Stürmen des Lebens trotzen können. Warum um alles in der Welt reden dann ganz normale Menschen in einem normalen Gespräch von der "Einrichtung", in die sie ihre Kinder schicken? Das klingt für mich nach Einrichtungshaus. Klar, bei IKEA gibt es auch ein Bällebad, aber das ist doch nicht dasselbe…

In den Amtsstuben hat das Amtsdeutsch seine Berechtigung. Alles muss eindeutig und juristisch unanfechtbar sein, niemand darf diskriminiert werden. Natürlich darf man nicht die vielen engagierten Tagesväter übergehen, deshalb schreibt man "Tagespflegeperson". So weit, so klar. Nur, dass es in unserer Kleinstadt keinen einzigen Tagesvater gibt… Aber vielleicht ist hier der Amtsschimmel einfach seiner Zeit voraus.

Ich überlege jetzt, ob ich mich in Zukunft von meinen Kindern als „Sehr geehrte Personensorgeberechtigte“ ansprechen lasse. Klingt ja auch irgendwie nett. Wobei ich noch die Erziehungsberechtigten vermisse, die früher auf Elternbriefen vom Kindergarten angesprochen wurden. Und ich frage mich: Erziehen wir unsere Kinder nicht mehr, sondern sorgen uns nur noch um sie? Und wenn schon Sorge, sollte man dann nicht besser von Sorgepflicht sprechen anstatt von Sorgerecht? Ich fühle mich jetzt jedenfalls verpflichtet, meine Kinder abzuholen. Vom Kindergarten natürlich!