Im Hort gibt es ein Fischglas, und Kind 2 hat mich an die Hand genommen und in Vorfreude dahingezerrt. „Mama, Mama, der Fisch ist ganz dick. Er bekommt ein Baby“, sagte meine Tochter. „Fische legen aber Eier.“ „Der Fisch bekommt ein Ei“, verkündete Kind 2.

Während die Gedanken meiner Tochter in Mädchenfreuden spazieren gehen, plant mein Sohn eine universale Zukunft. Wahrscheinlich ist er der Luke Skywalker der Grundschulkinder. Oder ein neuer George Lucas, dieser amerikanische Doppelgänger von Joschka Fischer, der Star Wars erfunden hat. Das ist die Geschichte, in der eine Horde schräger Figuren durch den Weltraum jettet und das Böse vernichten will. Sie kämpfen mit farbenfrohen Laserschwertern, meditieren und schieben mit ihren Gedanken Sachen durchs All.

Ein bisschen David-Copperfield-Gezauber ist also auch dabei, was Kind 1 wiederum entzückend findet. Neuerdings sitzt mein Sohn am Tisch und zeichnet. Zuerst hat er mit dem Farbkasten einen Baum gemalt. Dann ein Herz, das in der Mitte zerbrochen ist. Darunter hat er „Mama“ geschrieben. Das war meine Strafe. Kurz davor hatte ich ihn mit einem Sachunterrichtsvortrag über den Regenwurm bedrängt. Er müsse den Vortrag vorbereiten, habe ich gesagt. „Nicht jeeetttzzz“, rief der Junge. Er fühlt sich vom deutschen Bildungssystem gequält. Warum soll er sich mit einem Wurm befassen, wenn sein Hirn gerade Ideen zum Universum von links nach rechts schiebt?

Im Moment hat er jedenfalls keine Zeit für Regenwürmer. Er zeichnet Planeten. Auf manchen wachsen Bäume, auf manchen stehen Fabriken, auf manchen Wohnhäuser. Es gibt auch welche mit Meer und Strand und Achterbahnen und Angelteichen. Kind 1 will das Universum besser nutzen, wenn es groß ist. Für jedes Level des Lebens ein Planet. Sogar Idioten würden ihren eigenen Planeten bekommen. Es existiert schon eine geheime Liste mit Kandidaten, die dort hinziehen.

Seine Zeichnungen will mein Sohn seinem Onkel geben. Der ist Doktor der Physik und der Meister Yoda von Kind 1. Der soll ein Konzept entwickeln, wie der Junge seine Ideen umsetzen kann. Gerne auch längerfristig, hat ja noch Zeit. Bis dahin könnte er im Sachunterricht einen Vortrag darüber halten und abchecken, ob die Menschheit schon soweit ist.

Gibt es eigentlich den Lehrertag noch? Ich würde seiner Schule gern ein Darth-Vader-Kostüm stiften. Möge die Macht mit ihr sein.

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