Versichertes Leben

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Es ist ein Wunder, dass ich noch hier sitze. Als Kind bezwang ich mit meinem Schlitten den steilsten Berg, den ich kannte. Der war direkt hinter dem Haus, in dem ich lebte. Ich flog über die Hörner und landete mit dem Kopf an der Hausmauer. Später stieg ich auf Inlineskates um, rollte denselben Berg hinunter, stürzte in den Straßengraben und zog mir eine Beule am Musculus Rectus Femoris zu. Das ist dieses dominante Muskelpaket im Oberschenkel, das wummert und brennt, wenn man länger bergauf läuft. Tat höllisch weh. Mehrere Wochen nahm sich der Muskel Zeit, um sich zu reparieren.

In meiner Kindheit war ich das personifizierte Risiko. Ich zog das Unglück an. Als ich am Klettergerüst baumelte, riss das Stahlrohr aus den Ankern, landete auf meinem Kopf und malte mir einen Sternenhimmel unters Dach. Als ich im Schwimmverein das Kraulen übte, kraulte ich so intensiv, dass mein rechter Arm auf dem Beckenrand aufschlug und eine Zehntelsekunde später mein Nasenbein an der Beckenkante zerschellte. Im entscheidenden Moment hatte ich die Augen geschlossen, weil ich Chlor hasse.

Obwohl sich die Schmerzkette weiter fortsetzte, sitze ich immer noch vollständig in meinem Wohnzimmer und kann mit Herrn Nimmerfroh über Unfallversicherungen reden. Es geht um den optimalen Schutz für Kind eins und Kind zwei. Junge Menschen, die bisher wenig selbstzerstörerischen Schaden angerichtet haben. Neulich trafen wir uns in der Schlange am Bäcker und er fragte mich, ob meine Kinder Unfallschutz hätten. „Nein“, sagte ich. „Waaas?“, sagte Herr Nimmerfroh.

Also lud ich ihn zu mir nach Hause ein. Er holte den Laptop aus der Tasche und installierte sein mobiles Mini-Büro auf unserem Esstisch. Dann zeigte er mir am Bildschirm seine Liste des Grauens. 2000 Euro für jeden gebrochenen Knochen, 2500 Euro bei Tod durch Behandlungsfehler, ein Zehner für jeden Tag, den das Kind nach einem Unfall im Krankenhaus liegen müsste. Herr Nimmerfroh hat aus meinen Albträumen ein Paket geschnürt. Seine Mathematiker-Kollegen haben berechnet, wie viel welches Unglück wert ist, das meine Kinder heimsuchen könnte. Das klang so schlimm, dass ich sagte, ich müsse mit meinem Mann darüber sprechen. Vielleicht wäre es besser, wenn wir die Kinder zu Hause einsperren. Aber seitdem beschäftigt mich eine Frage: Kann es sein, dass ich mit meinem Schmerz den ersten Golf meines Vaters finanziert habe?

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