Saß gestern mit dem Weihnachtsmann zusammen. Ich sprach dem Wein zu, er trank sich den Weihnachtsstress mit selbstgebranntem Schnaps schön. Wir hockten an Waldemars Esstisch. Waldemar, unser Nachbar mit dem schönsten Rasen, hatte Geburtstag. „Du“, begann ich das Gespräch mit dem Weihnachtsmann. „Wir bräuchten dich Heiligabend.“ Das frisch geborene Baby des Weihnachtsmanns lag auf dem Fußboden und gluckste vor sich hin.

Es ist die Zeit, in der wir alle zufrieden glucksen sollten. Pünktlich zum Anknipsen der Festbeleuchtung sieht es der Weihnachtsbrauch vor, dass wir schöne Stimmung produzieren. Wir lassen zu diesem Zweck Räuchermännchen dampfen und werden überall mit derselben Musik beschallt. Ich habe daheim geschmückt und bekomme von Kind 1 und Kind 2 täglich neue Weihnachtsbasteleien überreicht.

Meine Endorphine lächeln motiviert und wollen loslegen. Wenn mich dann aber auf dem Weihnachtsmarkt beim Grillwurstessen jemand mit seinen Hamstertaschen anrempelt, spaziert meine Stimmung in den Keller und bockt. Vor meinem imaginären Auge flattert ein Engelchen auf und ab. Es wedelt mit seiner Ich-weiß-was-du-noch-nicht-bis-Weihnachten-getan-hast-Liste vor meiner Nase herum:

PUNKT EINS: Du hast noch nicht genug Füllstoff für die Adventskalender von Kind 1 und 2. Und nein, sie wollen nicht jeden Tag ein Nager-Bonbon für ihre Meerschweinchen auspacken.

PUNKT ZWEI auf Engelchens Liste: Du hast noch keinen Weihnachtsbraten. Die Hasen, die für diese Familie zum Verzehr vorgesehen waren, fanden den frühen Tod durch die Kaninchenpest. Die fegte im Sommer durch die Ställe, als ob der Satan persönlich unterwegs wäre.

PUNKT DREI: Kind 1 und Kind 2 glauben plötzlich wieder an den Weihnachtsmann und bestehen auf eine traditionelle Kinder-von-DDR-Kindern-Bescherung. Der Ruprecht hatte dieser Familie aber bereits im Sommer gekündigt, weil er sich selbst verwirklichen will.

Es ist meine Aufgabe, ihn wieder ins Team zu holen, den Weihni. Das traf sich gut in dieser kleinen Geburtstagsrunde. Das Weihnachtsmann-Baby gluckste, der Weihnachtsmann gluckste. Dann sagte er einfach ja, na logo, klar. Ich sagte nicht, das Kind 1 dem Weihnachtsmann auf dem Weihnachtsmarkt auf den Po klatschen wollte, sich aber dann zum Glück doch nicht traute. Ich sagte Weihni auch nicht, dass er Heiligabend immer aussieht wie Yeti im Rotkäppchen-Outfit, weil er sich den weißen Bart immer bis unter die Augen schiebt. Ich gluckste einfach nur.

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