In dieser Familie werden Wunschzettel nicht einfach abgegeben. Wer einen Wunsch hat, muss ihn durchpeitschen wie Verkehrsminister Dobrindt seine PKW-Maut. Denn leider gibt es zu viel Schrott auf der Welt.

Ich unterdrücke die weihnachtliche Wunschfreiheit von Kind 1 und Kind 2, bin eine gemeine Wunsch-Diktatorin. Auf diese Weise habe ich mir den ferngesteuerten Star-Wars-Schauspieler R2-D2 vom Leib gehalten, der so groß ist wie eine Mülltonne und so teuer wie ein Wellnesswochenende in Tschechien. Musste auch keine 58 Puppen adoptieren und sie dann mangels Pflege ins Heim bringen. Dafür leben bei uns zwei schadstoffarme Meerschweinchendamen in Saus und Braus.

Kind 2 wünscht sich Aschenbrödels Kleid. "Du?", frage ich. Das wäre wohl was für mich, immerhin bin ich das Aschenbrödel in diesem Haus. Meine Tochter stimmt mir zu, fühlt sich aber falsch verstanden.

"Nicht das schmutzige Kleid, das schöne!" Was sie damit will, frage ich. "Anziehen und herumlaufen." Das sei langweilig, sage ich und werde dafür verwünscht.

Kind 1 lenkt die Debatte auf seinen Wunschzettel. Dem Jungen könnte man mit einem Schlagzeug und einem Hund eine Freude machen. Und falls das nichts wird, dann mit einem Pferd. Prima, sage ich. Wir könnten regelmäßig ein Pferd besuchen, den Nachbarshund ausführen und Kind 1 in der Musikschule für Schlagzeugstunden einschreiben. Kind 1 rennt aus dem Zimmer und knallt die Tür zu.

Da kommt Kind 2 mit einem Spielzeugkatalog gehüpft. Eine Broschüre voller Lockstoffe, ein Weihnachts-Manifest für Konsum-Junkies. Kind 2 zeigt auf ein Bildchen, das lila glitzernden Knetsand verspricht. "Den wünsche ich mir auch", sagt meine Tochter. Der Sand besteht aus einer geheimen Sandformel und ist bestens zum Spielen im Haus geeignet, steht in der Werbung. Der Vater schreckt von seinem Sofa-Mittagsschläfchen hoch mit den Worten, Sand komme ihm nicht ins Haus. Er habe auch das Recht auf einen Wunsch. Und er wünscht sich, dass Kind 2 keinen lila glitzernden Sand bekommt. Kind 1 und Kind 2 würden auch ohne Sand genügend Dreck machen.

Etwas später bummeln wir über den Weihnachtsmarkt. Wir haben jemanden zum Reden getroffen und kleben am Glühweinstand fest. Die Kinder ziehen mit den gebrannten Mandeln, die ich ihnen gekauft habe, von Büdchen zu Büdchen. Sie kommen zurück mit Käse, Räucherkerzchen und selbst gehäkelten Schneemännern. "Haben wir gegen Mandeln getauscht", erklärt Kind 1 und lächelt zufrieden. Ich auch. Das ist bisschen von dem, was ich mir Weihnachten wünsche.

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