Jung, wendig, abgeschlagen

Für einen Generalsekretär ist es kein guter Start. Knapp 63 Prozent erhält Paul Ziemiak am Samstag bei seiner Wahl auf dem CDU-Bundesparteitag. Breite Rückendeckung sieht anders aus. Dabei ist Ziemiak als Vorsitzender der Nachwuchsorganisation Junge Union (JU) gut vernetzt. Er ist zudem jung und konservativ. Das sollte heutzutage Türen und Herzen bei der christdemokratischen Basis öffnen. Dass er obendrein der erste Migrant in diesem Amt ist, könnte zusätzlich für eine Bereitschaft der CDU zur Modernität stehen. Als Pawel Ziemiak kam der gebürtige Pole in Stettin zur Welt und wuchs im Sauerland auf. Nur, dieser Landstrich in Nordrhein-Westfalen ist "Merz-Land". Der am Vortag unterlegen Mitbewerber für den CDU-Vorsitz, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz, stammt von dort. Damit kommt man den Ursachen für Ziemiaks Wahlergebnis auf diesem Parteitag zumindest ein kleines Stückchen näher. 

Die JU galt lange Zeit als Unterstützerin von Gesundheitsminister Jens Spahn, den ebenfalls gescheiterten Bewerber für den CDU-Vorsitz. Später, als der Konservative Merz seinen Hut in den Ring warf, sprach sich die JU für den einstigen Fraktionschef aus. Dass Ziemiak nun plötzlich als Generalsekretär unter Annegret Kramp-Karrenbauer arbeiten will, welche er bis zum Vortag eher nicht so gerne als Parteichefin haben wollte, nehmen ihm viele Delegierte übel. Er steht nun als Karrierist und Opportunist da. 

Dabei sollte das niemanden total überraschen. In seinem bisherigen Werdegang hatte Ziemiak stets ein gutes Händchen dafür, sich nur jeweils so weit anzupassen oder nur soweit anzuecken, dass es den Weg nach oben nicht versperrt. Als Generalsekretär wird er damit aber nicht mehr durchkommen. Er muss fortan den Ton vorgeben und Positionen der Partei dauerhaft und beharrlich verteidigen. Mit "Nachsingen" von gefälligen Argumenten wird es nicht mehr funktionieren. 

Aus Kramp-Karrenbauers Perspektive ist es dennoch eine clevere Personalentscheidung. AKK hat angekündigt, künftig auch das Merz- und Spahn-Lager einzubinden. Das hat sie mit der Nominierung Ziemiaks getan. Es unterstreicht ihren Willen, die Partei als Union wieder zusammenzuführen und die interne Debatte als etwas Erwünschtes zu betonen. Zudem treten sowohl AKK als auch Ziemiak für ein konservativeres Profil der Nach-Merkel-CDU ein. Das könnte die zwei zu einem erfolgreichen Team machen und das schlechte Wahlergebnis des einen und den ziemlich knappen Sieg der anderen bald vergessen machen.  

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