Schlachten von gestern

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Ende des Jahres könnte erstmals Gas durch die Pipeline Nord Stream 2 strömen. Doch bis es soweit ist, wird wohl weiter gestritten, gedroht und "gedealt". Dafür gibt es gewichtige Gründe. Vor allem die Ukraine sieht sich zu Recht von Russland bedroht. Die Krim-Annexion und der Donbass-Krieg sind dafür Beweise. Verliert der Transit durchs Land an Bedeutung, senkt das die Einsatzschwelle für russische Militäroperationen.

Und dennoch: Im Grunde werden im Streit um Nord Stream die Schlachten von gestern geschlagen. Angesichts der Klimakrise können fossile Brennstoffe wie Erdgas bestenfalls noch eine Übergangstechnik sein. In den kommenden Jahren wird sich die EU auf den ultimativen Ausbau der Erneuerbaren konzentrieren müssen. Wind- und Wasserkraft aus dem Norden, Solarenergie aus dem Süden - und beides kombiniert bei der Herstellung grünen Wasserstoffs. Nord Stream 2 braucht deshalb eigentlich kein Mensch mehr. Auch das Szenario, in Zukunft könne ja Wasserstoff durch die Röhren strömen, ist kaum zu Ende gedacht. Russland mit seinen riesigen Rohstoffreserven setzt bekanntlich noch immer auf Gas, Öl, Kohle und Atom. Hiermit produzierten Wasserstoff zu kaufen, würde den Widersinn auf die Spitze treiben.

Diese Erkenntnis weist jedoch auf ein ganz anderes Problem hin, das die internationale Politik noch sehr viel stärker umtreiben dürfte als der aktuelle Streit um Nord Stream 2. Die entscheidende Frage lautet: Was wird aus einem Russland, wenn der Rubel für Gas und Öl nicht mehr rollt? Die Wirtschaft des Riesenreiches ist bislang fast nur darauf ausgerichtet. Das verlangt nach Wandel. Stellt es der Westen klüger an als nach 1989, könnte dies eine Gelegenheit sein, Russland durch echte Kooperation wegzuführen vom Gazprom-Größenwahn eines Wladimir Putin.

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