Und Beckenbauer bleibt ein Held

Zu den Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft gegen die frühere DFB-Spitze

Die Schlinge zieht sich zusammen. Muss der "Kaiser" jetzt reden? Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Franz Beckenbauer. Verdächtigt wird der bald 71-Jährige der Untreue und der Geldwäsche im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Auch die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie Ex-DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt sind im Fokus der Behörden. Ob ins Dunkel des im Frühjahr 2015 aufgeflogenen Skandals nun endlich Licht kommt, liegt aber vor allem an Beckenbauer.

Bekannt ist: Beckenbauer und dessen früherer Manager Robert Schwan haben 2002 eine Zahlung in Höhe von sechs Millionen Schweizer Franken an die Kanzlei Gabriel & Müller veranlasst, die das Geld an eine Firma des damaligen Fifa-Vizepräsidenten Mohammed bin Hammam weiterleitete. Der Katari ist mittlerweile wegen Korruption lebenslang gesperrt. Beckenbauer hat bislang stets erklärt, von den Zahlungen nichts gewusst zu haben. So ist der Zweck dieser Finanztransfers noch immer ein Geheimnis.

Ein nicht ausgeräumter Verdacht lautet: Das Geld wurde als Schmiermittel für vier asiatische Fifa-Exekutivmitglieder verwendet, die sich so leichter für einen WM-Gastgeber Deutschland entscheiden konnten. Stammen soll es ursprünglich von Robert Louis-Dreyfus, gezahlt als Darlehen an Beckenbauer vor der WM-Vergabe im Jahr 2000. Auch der frühere Adidas-Chef dürfte ein geschäftliches Interesse an einem Zuschlag für Deutschland gehabt haben. Beckenbauer muss wissen, ob das stimmt. Und demnächst wohl einem Richter dazu Auskunft geben.

Es bleiben Fragen. Zum einen die: War das Sommermärchen eventuell 6,7 Millionen Euro Bestechungsgelder wert? Natürlich nicht, weiß der brave, steuerzahlende Bürger. Jeden Cent, sagt der Autor und Fußballfan, der gerade auch darüber nachdenkt, ob 41 Millionen Euro, die Arsenal London gerade für den deutschen Verteidiger Shkodran Mustafi an den FC Valencia zahlt, eine angemessene Summe ist. Nie in den letzten 50 Jahren war mehr Farbe, Freude, Stimmung im Land als 2006. Selten hat Deutschland so viel positive Resonanz erfahren, so viel an Reputation gewonnen. Beckenbauer - wenn wir das Thema auf eine Person reduzieren - war der Letzte, der ein sportliches Großereignis in die Republik geholt hat. Möglicherweise musste er dabei zu illegalen Mitteln greifen. Wahrscheinlich ging es in der Fifa-Welt um die Jahrtausendwende nur so. Geahnt haben dürften es viele, so genau wissen wollte es keiner. Bleibt immer nur Beckenbauer.

Und die zweite Frage: Muss die einstige Lichtgestalt jetzt in der finsteren Hölle schmoren? Im Schweizer Recht wird eine "ungetreue Geschäftsbesorgung" mit Gefängnis bis zu drei, in besonderen Fällen bis zu fünf Jahren bestraft. Doch nirgendwo gibt es bislang auch nur den leisesten Vorwurf, der "Kaiser" habe sich selbst bereichert. Deswegen: Eine Geldstrafe für einen eventuell überführten Geldverschieber Beckenbauer tut es auch. Dann kann der Franz weiter in Ruhe Golf spielen, der Fußballfan noch einmal die alten Videos von der WM 2006 in den Player legen. Und sich dabei kein bisschen schlecht fühlen.

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