Mittelsachsen im Krisenmodus

Im Landkreis gibt es zwei weitere Corona-Erkrankte. Aus Sicherheitsgründen lassen die Krankenhäuser keine Besucher mehr zu. Viele Eltern suchen einen Plan B für die Zeit der Kita- und Schulschließung.

Freiberg.

Die Zahl der mit dem Corona-Virus Infizierten in Mittelsachsen ist am Montag auf offiziell fünf gestiegen. Wie Landratsamt-Sprecher André Kaiser am Nachmittag mitteilte, ist die Krankheit bei einem Mann und einer Frau nachgewiesen. Die Frau (Jahrgang 1990) aus dem Raum Mittweida ist eine Reiserückkehrerin, der Mann aus dem Raum Freiberg (Jahrgang 1952) hat internationale Kontakte. Beide sind in häuslicher Quarantäne. "Die Kontaktpersonen wurden durch das Gesundheitsamt ermittelt, beraten und häuslich abgesondert."

Insgesamt sind damit in Mittelsachsen 16 Personen in Quarantäne, die durch das Gesundheitsamt angeordnet wurde. Angaben zu weiteren Mittelsachsen in freiwilliger Quarantäne sind nicht möglich, denn, so Amtsleiterin Dr. Annelie Jordan: "Eine freiwillige Isolation muss nicht gemeldet werden." Den fünf Erkrankten gehe es gut, sie hätten keine oder geringe Symptome. In diesem Zusammenhang weist die Amtsärztin nochmals darauf hin, dass nur die Personen getestet werden, die Kontakt mit Erkrankten hatten und Symptome zeigen, wie Husten und Schnupfen. Immer wieder werde gefragt, weshalb es unterschiedliche Fallzahlen in Mittelsachsen und Sachsen gibt: "Das liegt an unterschiedlichen Melde- und Weitermeldezeiten", so Jordan.

Mittelsachsen fährt das öffentliche Leben unterdessen weiter runter. Wichtige Infos im Überblick:

Schulen und Kitas: Ab Mittwoch werden alle Schulen und Kitas sowie die Kindertagespflege in Sachsen bis einschließlich der Osterferien (17. April) geschlossen. Notbetreuung an Kitas und Grundschulen wird nur für einen eng begrenzten Personenkreis angeboten. Das hatte Eltern in Mittelsachsen verunsichert, weil sie nicht wussten, ob sie zum Personenkreis zählen. Eine Übersicht der berechtigten Personen für die Notbetreuung und das dazu auszufüllende Formblatt sind abrufbar unter: www.bildung.sachsen.de

Kinder und Jugendliche gingen am Montag noch einmal in ihre Schulen, um ihre Unterrichtsmaterialien und Aufgaben für die nächste Zeit abzuholen. In der Rochlitzer Grundschule beispielsweise mussten am Montag knapp 70 Mädchen und Jungen betreut werden. Die Einrichtung zählt ansonsten gut 300Schüler. Für die unterrichtsfreie Zeit werden laut Leiterin Petra Döppling den Kindern Aufgaben mit nach Hause gegeben. Diese können neben weiteren Unterrichtsmaterialien wie Büchern am heutigen Dienstag bis 16 Uhr abgeholt werden, am Mittwoch bis 14 Uhr, danach nach Absprache. Da viele Eltern durch Klassenchats in den sozialen Netzwerken in Kontakt stehen, verbreiten sich die Informationen der Schule rasch. "Das klappt toll", so Döppling.

Krankenhäuser: Auf Besuch müssen Patienten in den mittelsächsischen Krankenhäusern verzichten. Seit Montagvormittag hängen in Freiberg an allen Eingängen Hinweisschilder, die den Zutritt zum Kreiskrankenhaus für Besucher untersagen. "Sollte das keine Wirkung zeigen, werden wir sämtliche Eingänge bis auf den Haupteingang verschließen", teilte Dr. Ulrike Träger, Sprecherin des Krankenhauses, auf "Freie Presse"-Anfrage mit. Generell würden Corona-Verdachtsfälle ans Klinikum Chemnitz überstellt. Dennoch sind alle planbaren Eingriffe bis auf weiteres reduziert, um Intensivbetten und Personal bereitzuhalten. Betroffene Patienten werden informiert.

Im Klinikum Mittweida ist das medizinische Personal auf die sich verschärfende epidemiologische Situation und damit auf die Behandlung von Corona-Patienten vorbereitet. Seit Samstag seien Patientenbesuche in Mittweida nicht mehr gestattet. Der Besucher-Stopp gelte auch für die Pflegeeinrichtungen der kreiseigenen Krankenhausgesellschaft LMK, also für das Altenpflegeheim in Schweikershain sowie für die Kurzzeitpflege in Rochlitz. "Unsere MVZ-Praxen sind weiterhin für die Patienten geöffnet", sagte Sprecherin Ines Schreiber.

Bürgertelefon: Das Bürgertelefon des Gesundheitsamtes ist täglich von 9 bis 16 und am Dienstag und Donnerstag von 9 bis 18 Uhr unter der 03731 799-6249 erreichbar, teilt die Kreisverwaltung mit. Zeitweise Probleme mit der Erreichbarkeit begründete Sprecher André Kaiser am Montag mit technischen Anpassungen. Sie seien notwendig geworden, damit das Amt dem Anrufvolumen gerecht werden kann. Ein Reiserückkehrer aus Mallorca hatte am Montag mitgeteilt, dass er angerufen habe, aber offensichtlich der Hörer zunächst abgenommen und wieder aufgelegt worden sei. Dabei hatte Rückkehrer Jens Schlegel auf den Aufruf reagieren wollen, sich nach Aufenthalten in Risikogebieten zu melden.

Bus: Beim Kreis-Busunternehmen Regiobus bleibt die erste Tür zu, der Einstieg geht über die hinteren Türen. Somit werden in den Bussen keine Fahrkarten mehr verkauft. Fahrkarten können in den Verkaufsstellen bei Regiobus in Burgstädt, Mittweida, Freiberg, Döbeln sowie in den Shops in einigen mittelsächsischen Bahnhöfen, per Handyticket und an den Automaten erworben werden. "Wir werden den vorderen Bereich des Busses absperren", so Regiobus-Geschäftsführer Michael Tanne. Parallel laufen Prüfungen, wie der Fahrplan in der Zeit der Schulschließungen aussehen könnte. Bis dahin gilt der reguläre Fahrplan wie an Schultagen.

Arbeitsagentur und Jobcenter: Arbeitsagentur und Jobcenter schließen ab Mittwoch an allen Standorten. Am Dienstag sind nur Vorsprachen im Notfall möglich, so Antje Schubert, Sprecherin der Agentur Freiberg. "Die Behörden konzentrieren sich auf die Bearbeitung und Bewilligung von Geldleistungen und auf die Beantwortung telefonischer Anliegen."

Aktuell könne die Arbeitsagentur noch keine Zahlen zur Beantragung von Kurzarbeitergeld wegen Corona mitteilen. "Es gibt einen dynamisch ansteigenden Beratungsbedarf. Auch wissen wir von ersten Anzeigen von Kurzarbeit", so Schubert. Arbeitnehmer können Anträge formlos per Mail oder die eServices (www.arbeitsagentur.de/eServices) stellen oder in den Hausbriefkasten einwerfen. "Es entstehen ihnen keine Nachteile, wenn sie nicht persönlich vorsprechen", so Schubert.

Weitere Hinweise in der Rubrik "Rat und Hilfe", Seite 10 und den folgenden Seiten. www.freiepresse.de/corona


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