Der Bürgermeister von Neuhausen: "Die Bürokratie in Sachsen ist ein Hemmnis"

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Andreas Drescher, Rathauschef in der Erzgebirgsgemeinde am Fuße des Schwartenbergs, blickt auf sein erstes Jahr im Amt zurück. Ärgerlich stimmen ihn fehlende Finanzen unter anderem für den notwendigen Straßenbau.

Neuhausen.

Einiges konnte Andreas Drescher (parteilos), ein Jahr Bürgermeister der Schwartenberggemeinde, bereits realisieren. Anderes aber muss warten. Wichtig ist ihm der Dialog mit den Bürgern, wie er im Gespräch mit Redakteurin Astrid Ring sagt.

Freie Presse: Sie blicken auf Ihr erstes Jahr als Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen zurück. Wie schätzen Sie diese Zeit ein?

Andreas Drescher: Sie war sehr intensiv und jeden Tag neu. Eines hätte ich nicht gedacht: Nach 20 Jahren Tätigkeit in einer Behörde in Bayern weiß ich, wie umfangreich Bürokratie sein kann. In Sachsen aber hemmt der immense bürokratische Aufwand vieles. Ich habe den Eindruck, dass der Freistaat kein Vertrauen in die Gemeinden hat.

Freie Presse: Gibt es dafür Beispiele?

Andreas Drescher: Wir haben für den Jugendclub eine Förderung von 1800 Euro beantragt. Was die Kämmerin für Antrag und Verwendungsnachweis an Zeit investieren musste, bis das Geld fließen konnte, war enorm.

Freie Presse: Welche Ihrer Vorhaben konnten Sie bisher umsetzen?

Andreas Drescher: Der Umbau des Feuerwehrdepots mit energetischer Sanierung ist geschafft. Auch die grundhafte Sanierung des Saydaer Weges wird abgeschlossen. Daran schließt sich der Wanderparkplatz für die Blockline an.

Freie Presse: Was konnte noch nicht verwirklicht werden?

Andreas Drescher: Da ist der Bau der Straße Purschenstein zu nennen. Sie sollte nach vorliegenden Planungen gebaut werden. Aber der reduzierte Fördermittelanteil von derzeit 50 Prozent lässt das nicht zu. Nun muss umgeplant werden, um in Teilstücken zu bauen. Dafür gibt es aber noch keinen realistischen Zeitplan.

Freie Presse: Gibt es noch weitere Ärgernisse?

Andreas Drescher: Ja, verärgert sind die Neuhausener, weil die Brücken an der Staatsstraße 211 nicht neu gebaut werden. Die erste Straßeneinengung an einer Brücke besteht seit 1989. Es gibt laut Landesamt für Straßenbau und Verkehr noch keine Aussage, wann es hier vorwärts geht. Dazu bin ich in Gesprächen. Verschieben müssen wir den Bau weiterer Ortsstraßen wegen der Finanzsituation, unter anderem den Neuwernsdorfer Weg.

Freie Presse: Wie wollen Sie die Einwohner über die Situation informieren?

Andreas Drescher: Am 7. Oktober ist eine Bürgerversammlung in Neuhausen in der "Edlen Krone" geplant. Am 11. November gibt es eine im "Haus des Gastes" in Cämmerswalde, Beginn ist dabei jeweils 18 Uhr. Die Einwohner sollen wissen, was wir im Rathaus tun. Aber ich bin hier auch ohne feste Sprechstunde ansprechbar, wenn ich im Haus bin. Und das nutzen viele.

Freie Presse: Welchen Anliegen gibt es?

Andreas Drescher: Das reicht vom verstopften Gully bis zum Nachbarschaftsstreit. Mir geht es darum, die Probleme aufzunehmen und auch Lösungswege aufzuzeigen.

Freie Presse: Was stimmt Sie optimistisch?

Andreas Drescher: Dass es in Neuhausen einen geringen Wohnungsleerstand gibt und leere Häuser im Ort schnell wieder verkauft sind. Wir registrieren Zuzüge sowohl aus den alten Bundesländern als auch aus verschiedenen Großstädten, zum Beispiel aus Chemnitz oder Cottbus.

Das sagen Einwohner über Andreas Drescher, den Bürgermeister von Neuhausen:  

Edith Reinhold: "Unser Bürgermeister setzt sich für uns ein. Die Fehler werden in Berlin gemacht, wir müssen hier das Beste daraus machen. Der Erzgebirgszweigverein organisiert vieles im Ort. Mein Sohn und mein Enkel sind mit Andreas Drescher in der Feuerwehr."

Rita Thiel: "Ich hatte dieses Jahr das 30. Firmenjubiläum mit meiner Drogerie. Andreas Drescher hat sich erst einmal in die Kommunalarbeit einarbeiten müssen. Nach dem knapp ausgegangenen Wahlkampf muss er nun liefern." mer

Michael Barthel: "Er ist sehr volkstümlich, geht auf die Einwohner zu. Man kann überall, ob vor der Kaufhalle, zum Fasching oder zu anderen Festen, mit ihm reden. Zum Umzug war er als Weihnachtsmann in der Radladerschaufel zu sehen. Er ist halt ins kalte Wasser gesprungen, packt das aber recht gut."

Mandy Steinbach: "Er ist sehr offen, gerade was die Jugend betrifft. Als Feuerwehrmitglied hat er Altergenossen, mit denen er gut zusammenarbeitet. Gemeinsam mit dem Jugendclub werden Feste organisiert. Da packen alle mit an, ob bei Aufbau oder Versorgung, es passt."

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