Der Sucht davonlaufen

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Einst waren sie von Drogen und Alkohol abhängig, seit 2016 haben sie sich im Verein "Run and Gone" zusammengefunden. Gemeinsam touren die jungen Männer derzeit durch Sachsen, um ihre Erfahrungen an junge Menschen weiterzugeben. Eine Station war Freiberg.

Freiberg.

Suchtprävention auf Augenhöhe - so das Motto von "Run and Gone". Die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins kamen jetzt mit Schülerinnen und Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Freiberg ins Gespräch. Vor rund 100 Jugendlichen der Klassen 9 sprachen sie über ihre ehemalige Abhängigkeit und darüber, wie sie einen Weg aus der Sucht fanden. Den Mitgliedern des Vereins liegt es am Herzen, die Gesellschaft und besonders junge Menschen für das brisante Thema zu sensibilisieren.

Die Idee zu "Run and Gone" entstand im Jahr 2016. Die Gründungsmitglieder Reno Brandys-Werner, Jörg Fischer und Roberto Füger verband ihre jahrelange Abhängigkeit von Drogen, Alkohol und anderen Substanzen. Gemeinsam entdeckten sie im Laufsport eine Methode, die Sucht zu bekämpfen. Seitdem bewältigen sie jährlich im Spätsommer eine Strecke von über 200 Kilometern laufend, rennend oder mit dem Rad. Und das binnen weniger Tage.

Auf ihrem Weg von der Lausitz ins Erzgebirge machen sie dabei regelmäßig Halt, um in Entgiftungsstationen, Kinder- und Jugendzentren oder bei Sozialprojekten über das Thema Sucht zu reden. Auch mit den Menschen am Wegesrand entwickeln sich interessante Unterhaltungen.

Dieses Jahr standen gleich zwei Premieren an: Erstens wurde die Strecke anders herum in Angriff genommen, zweitens referierten die Mitglieder erstmals an einer Schule. Neben den drei Gründern trugen auch Stephan Roscher und Felix Füger ihre Erfahrungen vor. Sie schilderten den Jugendlichen, wie die Sucht ihr Leben maßgeblich negativ beeinflusst hat. Auf dem Weg in die Abhängigkeit büßten die Männer mitunter viel ein: Freunde, Beruf, Gesundheit. Auch wenn alle Mitglieder heute nicht mehr abhängig sind, betonten sie, dass die Sucht nicht einfach so aufhört. "Diesen Kampf führt man ein Leben lang", sagt Reno Brandys-Werner.

Der Appell von "Run and Gone" an die Gesellschaft ist so simpel wie einleuchtend: Auf Menschen mit Suchtproblemen zugehen und das eigene Konsumverhalten stets hinterfragen.

Eine Abhängigkeit muss nicht zwangsläufig mit Drogen oder Alkohol zusammenhängen. Felix Füger nannte als Beispiele den exzessiven Gebrauch des Smartphones oder das ausufernde Spielen am Computer als potenzielle Gefahrenquellen, die besonders für die Altersklasse der anwesenden Schülerinnen und Schüler riskant werden könnten. Die Jugendlichen interessierten sich für die Thematik. So erkundigte sich eine Schülerin nach den Langzeitfolgen langjährigen Drogenmissbrauchs, ein Klassenkamerad wollte wissen, welche finanziellen Auswirkungen eine solche Sucht hat. Auch die Frage, wie sich ein Entzug für den Körper anfühlt, kam auf.

Mit ehrlichen Antworten konnten die Vereinsmitglieder anschaulich verdeutlichen, welche zerstörerischen Kräfte - körperlich und psychisch - eine solche Sucht haben kann. Gedächtnisprobleme, Verlust der Körperkontrolle während eines kalten Entzugs und horrende Schulden waren nur einige Antworten auf die Fragen.

Den Männern von "Run and Gone" ist jedoch wichtig, dass ihre Vorträge nicht als mahnender Zeigefinger verstanden werden. "Wir wollen niemandem etwas verbieten!", betonte Jörg Fischer. Der Verein möchte lediglich auf dieses wichtige Thema aufmerksam machen und mit Menschen darüber ins Gespräch kommen. Mit diesem Ziel soll das Präventions- und Sportprojekt in den nächsten Jahren immer weiter wachsen, so Brandys-Werner.

Für die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse des Gymnasiums war die Veranstaltung laut Beratungslehrerin Katrin Arnold eine interessante Erfahrung. Im Unterricht der darauffolgenden Tage wurde das Thema noch einmal vertieft. Katrin Arnold berichtete, dass vor allem die Schilderung eigener Erfahrungen von ehemals Abhängigen bei den Jugendlichen hängen geblieben ist. Auch die Tatsache, dass Sport für die Beteiligten den Weg aus der Sucht geebnet hat, faszinierte die Neuntklässler.

Das Thema ist auch außerhalb von Schulen und Präventionsveranstaltungen omnipräsent. Laut dem aktuellen Sozialbericht des Landkreises Mittelsachsen wandten sich im Jahr 2018 mehr als 2500 Personen an die Suchtberatungsstellen der Region. Fast die Hälfte davon litt unter massiven Alkoholproblemen.


Anlaufstellen bei Suchtproblemen - Hier finden Mittelsachsen Hilfe

Gesundheitsamt Mittelsachsen

Am Landratsamt 3, 09648 Mittweida

Telefon: 03731 7996249

Mail: gesundheit@landkreis-

mittelsachsen.de

Diakonisches Werk Freiberg

Petersstraße 4, 09599 Freiberg

Telefon 03731 482100

Mail: sucht@diakonie-freiberg.de

Außenstellen in Brand-Erbisdorf, Flöha und Oederan.

Diakonie Döbeln

Haus der Diakonie

Otto-Johnsen-Straße 4, 04720 Döbeln

Telefon 03431 712623

Mail: sucht@diakonie-doebeln.de

Außenstellen in Roßwein, Leisning und Waldheim.

Blaues Kreuz Diakoniewerk

Neustadt 11, 09648 Mittweida

Telefon 03727 930579

Mail: suchtberatung.mittweida@

blaues-kreuz.de

Außenstellen in Hainichen, Rochlitz, Burgstädt und Frankenberg.

Weitere Informationen unter: www.suchtinfo.sachsen.de

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