Wenn Industriebrachen neu erwachen

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Industriebrachen zum Leben erwecken- das ist der Gedanke, der hinter der Industriebrachenumgestaltung steckt. In Flöha startet in wenigen Tagen eine Neuauflage. Ein Blick auf die Vorbereitungen.

Flöha.

Kehrbesen und Schraubenzieher, aber auch Vorschlaghammer und Kärcher-Reinigungssystem waren am Wochenende gefragte Utensilien für Künstler, Kunstliebhaber und Fans der Industriegeschichte. 15 Freiwillige folgten der mehrtägigen Einladung nach Flöha, die Vorbereitung der Neuauflage des Festivals für Industriebrachenumgestaltung (Ibug) in der ehemaligen Buntpapierfabrik zu unterstützen. Ab dem 1. August soll diese verwaiste Industriebrache an der Augustusburger Straße nach noch einmal Austragungsort des Treffens für Akteure urbaner Kunst werden.

"Zu diesem ersten von mehreren Arbeitseinsätzen schaffen wir zunächst die Infrastruktur für dieses Zusammenkommen. So richten wir beispielsweise die Aufenthaltsräume, Schlafplätze, Toiletten und Küche für Künstler und Organisatoren ein", erklärt Andreas Kiessling von der Festivalleitung. "Dafür greifen wir Erfahrungen der ersten Runde auf und reagieren auf die Tatsache, dass statt 30 ständigen Anwesenden diesmal 100 Künstler vor Ort sein werden." Während ein teil der Truppe in den Außenanlagen aktiv war, WC-Container und Wohnwagen positionierte, rückten andere wiederum Etage für Etage dem Ausstellungsgebäude zu Leibe. Fast ein Jahr verschlossen, begann das Aufräumen und Putzen der weitläufigen Fabriksäle, Büros und Technikräume. So wurde begonnen, die Stromversorgung aufzubauen, Notfallwege zu bestimmen und zurückgelassene Utensilien zu bergen. Berit Stenzer gehörte zu den Helferinnen. "Cool, dass dieses interessante Festival in Flöha einen Nachschlag findet", freut sich die Einheimische. "Prima, dass in den Werkräumen wieder Leben einzieht. So manches Detail erinnert noch an das frühere Geschehen. Die Hinterlassenschaften wecken das Interesse und lassen darüber nachdenken, wie wohl das Betriebsleben hier einst pulsierte. Das Festival rückte unsere Stadt in internationales Rampenlicht, da sollte man mit zupacken. Noch werden weitere Akteure gesucht und auch für die Zeit der Ausstellung werden viele unterstützende Hände benötigt." Auch Sohn Louis Stenzer war am Wochenende mit von der Partie. Als Elektriker arbeitete er an einer der zurückgelassenen Papierverarbeitungsmaschinen. "Ziel ist es, zu den Führungen diesen technischen Zeitzeugen in Betrieb zu setzen. Bislang bin ich gut mit dem alten Aggregat zurechtgekommen. Es rattert wieder, und dies nach 30 Jahren Stillstand. Faszinierend, etwa die alten Transmissionen zu sehen und zu hören." 282 Bewerbungen von Kreativen aus aller Welt sind für die Ibug in Flöha in den vergangenen Wochen bei den Festivalmachern eingegangen: Einzeln, als Duos und im Kollektiv und dies aus insgesamt 41 Ländern von allen Kontinenten. Bunt die Palette an Genres von Malerei und Graffiti, über Installationen, Skulpturen, Sounddesign und Visuals bis hin zu Fotografie sowie Textilgestaltung.

Laut Gastgebern können Neugierige an zwei Festivalwochenenden - vom 26. bis 28. August und vom 2. bis 4. September - diese Ausstellung auf Zeit erleben. Erneut soll wieder ein buntes Festivalprogramm mit Führungen und Filmen, Diskussionen und Kunstgesprächen sowie Musik stattfinden. Zudem sind Angebote für Schulklassen geplant.

Seit der ersten Industriebrachenumgestaltung im Jahr 2006 hat sich die Ibug zu einem weltweit bekannten Festival für urbane Kunst entwickelt.

www.freiepresse.de/ibug-fl

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