Mittweida
Ein Auto für Mutter und Sohn - Leser helfen Lucas

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Janet Franz kümmert sich seit 23 Jahren um ihren schwerstbehinderten Sohn Lucas. Ein Mal pro Woche kommt eine Physiotherapeutin zu ihm. Sie kennt seine Stärken ganz genau.

Mittweida.

Ulrike Hesse kniet vor dem Pflegebett, in dem ihr Patient Lucas nun auf dem Bauch liegt und den Kopf hochhält. Für den 23-Jährigen ist das eine enorme Anstrengung, die er an diesem Tag aber unbedingt bewältigen will. Da staunt auch seine Mutter Janet Franz, die mithelfen musste, um Lucas überhaupt in die Bauchlage zu bringen. Ulrike Hesse lobt Lucas, der inzwischen schon schwer atmet.

"Was er jetzt leistet, ist mit einer richtigen Sportstunde zu vergleichen", erklärt die Physiotherapeutin, die im Mittweidaer Eltern-Kind-Zentrum des Diakonischen Werks Rochlitz tätig ist. 15 bis 20 Patienten betreut sie pro Woche. Lucas ist ihr ältestes "Turnkind", wie sie ihn gern bezeichnet. Seit 1999 kümmert sie sich schon um ihn. Über jeden Fortschritt, den er macht, freut sie sich ebenso wie Lucas und dessen Mutter. Langes, selbstständiges Halten des Kopfes gehört auf jeden Fall dazu. "Das konnte er früher gar nicht", erklärt Janet Franz. "Lucas kann nicht laufen, nicht allein sitzen, sich nicht mal selbst drehen." Aber er habe sich noch nie wund gelegen - für sie ein großer Erfolg, für den sie nachts mehrmals aufstehen muss.

Während der Geburt von Lucas waren Hirnblutungen festgestellt worden, er ist schwerstbehindert und rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. "Natürlich habe ich mir als junge Mutter gewünscht, dass er hinter mir her krabbelt", sagt die Mutter. "Das konnte er leider nie." In der Wohnung in Mittweida kann Lucas heute mit dem Rollstuhl in jedes Zimmer gebracht werden. Damit er überhaupt in den Rollstuhl hineinkommt, gibt es über seinem Bett einen Deckenlift. Wenn Ulrike Hesse da ist, wird der nicht benötigt.

Sie weiß, wie sie Lucas fordern kann und muss. "Ich mache mit ihm die ganz normalen Bewegungsabläufe." So streckt und dreht sie seine Arme und Beine, beugt ihn zu Seite. Lucas kennt die Übungen. Deshalb sagt er schon mal "Nein", schickt aber gleich ein Lächeln hinterher und strengt sich an. "Beißt du die Zähne schon zusammen?", kommt ab und an als Motivation seiner Physiotherapeutin. Sie weiß, dass ihr Schützling immer mitmacht und genau zuhört, wenn sie etwas sagt. Thema während der Therapie war in dieser Woche natürlich die kleine Weihnachtsfeier, die es in den Mittweidaer Werkstätten des Vereins Lebenshilfe in Mittweida gab. Lucas wird dort betreut, bekommt da auch Besuch einer Logopädin.

"Dieses Training ist wegen seiner Schluckbeschwerden wichtig", erklärt Janet Franz. Von Geburt an muss ihr Sohn künstlich ernährt werden. Vor einigen Jahren habe er noch Ergotherapie gemacht, auch therapeutisches Reiten über einen gewissen Zeitraum. "Zu viel überfordert ihn aber nur", sagt seine Mutter. Das merkt sie, wenn um 19 Uhr für ihn nach einer Stunde Vorbereitung dann Bettruhe ist. Er schläft schnell ein, nicht nur nach einer Übungsstunde. Die hat Lucas übrigens noch nie schlecht gelaunt beendet, auch dieses Mal nicht, dafür aber mit einer gesunden Gesichtsfarbe.

Ulrike Hesse kann schon mehr als 40 Jahre Berufserfahrung vorweisen, in einer Poliklinik hat sie mal begonnen. Auch als Heilpädagogin ist sie tätig. Mit "Leser Helfen" ist sie längst vertraut. Zur Aktion der "Freien Presse" vor drei Jahren war die damals fünfjährige Joli in Hainichen ihre Patientin. Damals ging es um eine neues Transportfahrzeug für die Familie. Auch die Mutter von Lucas benötigt ein moderneres Auto, weil sie ihren Sohn nicht mehr allein über die Rampe in den 20 Jahre alten VW-Transporter schieben kann.

Aktion "Leser helfen": Details und Spendenformular finden Sie hier: www.freiepresse.de/leser-helfen-lucas

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