Patrizia Meyn will im Schloss neue Türen öffnen

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Die Chefin der Schlösser Augustusburg, Scharfenstein und Lichtenwalde plant große Veränderungen. Wie kommt sie auf ihre Ideen?

Lichtenwalde.

Die Tür klemmt. Aber Patrizia Meyn kennt noch einen anderen Ausgang. Einen, den die meisten Besucher von Schloss Lichtenwalde wahrscheinlich noch nie wahrgenommen haben. Er führt vom Schlosshof auf einen Rundweg um das Barockschloss. Den Boden bedecken Brennnesseln, die Schlossmauer ist kahl. Aber Patrizia Meyn sieht, was andere nicht sehen: "Das kann man wunderbar anstrahlen. Und hier kommt ein Skulpturengarten hin."

In zwei Jahren, so hofft sie, können die Besucher vom Schlosshof auf einem hergerichteten Weg um das Schloss spazieren, Ausblick ins Zschopautal inklusive, und dann in den Park. Bisher ist es anders: Viele gehen in den Park und dann nach Hause. Schlosshof und Schloss bleiben ihnen verschlossen. "Wir wollen das öffnen", sagt Patrizia Meyn. Ein Satz, der alles zusammenfasst, wofür sie steht.

Seit 2011 ist die 49-Jährige, geboren in Dresden, Geschäftsführerin der Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde Schlossbetriebe gGmbH. In der Kulturbranche kennt sie sich aus: Sie hat Musik und Kulturmanagement studiert, große Musikfestivals geleitet. Vier Jahre lang leitete sie die Musische Akademie in Braunschweig. Und dann übernahm sie die drei sächsischen staatlichen Schlösser von ihrem langjährigen Vorgänger Werner Sieber. Er hatte sich dafür eingesetzt, dass der Freistaat das Schloss Lichtenwalde im Jahr 2010 für 17 Millionen Euro restaurieren ließ. Patrizia Meyn will jetzt neue Türen öffnen. Da sind zunächst die Türen zum Schlosshof. Ein großes Tor soll die kleine Eingangstür und die verschlossene Nebentür ersetzen. In den Schlosshof soll die Gastronomie einziehen. Die Galerie Angewandte Kunst Schneeberg zieht im Haus nach oben, an ihrem jetzigen Standort entsteht der Eingangsbereich. Zwei Millionen Euro soll der Umbau kosten.

Auch im Schloss soll sich einiges ändern. Die Sonderausstellungen bekommen zwei Etagen. Dafür müssen die völkerkundlichen Exponate aus Westafrika weichen. Die Ausstellungen zu China und dem Himalaja bleiben. Harte Veränderungen. Patrizia Meyn sagt: "Wenn man Entscheidungen trifft, werden sie nie allen gefallen." Sie sagt es mit einer ruhigen Freundlichkeit. Man kann sich nicht vorstellen, dass sie die Stimme erhebt. Man kann sich aber auch nicht vorstellen, dass sie sich von ihrer Vision abbringen lässt. Die lautet: "Ich will die Schlösser für das Publikum von morgen öffnen." Dazu gehören auch Veranstaltungen. "Der Workshop war gut", sagt sie im Vorbeigehen zu einer Mitarbeiterin, die den Raum vorbereitet hat für die Künstlerinnen, die an Wochenenden Kurse geben.

Räume vorbereiten, Türen öffnen - bisher scheint das Konzept aufzugehen: Schon 40.000 Menschen haben seit 1. April die Sterntaler-Ausstellung gesehen. Das Ziel ist 100.000, sagt Patrizia Meyn. Fixierung auf Besucherzahlen? Jens Bossard findet es gut, wenn sich jemand nicht von seinen Ideen abbringen lässt. Er ist Ortsvorsteher von Lichtenwalde und sagt: "Wir können zufrieden sein. Es entwickelt sich alles positiv."

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