Wild geparkte E-Scooter in Mittweida: Das sagt der Anbieter dazu

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Mitten auf dem Fußweg, in Einfahrten, direkt vor Geschäften - immer wieder gibt es in Mittweida Beschwerden über kreuz und quer abgestellte E-Scooter.

Freie Presse: Herr Anders, in Mittweida kann man seit etwa einem Vierteljahr mit den türkisen E-Rollern fahren. Die Roller sind in Mittweida bei vielen beliebt. Aber es gibt auch Leute, die sich über sie ärgern. Denn die Scooter, so wie Sie sie bezeichnen, liegen immer wieder kreuz und quer auf Fußwegen, in Einfahrten und anders wo.

Florian Anders: Wir wissen, dass das Parkverhalten mitunter schwierig ist. Die Scooter sind ein neues Verkehrsmittel. Aufgrund ihrer Form erinnern sie auch leider manche eher an ein Spielzeug, weniger an ein richtiges Verkehrsmittel. Aber das sind sie. Deshalb appellieren wir an die Nutzer, sie ordnungsgemäß zu parken. Rechtlich werden die Scooter behandelt wie Fahrräder. Wo man ein Fahrrad abstellen darf, kann man also auch die Scooter abstellen. Die Leute sind sich aber wahrscheinlich der Regeln nicht so bewusst, da man - anders als für das Auto - ja auch keinen Führerschein braucht.

Freie Presse: In Mittweida wurde im Stadtrat kürzlich diskutiert, ob das Ordnungsamt Knöllchen verteilen kann, wenn ein Roller falsch abgestellt wird. Allerdings war unklar, an wen - den letzten Nutzer oder an die Firma Tier, also an Sie.

Florian Anders: Die Mithilfe von Ordnungsämtern und Polizei ist von uns durchaus erwünscht. Natürlich ist es möglich, Nutzer für Falschparken, Telefonieren während der Fahrt oder für eine Fahrt zu zweit entsprechend zu bestrafen.

Freie Presse: Aber wenn der Roller irgendwo steht, weiß ja niemand, wer zuletzt damit gefahren ist. Beim Auto weiß das auch keiner. Daher geht das Knöllchen an den Halter. Bekommen Sie bei Tier Bußgeldbescheide von Städten und Gemeinden?

Florian Anders: Ja, wir bekommen welche und haben dann theoretisch die Möglichkeit, sie an den letzten Nutzer weiterzureichen. Aber das ist in der Praxis schwierig. Wir können nicht nachweisen, ob der letzte Nutzer den Scooter falsch geparkt hat oder ob eine dritte Person ihn irgendwo hingestellt hat, die gar nicht damit gefahren ist. Deshalb tragen meist wir als Anbieter die Geldbuße.

Freie Presse: Soweit ich weiß, hat Ihnen das Mittweidaer Ordnungsamt aber noch keine Strafzettel geschickt.

Florian Anders: Da gibt es tatsächlich große regionale Unterschiede. Meist kommen die Bußgeldbescheide aus großen Städten.

Freie Presse: Aus dem Rathaus wurde gemeldet, dass kürzlich einer der Roller im Altmittweidaer Bach lag. Kommt Vandalismus oft vor?

Florian Anders: Das kommt schon mal vor, lässt aber mit der Zeit nach. Am Anfang finden einige Leute es anscheinend lustig, Unfug mit den Scootern zu machen. Was verwunderlich ist, da so ein Scooter auch 30 Kilogramm wiegt. Das erleben wir aber trotzdem immer wieder und manche kommen wirklich auf komische Ideen. Für uns ist das ärgerlich, wenn wir einen Roller, wie Sie sagten, aus dem Wasser bergen müssen. Denn den können wir nicht mehr einsetzen, der muss aussortiert werden. Einfachere Schäden können wir dagegen reparieren. Aber auch bei Sachbeschädigungen werden die Täter leider meistens nicht gefunden. Schwere Fälle zeigen wir dennoch bei der Polizei an.

Freie Presse: Wie werden die Roller eigentlich aufgeladen?

Florian Anders: Wir haben ein Team, das in der Region unterwegs ist und regelmäßig die Batterie der Scooter wechselt.

Freie Presse: Wie läuft es denn generell in Mittweida mit den Rollern? Sind Sie zufrieden?

Florian Anders: Wir sind sehr zufrieden. Die Scooter werden sehr gut angenommen. Das ist spannend, denn Mittweida ist deutschlandweit die kleinste Stadt, in der es unsere Scooter gibt. 100 Tier-Scooter sind in Mittweida verfügbar und in den letzten 90 Tagen wurden 15.152 Fahrten unternommen.

Wild geparkte Roller am Donnerstag, 6. Oktober.

Die "Freie Presse" war am Donnerstagvormittag in Mittweida unterwegs und hat geschaut, ob Roller irgendwo kreuz und quer stehen. Viele standen korrekt am Gehwegrand und so, dass sie niemanden störten. Doch einige standen mitten auf dem Fußweg. Sehen Sie die Verstöße in unserer Bildergalerie

Hier kann man die Roller abstellen

Die rot markierten Flächen sind Gebiete, in denen man die Fahrt mit einem E-Roller nicht beenden kann. Dort dürften also keine Roller stehen (Stand September 2022).

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.