Die Gebetsreform

Warum sich das Vaterunser ändern soll

Die spinnen, die Römer. Das kann man bei Asterix nachlesen. Und es ist auch heute bisweilen noch so, dass man aus Rom Erstaunliches hört. Nicht dass man sagen könnte, der Papst sei verrückt ... Um Gottes willen. Aber dies oder jenes stellt Franziskus schon mal infrage, was gefühlt seit Ewigkeiten galt.

Das Vaterunser zum Beispiel. Ein mehr als 2000 Jahre altes Gebet. Das wohl bekannteste aus der Bibel, dem Neuen Testament. Jesus selbst, Gottes Sohn also, soll es einst gesprochen haben. Ein Hit, ein Schlager, mehr als nur ein Popsong ist daraus geworden. Cliff Richard hat es gesungen. War damit die Nummer eins in den britischen Charts vor 20 Jahren. Die Toten Hosen. Die Söhne Mannheims. Und, und, und. Viele haben es vertont. Das ist Fakt.

Ein Gerücht dagegen ist die Sache mit dem Paternoster. Dem Aufzug, der keine Türen hat. Und deshalb beim Ein- und Aussteigen ein Stoßgebet braucht - ein Vaterunser auf Latein. Der Name bezieht sich vielmehr auf den Rosenkranz - jene Gebetsperlenkette, an welche die aufgereihten Liftkabinen erinnern. Damit aus einer Fahrt im Paternoster kein Himmelfahrtskommando wird, kann man ja trotzdem ein Vaterunser beten. Sicher ist sicher.

Für sieben Stockwerke reichen die sieben Bitten des Gebets allemal. In der sechsten Etage hat der Papst aber den Nothalt gedrückt: "... führe uns nicht in Versuchung", heißt es da. Franziskus hält dies für einen Übersetzungsfehler. "Ein Vater tut so etwas nicht ... wer dich in Versuchung führt, ist Satan." Also sprach das Oberhaupt der katholischen Kirche. Und korrigiert: "Überlasse uns nicht der Versuchung" - das solle man beten. Das gefiele dem Herrn.

Die spinnen, die Römer? Die Gallier, also Frankreichs Bischöfe, haben die Gebetsreform bereits umgesetzt. Die Germanen sind da etwas rückständiger. In Deutschland gilt die neue Fassung ab dem ersten Advent 2020. Ein Termin mit Symbolkraft - ein Tag, an dem einen ja ein Licht aufgeht. Ulrich Hammerschmidt


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    ChWtr
    03.02.2020

    Derzeit vergriffen (...), @acals.

    "(*) Derzeit vergriffen bedeutet, dass dieser Titel momentan auf keiner der angeschlossenen Plattform verfügbar ist."

    https://www.eurobuch.de/buch/isbn/9783738015379.html

  • 1
    0
    acals
    03.02.2020

    Den Katholiken gilt der Papst als Stellvetreter Gottes auf Erden. In dieser Autoritaet wurde dann praktisch 2 Jahrtausende agiert.

    Dabei wird sich auf die Bibel berufen - wobei es innerkirchlich vorbehalten war zu uebersetzen.

    Ausserkirchliche Uebersetzungen, zumal in das Deutsche und dann aus so originaer wie moeglichen Schriften waren lange Fehlanzeige.

    Dr. Bernd Knackfuss "Das rote Buch des Jesus von Nazareth" hat hier Abhilfe geschaffen.

    "Der Autor gibt zunächst die überlieferten Berichte antiker Historiker über Jesus von Nazareth und das frühe Christentum wieder, kommentiert sie, und rekonstruiert sodann die Biographie und die Lehre von Jesus und seiner Jünger nach den ältesten erhalten gebliebenen Handschriften der Evangelien nach Johannes, Thomas, Markus und Philippus, die keiner Kirchenzensur unterworfen waren und sich erheblich von den Texten christlicher Bibeln unterscheiden. Bemerkenswert ist hierbei, dass der Autor nicht nur aus diesen Evangelien zitiert, sondern auch im Volltext wiedergibt, so dass dem Leser die Möglichkeit gegeben wird, sie kennenzulernen, mit den Schriften christlicher Bibeln zu vergleichen, die vom Autor gemachten Aussagen zu überprüfen und eigene Forschungen anzustellen."

  • 7
    1
    Nixnuzz
    03.02.2020

    Ist dies wirklich ein so immenses Problem? Vielleicht sollte dieser Verein erstmal seine "Knabenbetreuung" etwas offener und rechtsstaatlicher Organisieren.!

  • 1
    7
    Distelblüte
    02.02.2020

    Exakter wäre "und führe uns durch die Versuchung(hindurch)" anstatt "und führe uns nicht in Versuchung".