Monster, Mumien und Mörderpuppen im Museum

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Ob Parasiten in Tokio, Henkerwerkzeuge in Sissach oder Yeti-Fäkalien in Portland: Rund um den Globus haben sich Museen gruseligen Themen verschrieben. Oft ist der Horror nur ein Nebeneffekt.

Bangkok.

Halloween, das steht nicht nur für geschnitzte Kürbisse, sondern vor allem für Monster, Zombies, Skelette und jeden erdenklichen Horror. Aber auch Museen in aller Welt haben sich allerlei schaurigen Themen verschrieben, die nicht nur zu Allerheiligen für Grusel sorgen. Ein Überblick.

Spanien: In dem beliebten Urlaubsland gibt es gleich mehrere Ausstellungshäuser, deren Besuch ängstlichen Gemütern Albträume bereiten kann. Das berühmteste Horrorhaus ist wohl das nur dunkel beleuchtete "Haus des Grauens und des Fantastischen" in Cádiz, wo furchterregende Figuren, Bilder, Plakate und Zeitungsberichte zu sehen sind. Es geht um Monster, Dämonen, Außerirdische und zähnefletschende Tiergestalten, die in Geschichten vorkommen, die man sich in der andalusischen Küstenstadt schon seit Jahrhunderten erzählt - und die so mancher Einwohner heute noch für wahr hält.

Aber auch auf Mallorca kommen Gruselfans auf ihre Kosten. Das Themenrestaurant "Transilvania Museo-Cafetería" in Palma beherbergt ein echtes Museum mit zahlreichen Wachsfiguren aus bekannten Horrorfilmen, wie etwa Freddy Krueger, Chucky die Mörderpuppe, dem Clown Pennywise aus Stephen Kings "Es" - und sogar Pop-Legende Michael Jackson im Outfit des "Thriller"-Videos.

USA: In Fort Mitchell im US-Bundesstaat Kentucky gibt es eine höchst obskure Ausstellung: Im Vent Haven Museum sind zahlreiche Bauchredner-Puppen zu bestaunen. Für einige vielleicht nicht per se gruselig, aber die rund 900 Puppen haben teils bizarre Fratzen und weit aufgerissene Augen. Nach eigenen Angaben ist es das einzige Bauchredner-Puppen-Museum dieser Art weltweit.

Im International Cryptozoology Museum in Portland im US-Bundesstaat Maine sind Monster und andere Tiere zu bestaunen, deren Existenz gar nicht bewiesen ist. Das Museum wirbt mit angeblichen Haarproben der Mythosfiguren Bigfoot oder Yowie. Auch die angeblichen Fäkalien eines kleinen Yetis können begutachtet werden.

Thailand: Das Siriraj Medical Museum in Bangkok, mit Spitznamen "Museum des Todes", ist nichts für schwache Nerven. Wer sich für die Anatomie des menschlichen Körpers interessiert, kommt allerdings in den Ausstellungsräumen des Siriraj-Krankenhauses voll auf seine Kosten. In mehrere Abteilungen unterteilt sind unter anderem in Alkohol eingelegte erkrankte Organe zu sehen, von den Auswirkungen eines Herzinfarkts bis zu schwarzen Lungen und Schrumpflebern. Daneben sind missgebildete Föten in Konservierungslösungen (darunter siamesische Zwillinge), Querschnitte durch den menschlichen Körper und mumifizierte Verbrecher zu bestaunen. Grausliche Fotos von Unfallopfern, darunter halbe Gesichter, abgetrennte Gliedmaßen und in die Luft gesprengte Körper, gibt es ebenfalls zu sehen.

Mexiko: Das Mumien-Museum der Stadt Guanajuato hat eine Sammlung von 117 sogenannten natürlichen Mumien - nach eigenen Angaben die größte der Welt. Dort werden Leichen von Menschen ausgestellt, die wegen der örtlichen klimatischen Verhältnisse ohne Einbalsamierung erhalten geblieben sind. Die erste Mumie wurde 1870 entdeckt, als auf einem Friedhof - neben dem das Museum nun steht - Gräber aufgelöst wurden, deren Nutzungsrecht abgelaufen war. Die jüngste stammt aus dem Jahr 1984. Um einige der Mumien ranken sich Legenden - manche meinen etwa, "Daniel den Frechen", der mit sieben Monaten starb, weinen gehört zu haben. Andere Menschen sollen lebendig begraben worden sein.

Japan: Glitschige Würmer, Parasiten in kranken Gedärmen - schon die bloße Vorstellung lässt so manchen erschaudern. In Japan widmet sich ein ganzes Museum der schaurig-faszinierenden Welt der Schmarotzer. "Wir haben hier rund 300 Exemplare von Parasiten ausgestellt", erzählt Museumsdirektor Toshiaki Kuramochi mit ernster Miene. Das Meguro Parasitological Museum in Tokio hat sich der Erforschung von und Aufklärung über die Verbreitung von Parasiten und Tropenkrankheiten verschrieben. Auf zwei Stockwerken reihen sich in Vitrinen Parasiten an Parasiten - aufwendig in Gläsern konserviert und garniert mit detaillierten Erläuterungen. Insgesamt lagern in dem Museum rund 60.000 Exponate im Zusammenhang mit den ekligen Organismen. Der japanische Arzt Satoru Kamegai hatte es 1953 mit eigenen Mitteln gegründet - heute finanziert es sich aus Spenden.

Indien: In einem Museum in Bengaluru kann man sich Hunderte Gehirne anschauen - von Menschen und von Tieren. So sind etwa Gehirne von Alzheimer-Kranken ausgestellt, die auf die Hälfte ihrer einstigen Größe geschrumpft sind. Zu den Exponaten gehören aber auch von Parasiten zerstörte Gehirne. Das Museum habe eine wichtige Botschaft, sagte Neuropathologie-Professor S. K. Shankar indischen Medien: Viele Krankheiten seien behandelbar, müssten aber früh diagnostiziert werden.

Schweiz: An einen senkrechten Balken gefesselt, um den Hals ein halbrundes Metallband, durch das von hinten ein dicker Stahldorn Richtung Hals getrieben wird: Zum Tode Verurteilte starben noch bis in die 1970er-Jahre in Spanien in solchen Würgegalgen. Ein Original davon steht im schweizerischen Henkermuseum in Sissach südwestlich von Basel. "Im besten Fall kam der Tod durch Genickbruch, sonst langsam durch Erwürgen", sagt Museumsdirektor Guido Varesi. Unter den 400 Ausstellungsstücken sind Hinrichtungs- und Foltergegenstände, darunter das Original-Richtschwert, mit dem 1782 die letzte Frau in Europa als angebliche Hexe hingerichtet wurde: die Schweizerin Anna Göldin.

Niederlande: Die Strafinstrumente des Mittelalters treiben einem bis heute noch Schauer über den Rücken. Das kleine private Amsterdamer Foltermuseum zeigt etwa 40Folterwerkzeuge, die einst in Europa eingesetzt wurden. Die Exponate sind Nachbildungen, aber dennoch schaurig. Besucher sehen Werkzeuge aus Holz und Metall, die den Delinquenten grausamste Schmerzen und Wunden zufügen konnten, darunter Zwingen, Hämmer und Daumenschrauben. Oder die Streckbank, auf der Menschen zur Aussage gezwungen werden sollten. Und den Inquisitionsstuhl, der vermeintlichen Sündern Bekenntnisse entlocken sollte. Manchem mag da das scharfe Beil des Henkers wie eine Erlösung vorkommen.

Italien: Die Kapuzinergruft in der Kirche Santa Maria della Concezione in Rom hat hingegen keine Nachbildungen, sondern unzählige echte Gebeine im Angebot. In der Krypta werden die Überreste von etwa 4000 Kapuzinermönchen aufbewahrt - und ganz offen gezeigt: Verzierungen aus menschlichen Knochen, Hunderte von Totenköpfen, komplett erhaltene Skelette in den ordenstypischen braunen Roben oder das Skelett eines Kindes mit einer Sense in der Hand - auch diese aus Knochen. "So, wie ihr seid, waren wir einmal. So, wie wir jetzt sind, werdet ihr einmal sein", lautet die Botschaft an die Besucher. (dpa)

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