Tödlicher Biss: Wann Hunde als gefährlich gelten

Binnen weniger Tage starb der dritte Mensch an einem Hundebiss - diesmal ein Baby. Eine bundeseinheitliche Regelung zum Umgang mit gefährlichen Hunden fehlt.

Bad König.

Der Vater, 23 Jahre, und die Mutter, 27 Jahre, stehen unter Schock. Der Familienhund ist jetzt im Tierheim. Die Familie hat am Montagabend das Wichtigste verloren. Ihr Hund hatte das siebenmonatige Baby totgebissen.

Es ist die zweite Hundeattacke binnen weniger Tage. Erst Anfang April tötete in Hannover ein Staffordshire-Terrier eine 53-jährige Mutter und ihren 27-jährigen Sohn. Das Tier aus Bad König im südhessischen Odenwald sei von den jetzigen Betreuern als aggressiv beschrieben worden, berichtete am Dienstag eine Polizeisprecherin. Es soll sich dem äußeren Ansehen nach um einen Staffordshire-Mischling handeln. Der Hund war in der Wohngemeinde der Familie nicht als gefährlich registriert, teilte Bürgermeister Uwe Vieth auf Anfrage mit.

In Sachsen gelten American Staffordshire-Terrier, Bullterrier und Pitbull Terrier als gefährliche Rassen, die nur mit Erlaubnis und nach Prüfung der zuständigen Kreispolizeibehörde gehalten werden dürfen. Ende 2017 waren 322 dieser Hunde registriert - nur fünf in Chemnitz und zwei in Mittelsachsen, 16 im Erzgebirgskreis und 13 im Vogtlandkreis. In Dresden gibt es 66 und in Leipzig 80 dieser "Listenhunde". Auffällig ist eine Häufung in Meißen (51) und Zwickau (40).

Auf das Konto der von vornherein als gefährlich verdächtigten Arten kamen 2016 in Sachsen fünf (nicht tödliche) Beißvorfälle, davon drei in Leipzig. Insgesamt wurden rund 250 Menschen durch Hundebisse verletzt. Für das gesamte Bundesgebiet wird keine Beißstatistik geführt. Nach einem Bericht des Deutschen Ärzteblattes von 2015 ist jährlich mit 30.000 bis 50.000 Bissverletzungen zu rechnen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sterben in Deutschland jährlich zwischen einer und sechs Personen nach einem Hundebiss.

In den Statistiken tödlicher Bissattacken dominieren große und kräftige Hunderassen wie Pitbull, American Staffordshire, Bullterrier, Rottweiler oder Schäferhund. In Sachsen gingen 2016 nach Angaben des Innenministeriums die meisten zurechenbaren Beißattacken auf das Konto von Rottweilern (7 Vorfälle), Schäferhunden (6), Rhodesian-Ridgebacks und Labradoren (je 5). Bei der Risikoabschätzung ist die unterschiedliche Verbreitung der Rassen zu beachten.

Die Hundegesetze der Länder tragen den statistischen Tatsachen in unterschiedlicher Weise Rechnung. Die meisten Länder führen eine amtliche Liste wie Sachsen, die Rassen aufführt, welche ohne Weiteres gewissen Auflagen unterliegen - es sei denn, ihre Gefährlichkeit wird durch eine Wesensprüfung widerlegt. Die Listen weichen voneinander ab. Sie sind in Brandenburg und Bayern besonders umfangreich. Viele der geltenden Rechtsnormen wurden eingeführt, nachdem im Juni 2000 in Hamburg ein sechsjähriges Kind, Volkan Kaya, beim Spielen auf dem Schulhof von zwei Mischlingen der Rassen Pitbull, Bullterrier und American Staffordshire getötet worden war.

Ob es hilft, bestimmte Rassen pauschal als gefährlich einzustufen, ist umstritten. Niedersachsen führt seit 2003 keine Rasseliste mehr, sondern setzt allein auf die Sachkundeprüfung für Hundehalter. Im Fall der zwei Toten von Hannover wurden inzwischen Kontrollmängel der Behörden festgestellt. Zur Vorbeugung von Beißattacken weisen Fachleute immer wieder darauf hin, dass besondere Aufmerksamkeit im Umgang mit Kindern vonnöten ist.

Das hat der Tod des Babys im Odenwald verdeutlicht. Im Umgang mit Kleinkindern können selbst Hunde aus der Rolle fallen, die in der Wesensprüfung (bei der eine Kinderpuppe zum Einsatz kommt) unauffällig waren. Bekommt ein aggressiver und kräftiger Hund einen Kindskopf zu fassen, könnte er im schlimmsten Fall versuchen, ihn schüttelnd abzubeißen. (mit dpa)

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