Was macht ein gutes Eis aus?

In Sachsen gibt es 192 Eisdielen - und große Unterschiede bei Preis, Größe und Qualität der Kugeln

Der Sommer ist zurück. Der Ansturm auf die Eisdielen geht wieder los. Doch gefühlt werden die Kugeln immer teurer. Eine Umfrage der Freien Presse in 16 Städten im Freistaat hat allerdings ergeben, dass das nicht stimmt. Die meisten Anbieter haben ihre Preise im Vergleich zum Vorjahr nicht erhöht. Allerdings gibt es große Unterschiede - von 70 Cent in Freital bis zu 1,20 Euro in Dresden kostet eine Kugel.

Wo liegt die Schmerzgrenze beim Eispreis?

Wie teuer eine Kugel ist, darüber entscheiden auch die Lage und die Miete der Eisdiele. Durchschnittlich verlangen die Eismacher in Sachsen einen Euro pro Kugel. Genau das ist für die Hälfte der Deutschen ein akzeptabler Preis, hat das Statistikportal Statista 2017 ermittelt. 18 Prozent würden auch bis zu 1,50 Euro ausgeben. Nur für drei Prozent wären maximal zwei Euro in Ordnung.

Was kostet das Eis in anderen Ländern?

Weit kommt man damit in anderen europäischen Städten allerdings nicht. So kostet in Barcelona die Kugel 3,10 Euro, in Helsinki 4,20 Euro, in Dublin 4,50 Euro. In Kopenhagen sind es sogar 4,70 Euro, dann aber mit hausgemachter Waffel, Schlagsahne und Soße, wie der Sender Sonnenklar.TV ermittelt hat. In Deutschland sind München mit durchschnittlich 1,53 Euro, Stuttgart (1,47 Euro) und Frankfurt (1,43 Euro) die teuersten Eis-Pflaster.

Wie groß sollte eine Kugel Eis sein?

Preisentscheidend ist natürlich auch die Größe der Kugel. So wog das mit 70 Cent günstigere Eis in Dresden 57 Gramm. Das teure Eis für 1,20 Euro brachte mit 97 Gramm fast das Doppelte auf die Waage. "Durchschnittlich sind die Kugeln 70 bis 110 Gramm schwer", sagt Annalisa Carnio vom Dachverband der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland. In den 1960er Jahren, als die italienischen Eismacher in die alte Bundesrepublik kamen, waren die Kugeln so groß wie ein Eidotter und wogen gerade einmal rund 30 Gramm. Sie kosteten allerdings auch nur wenige Groschen.

Was ist im Eispreis alles enthalten?

"Der Kugelpreis ist keine Entscheidung, die jeder Inhaber einer Eisdiele urplötzlich trifft", sagt Carnio. Auch Eiscafés haben laufende Kosten - Personal und Miete sind am teuersten. Der Westdeutsche Rundfunk hat berechnet, dass bei einer Kugel für einen Euro 35 Cent für das Personal, 12 Cent für die Herstellung, jeweils zehn Cent für Miete/Energie sowie allgemeine Kosten wie Reparaturen anfallen. Acht Cent kosten Waffel, Soße, Serviette und Zuckerstreusel. 25 Cent bleiben dem Hersteller als Gewinn vor der Steuer. "Davon bestreiten wir im Winter unsere laufenden Kosten weiter", sagt Susann Steinmacher vom Eiscafé am Altmarkt in Aue.

Welche Sorten essen die Sachsen am liebsten?

Schoko, Vanille, Erdbeere - da sind sich die Sachsen ziemlich einig. Diese drei Sorten führen die Hitlisten auch im Rest von Deutschland an und verweisen Haselnuss, Stracciatella und Joghurt auf die Plätze. Vanille war jahrelang am beliebtesten, wurde aber 2017 von Schoko überholt. "Die DDR-Geborenen essen am liebsten Vanille, Schoko und Erdbeere, während die jungen Leute experimentierfreudiger sind", sagt Katrin Muschert vom Eiscafé Cortina in Chemnitz.

Gibt es eine Eissorte des Jahres?

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, aber Jahr für Jahr pusht die Branche eine Eissorte besonders. 2018 ist das "German Black Forest": Schokoladeneis mit Sauerkirschen und Kirschwasser, quasi Schwarzwälder Kirschtorte in Eisform. Es gibt auch eine Variante ohne Schnaps, so Carnio. Viele Eismacher bieten 2018 die Bindestricheissorten an: "Gin-Gurke-Zitrone, Maccadamia-Mohn oder Streuselkucheneis setzten sich immer mehr gegen die italienischen Klassiker durch", sagt Guido Schmitz von der Deutschen Eis-Akademie.

Wie viel Eis schlecken die Deutschen im Jahr?

Ein Eis geht immer. Und es geht oft: 110 Kugeln verzehrt jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Je nach Größe summieren die sich auf 7,6 Liter - umgerechnet rund einen dreiviertel Wassereimer voll Eis pro Person. Errechnet hat das der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. Das kalte Geschäft lohnt sich: 1,14 Milliarden Euro hat die Branche im vergangenen Jahr mit Eis verdient.

Was macht ein gutes Eis aus?

Was ein Speiseeis enthalten darf, definieren die Leitsätze für Speiseeis und Speiseeishalberzeugnisse. Demnach muss Milcheis zu mindestens 70 Prozent aus Milch bestehen - der Rest sind Zucker, Frucht und Aromen. Sahneeis enthält mindestens 18 Prozent Milchfett, und in Eiscreme oder Cremeeis stecken neben mindestens 50 Prozent Milch auch Ei oder Eigelb. Wer ein Fruchteis bestellt, kann davon ausgehen, dass wenigstens ein Fünftel davon aus Frucht besteht. Sorbets haben sogar einen Fruchtanteil von 25 Prozent. Ein gutes Eis, so Carnio, verzichtet auf Farb- und Konservierungsstoffe. "Es darf nicht glänzen, denn es enthält keine Pflanzenfette, und muss frisch und mit frischer Milch und frischer Sahne hergestellt sein." Auf hochwertige Zutaten setzt auch Guido Schmitz: "Erdbeergeschmack sollte von echten Erdbeeren stammen und Vanillegeschmack von Vanilleschoten." Darin unterscheide sich handwerklich hergestelltes Eis grundlegend von Industrieeis. Viele große Hersteller verwenden lieber billige Zutaten wie Kokosfett statt Milchfett oder Glukosesirup statt Zucker. Das belegen aktuelle Analysen der Zeitschrift Ökotest.

Wie viele Eisdielen gibt es in Sachsen?

2016 waren 192 Eisdielen gemeldet, sagt Angela Becker vom Statistikamt. Allerdings stellen nicht alle das Eis auch selber her: Der deutschen Handwerkskammer zufolge haben sich nur 81 Betriebe zwischen Aue und Zittau auf die Eisproduktion spezialisiert. Mit 39 befinden sich die meisten davon im Kammerbezirk Chemnitz. Im Kammerbezirk Leipzig sind es noch 33 und in Dresden neun. Eismachen kann man lernen: Nach drei Jahren hat eine Fachkraft für Speiseeis die Ausbildung abgeschlossen.

Das kostet eine Kugel Eis in Sachsen (Auswahl)

Aue: 1 Euro im Eiscafé am Altmarkt

Chemnitz: meist 1 Euro. Im Cortina am Roten Turm 1,20 Euro.

Dippoldiswalde: 1 Euro im Solino.

Döbeln: 1,20 Euro im Venezia

Dresden: von 70 Cent (Café Lösch) bis 1,60 Euro; meist 1,20 Euro, z.B. im Schillergarten in Dresden-Blasewitz.

Ebersbach-Neugersdorf: 1 Euro im Spree-Eck, 1,30 Euro im La Luna.

Freital: von 70 Cent im Eiscafé Napoli bis 1 Euro im Café Positano.

Gelenau: 80 Cent, Bäckerei Otto.

Löbau: 1 Euro, z.B. Brasserie Haupt

Meißen: 1 Euro, z.B. Gelateria Italiana, Venezia bis 1,60 Euro.

Oelsnitz/ Vogtl.: 1 Euro im Venezia

Plauen: von 85 Cent bei Bäckerei Börner bis 1,20 Euro im La Vista.

Radebeul: von 90 Cent in Münchs Backstube bis 1 Euro bei Eis Keyl

Reichenbach/ Vogtl.: von 80 Cent bei Roßberg bis 1,10 Euro im Da Papu.

Zittau: von 70 Cent bei Bäckerei Schedel am Rathausplatz bis 1 Euro im Café Lust.

Zwickau: 1,10 Euro, Italiener am Hauptmarkt

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