Wie Krankenversicherungen sich ein Bild von uns machen

Sie wollen nur spielen. Sagen die Leute von der Versicherungsfirma. Sie meinen es ja nur gut. Die Welt ist eh kompliziert genug. So einfach soll es künftig sein, eine Krankenversicherung abzuschließen: erstens ein Selfie mit dem Handy schießen, zweitens ein paar kurze Fragen mit ja oder nein beantworten. Schon hat man die Police im Posteingang. "Uns geht es um einen spielerischen Zugang", sagt ein Sprecher von Gen Re aus Köln. "Die Kunden sollen nicht mehr durch eine langwierige Risikoprüfung abgeschreckt werden." Wir fürchten uns trotzdem ein wenig - vor der schönen neuen Welt.

Die App, die man braucht und welche die Kölner an andere Versicherer verkaufen wollen, schaut uns nämlich ganz, ganz tief in die Augen. Mit dem Bild, das man von uns hat, wird das Geschlecht erkannt, das Alter bestimmt, der Body Mass Index gemessen. Übergewicht? Eine ungesunde Gesichtsfarbe? Eine blasse Nasenspitze. Schweiß auf der Stirn? Und sieht der potenzielle Kunde für sein Geburtsjahr nicht ganz schön alt aus - um nicht zu sagen: verlebt? Die Gesichtserkennung weiß, wann wir flunkern. Weshalb auch Banken die Mimik analysieren, wird ein Kredit beantragt. Das geht. Aber darf man das?

Das fragt man sich in Deutschland. China macht es: Ping An, ein Versicherungsriese, hat den "Good Doctor" entwickelt. Ein Telemedizinprogramm, das Millionen Menschen ganz tief in die Augen blickt - Krankheiten erfasst, die einem ins Gesicht geschrieben stehen. Der gute Doktor - er ist ein wirklich Großer Bruder.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...