Ausschreitungen bei Indymedia-Demo in Leipzig - 13 Polizisten verletzt

Eine Kundgebung zur Unterstützung der verbotenen Plattform linksunten.indymedia musste aufgelöst werden, weil Pyrotechnik gezündet wurde und Steine flogen. Am Ende ging es dann doch weiter.

Leipzig. Eine Demonstration gegen das Verbot der Plattform «Linksunten.Indymedia» ist am Samstagabend in Leipzig eskaliert. Vermummte Demonstranten zündeten immer wieder Böller und Bengalos. Außerdem rissen sie Pflastersteine aus dem Boden und zertrümmerten das Glas eines Wartehäuschens der Straßenbahn sowie Autoscheiben. Als an einer Kreuzung in der Südvorstadt ein regelrechter Stein- und Flaschenhagel auf Polizeiautos flog, stoppte die Demo.

Bilanz nach dem Einsatz: 13 Beamte haben leichte Verletzungen erlitten, die meisten von ihnen durch Steine und Ähnliches. Sechs Personen sind vorläufig festgenommen worden wegen Landfriedensbruchs Sachbeschädigung und/oder Körperverletzung. Angaben über verletzte Teilnehmer der Demonstration lagen der Polizei zunächst nicht vor.

"In dem Moment, wo Straftaten begangen werden, kann man nicht mehr vom friedlichen Verlauf einer Veranstaltung sprechen", sagte Leipzigs Polizeisprecherin Silvaine Reiche.

Behelmte Polizisten mit Schutzschilden und Demonstranten hatten sich nach den Steinwürfen eine ganze Weile gegenüber gestanden. Laut Polizei und Versammlungsbehörde beteiligten sich ungefähr 1600 Menschen an der Demo. Angemeldet waren 500. Linke Gruppen und Netzaktivisten hatten bundesweit dafür mobilisiert. Nach einigem Hin und Her wurde nach dem Stopp der ersten Demonstration eine Fortsetzung bis nach Connewitz angemeldet. Dort löste sich die Versammlung schließlich auf.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz - nicht zuletzt wegen der Eskalation in der Silvesternacht im Stadtteil Connewitz. Dabei waren Polizisten angegriffen und verletzt worden, ein 38 Jahre alter Beamter musste tagelang im Krankenhaus behandelt werden. Die Ermittler gehen von Linksextremisten als Tätern aus, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes gegen die unbekannten Angreifer. Am Samstagabend wurde die sächsische Polizei unterstützt von Einsatzkräften aus Bayern, Brandenburg, Thüringen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und der Bundespolizei.

Am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wird an diesem Mittwoch über Klagen gegen das Verbot der Plattform «Linksunten.Indymedia» verhandelt. Das Bundesinnenministerium hatte 2017 ein Vereinsverbot erlassen, unter anderem weil auf dem Portal Gewaltaufrufe publiziert worden seien. Bei der Kundgebung am Samstag, die zunächst ruhig begonnen hatte, kritisierten Redner das Verbot als Anschlag auf "linke, emanzipatorische Projekte". (kok/jwen/dpa)

7Kommentare
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  • 6
    3
    Lesemuffel
    26.01.2020

    Es ist hier im Forum deutlich zu erkennen, wie die üblichen Verdächtigen sich krampfhaft bemühen, die in kurzer Folge passierten Gewaltausbrüche linker Aktivisten zu relativieren. Noch vor kurzem gab es gar keine linke Gewalt, alles nur Erfindungen der Bösen oder der Polizei. Ja, die Freunde und Förderer dieser Aktivisten können sie kaum zu bändigen. Ob nun einige Kräfte vom Kampf gegen Rechts zum Kampf gegen diese Kriminellen vom linken Spektrum abgezweigt werden?

  • 8
    2
    Steuerzahler
    26.01.2020

    @Distelblüte: sie werden es nicht glauben, aber ich habe das gelesen und genau deshalb die Frage nach Wort und Tat gestellt. Auch weil ich noch nicht so von Demenz befallen bin, dass ich nicht mehr weiß, welche Rolle diese Abgeordnete in der Vergangenheit spielte! Dass Sie sie stützen kann ich verstehen.

  • 2
    13
    Distelblüte
    26.01.2020

    @Steuerzahler: Lesen Sie den verlinkten Artikel. Danach sind Sie (hoffentlich) schlauer.

  • 10
    2
    Steuerzahler
    26.01.2020

    @Distelblüte: Da geht es wohl um den dialektischen Zusammenhang von Wort und Tat?

  • 13
    3
    peggi
    26.01.2020

    Ein weiterer Grund indymedia endlich abzuschalten.

  • 2
    17
    Distelblüte
    26.01.2020

    @Malleo: Falls Sie an der Haltung von Frau Nagel zur gestrigen Demo gegen das Indymedia-Verbot interessiert sind - bei der sie weder Anmelderin noch Teilnehmerin war - lesen Sie bei Twitter unter @luna_le dazu nach.
    Ansonsten empfehle ich den Artikel in der "Welt" von Deniz Yücel:
    https://amp.welt.de/politik/deutschland/article205349165/Indymedia-in-Leipzig-Erst-als-Steine-fliegen-hat-die-Polizei-genug.html?wtmc=socialmedia.twitter.shared.web&__twitter_impression=true

  • 21
    9
    Malleo
    25.01.2020

    Frau Nagel, wieder die falsche Polizeistrategie?



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