Für zehn Euro pro Monat: Schülerfreizeitticket kommt

Schüler sollen ab 19. August wochentags ab 14 Uhr sowie an Wochenenden und in den Ferien ganztags den Nahverkehr ihres Verkehrsverbundes nutzen können.

Chemnitz .

In Sachsen soll ab dem kommenden Schuljahr, das am 19. August beginnt, ein sogenanntes Schülerfreizeitticket eingeführt werden. Für monatlich zehn Euro können damit Schüler wochentags ab 14 Uhr sowie an Wochenenden und in den Schulferien ganztags den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im jeweiligen Verbundraum nutzen. Darauf hat sich Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) mit den Verbandsvorsitzenden der ÖPNV-Zweckverbände und Vertretern des Landkreis- sowie des Städte- und Gemeindetags verständigt.

Wie das Ministerium am Mittwoch mitteilte, streben der Freistaat und die ÖPNV-Zweckverbände zudem an, bis zum Schuljahresbeginn 2020/21 ein ganztägig und ganzjährig verbundweit gültiges Bildungsticket für alle Schüler an allgemeinbildenden Schulen einzuführen. Bereits zum 1. August dieses Jahres soll für alle Schülerinnen und Schüler an berufsbildenden Schulen das sogenannte Azubiticket eingeführt werden. Das ganztägig und verbundweit gültige Ticket wird im Abonnement 48 Euro pro Monat kosten. Für jeweils weitere fünf Euro lässt sich das Ticket auf weitere Verbundräume ausdehnen. Vereinbart wurde außerdem die Einführung eines Sachsen-Tarifs als Dachangebot für Fahrten über die jeweiligen Verkehrsverbundgrenzen hinaus. Ein Datum dafür wurde aber nicht genannt.

Dulig sagte, mit dem jetzt gemeinsam erzielten Ergebnis sei er sehr zufrieden. Mischa Woitscheck, Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetags, erklärte: "Nun kommt es darauf an, die Finanzierung durch das Land sicherzustellen und die Einzelheiten in den ÖPNV-Zweckverbänden umzusetzen."

Sachsens SPD und CDU hatten im Koalitionsvertrag 2014 die Einführung eines landesweiten und kostengünstigen Bildungstickets vereinbart, das Schüler und Azubis über den Schulweg hinaus nutzen können. Verkehrsminister Dulig lag darüber mit den Landräten, die den Vorsitz in den Verkehrsverbünden inne haben, bis vor kurzem noch im Clinch. Dulig hatte den Verbandsvorsitzenden vorgeworfen, Lösungen dafür zu blockieren. Im November hatte der SPD-Politiker deswegen die Gründung einer Landesverkehrsgesellschaft angekündigt. Diese soll für Nahverkehr auf der Schiene und ein neues Plus-Bus-System zuständig sein.

Marco Böhme, Verkehrsexperte der Linken im Landtag, zeigte sich allerdings nicht zufrieden mit dem Ergebnis: Es reiche nicht, dass die Schülerinnen und Schüler nur ein Freizeitticket ab 14 Uhr für zehn Euro im Monat bekämen. "Das heißt, dass die Eltern trotzdem noch bis zu 250 Euro im Jahr für die Beförderung ihrer Kinder in die Schule zahlen müssen. Das kann doch nicht sein!" Azubis könnten das Ticket nur im Jahres-Abo nutzen. Die meisten von ihnen müssten aber nicht ganzjährig in die Berufsschule oder den Ausbildungsbetrieb. Sie zahlten also indirekt drauf, wenn sie ein Ticket kaufen müssen, das sie möglicherweise gar nicht nutzen, so Böhme. Und Freiwilligendienstleistende seien gar nicht berücksichtigt worden, kritisierte der Linken-Abgeordnete. (jdf)

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