Streiks im Regionalverkehr: Einige Schüler im Erzgebirge dürfen zu Hause bleiben

Im Regionalverkehr in ganz Sachsen soll es am Mittwochmorgen zu erheblichen Behinderungen kommen. Die Angestellten des sächsischen Regionalverkehrs wollen mit dem Streik ihren Forderungen nach höheren Löhnen Nachdruck verleihen. So soll das Einstiegsgehalt von derzeit 12,30 Euro auf 15,66 Euro pro Stunde steigen. Sachsenweit könnten laut der Gewerkschaft Verdi bis zu 1376 Angestellte die Arbeit niederlegen.

Der Warnstreik im regionalen Linienverkehr macht sich unter anderem in Mittelsachsen bemerkbar. Denn unter den Verkehrsgesellschaften, deren Angestellte am Mittwoch bis 8 Uhr die Arbeit niederlegen wollen, ist auch das mittelsächsische Busunternehmen Regiobus. Wie viele seiner Mitarbeiter sich an dem Streik beteiligen, war für Geschäftsführer Michael Tanne am Dienstag zwar nicht absehbar. "Aber selbst wenn es wenige sind, rechnen wir mit erheblichen Auswirkungen im Linienverkehr." Betroffen sei auch die Schülerbeförderung am Morgen. "Bis das System wieder in den Tritt kommt, wird es nach Streikende wohl noch eine Stunde dauern", prognostizierte Tanne. Bis etwa 9 Uhr könne es daher zu Einschränkungen kommen.

Zugleich stehen ab 8 Uhr sachsenweit Abiturprüfungen unter anderem in Englisch, Russisch und Spanisch an. "Der Termin steht", sagte am Dienstag Dirk Becker, Leiter des Gymnasiums Mittweida. Dort sollen am Mittwoch 23 Abiturienten ihre Englisch-Prüfungen schreiben. Zwar hatte das Kultusministerium den Schulen freigestellt, die Prüfungen nach hinten zu verlegen. In Mittweida sei dies jedoch nicht geplant. "Die Prüfungen werden planmäßig durchgeführt", so Becker. "Schüler, die verspätet kommen, können aber länger schreiben." Dies gilt laut Ministerium für alle Abiturienten, die bis 9.30 Uhr eintreffen.

Ebenso verfährt das Luther-Gymnasium in Frankenberg. Dort schreiben laut Schulleiter Ingo Pezold 37 Abiturienten ihre Englisch-Prüfungen. Die betroffenen Schüler hätten sich am Dienstag selbst für den regulären Beginn ausgesprochen. "Sie wollen Fahrgemeinschaften bilden, mit dem eigenen Auto oder zu Fuß kommen", erklärte Pezold. Sollten einzelne Abiturienten es dennoch nicht pünktlich schaffen, sei für sie eine Zeitverlängerung vorgesehen.

"Wir gehen davon aus, dass in dieser Zeit im gesamten Gebiet kein Bus unterwegs sein wird", sagte Gerd Doepelheuer, Verdi-Landesfachbereichsleiter für Verkehr im Bezug auf Regiobus Mittelsachsen.

Der Warnstreik wird auch Auswirkungen auf den Stadtverkehr in Chemnitz haben - und das, obwohl der städtische Nahverkehrsbetrieb von den Streiks nicht direkt betroffen ist. Allerdings wird ein als Subunternehmen eingesetztes Tochterunternehmen der CVAG bestreikt, wie der städtische Nahverkehrsbetrieb mitteilt.

Schülern, die morgen ihre Abiturprüfung ablegen, soll durch den Streik im regionalen Linienverkehr kein Nachteil entstehen. Das hat das Kultusministerium am Dienstagmorgen bekanntgegeben. Durch den beeinträchtigen Schülerverkehr sei es möglich, "dass Prüfungsteilnehmer zu spät zur Abiturprüfung erscheinen. Diese Schüler haben die Gründe für das zu späte Erscheinen nicht zu verantworten", teilte das Ministerium mit.

Rätselraten herrschte hingegen am Dienstag im Erzgebirge: Wird der Warnstreik am Mittwoch den Busverkehr und damit auch den Schülerverkehr komplett lahm legen? Roland Richter, Geschäftsführer der Regionalverkehr Erzgebirge (RVE), weiß es nicht. In der geplanten Streikzeit am frühen Morgen bis 8 Uhr seien normalerweise an die 200 Busse des RVE im Einsatz. Auf all jenen Strecken, die von privaten Dienstleistern mit etwa 50 Bussen bedient werden, dürfte es aber kaum Einschränkungen geben. "Aber manchmal heizt sich die Stimmung auch da auf", weiß Richter. Er geht davon aus, dass ab 8 Uhr wieder Normalität einzieht. Er hofft, dass die Schulen und Eltern ein Stück weit improvisieren können. Von Jürgen Becker von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) gab es auch am Dienstag keine Aussage, wie viele Busfahrer des RVE sich am Warnstreik beteiligen werden. Er bedauert zwar auch die Auswirkungen etwa für Schüler, sieht aber die Arbeitgeber in der Verantwortung. Er geht davon aus, dass bei der Streikversammlung am Mittwoch früh im Annaberger Betriebshof mindestens um die drei, vier Dutzend dabei sein werden.

Auf offiziellem Weg haben die Schulen im Erzgebirge am Dienstag keine Informationen erhalten, ob ihre Schulbuslinien von dem Fahrerstreik betroffen sein werden. Man habe den Eltern und Schülern gesagt, dass es zu Busausfällen kommen kann, sagt Lutz Rößel, Leiter der Grundschule in Stützengrün, die auch von vielen Schülern aus dem benachbartem Schönheide besucht wird. Da der Schulbus von Schönheide nach Stützengrün durch ein privates Unternehmen gestellt wird, gehe man davon aus, dass es zu keinen Problemen kommen wird. "Wie es aus Richtung Hundshübel aussieht, wissen wir nicht", so Rößel. "Die Eltern sind für den Schulweg verantwortlich. Wer seine Kinder nicht selbst fahren kann, kann vielleicht eine Fahrgemeinschaft mit anderen Eltern organisieren. In der Vergangenheit hat so etwas oft gut geklappt." Die Grundschule Aue-Zelle hat sich am Dienstagmorgen direkt beim RVE erkundigt und erfahren, dass der Schülerverkehr am Mittwoch bis gegen 8 Uhr ausfallen wird. "Das betrifft unsere Schüler aus Alberoda", sagt Schulleiter Jörg Prager. "Entweder sie werden morgen von ihren Eltern gebracht oder sie dürfen zu Hause bleiben. Die Schülerverkehr zu Mittag fährt dann aber wieder."

In den Gymnasien stehen morgen die schriftlichen Abiturprüfungen in den modernen Sprachen an. In Marienberg unterziehen sich die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Englisch diesem fünfstündigen Test. "Wer es aufgrund des Streiks nicht pünktlich bis 8 Uhr schafft, darf trotzdem teilnehmen. Die Schüler sollen wegen des Streiks keine Nachteile haben", sagt der amtierende Schulleiter Enrico Huth.

Auch Nutzer von Bussen im Regionalverkehr Zwickau müssen sich am Mittwochmorgen auf Behinderungen einstellen. (fp/alu/mu/mb)

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