Heftiges Werben um eine eisige Braut Grönland

Nirgendwo ist die Erderwärmung so stark zu spüren wie in der Arktis. Das bietet Chancen, aber vor allem Probleme. Und es weckt Begehrlichkeiten - wie den Kauf Grönlands.

Chemnitz.

Donald Trump wirkte trotzig: Weil die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen nicht über einen Verkauf Grönlands reden wolle, sagte der US-Präsident seinen geplanten Staatsbesuch in Dänemark ab. Grönland wird zum Objekt der Begierde.

Die globale Klimaerwärmung hat das Gesicht der Arktis und damit auch Grönlands verändert: Das zurückweichende Eis macht langfristig Regionen zugänglich, in denen riesige Rohstoffvorkommen, in Grönland vor allem Mineralien, vermutet werden.

Die geostrategischen Überlegungen hatte Anfang Mai dieses Jahres US-Außenminister Mike Pompeo auf der Tagung des Arktischen Rates im finnischen Rovaniemi klar formuliert. Dem Gremium gehören die acht Anrainerstaaten der Arktis an - Dänemark, Finnland, Island, Kanada, Norwegen, Russland, Schweden und die USA. Nie ging es dabei um Politik und Militär, denn dafür hat der Rat kein Mandat.

Pompeo scherte das wenig. Er griff vor allem Russland und China an: "Die USA planen, ihre Präsenz in der Arktis zu verstärken, um das aggressive Verhalten Russlands und Chinas in der rohstoffreichen Region in Schach zu halten." Die Region sei zu einer Arena der globalen Macht und des Wettbewerbs geworden. "Wollen wir etwa, dass sich der Arktische Ozean in ein neues Südchinesisches Meer verwandelt, das mit Militarisierung und konkurrierenden territorialen Ansprüchen behaftet ist?", fragte er. China ist rund 7500 Kilometer von der Arktis weg, hat aber massiv in die Region investiert - laut Pompeo zwischen 2012 und 2017 fast 90 Milliarden US-Dollar. Da das Arktische Meer schon in 20 Jahren im Sommer eisfrei sein könnte, werden neue Schifffahrtslinien immer wichtiger. China und Russland möchten die Nordseeroute zu einem Teil des Neue-Seidenstraßen-Projektes machen. Das sehen die USA als Affront an.

Wirtschaftliche Profitmöglichkeiten rufen konkurrierende Gebietsansprüche hervor. Das Säbelrasseln hat längst begonnen. So setzte bereits 2007 ein russischer Duma-Abgeordneter von Bord eines U-Bootes aus eine russische Titan-Flagge auf dem Meeresboden unter dem Eis des Nordpols ab. Auch bei Militärmanövern wird die Arktis in den Blick genommen wie bei der russischen Großübung "Sapad" 2017. Ein Jahr später fand die größte Nato-Übung seit Ende des Kalten Krieges im Anrainerstaat Norwegen statt.

Das strategische Interesse an der Insel ist älter als Trump. Militärisch präsent sind die USA auf Grönland schon seit fast 80 Jahren. "Eigentlich wollten die USA Grönland schon seit 250 Jahren haben", sagte Mikkel Vedby Rasmussen, Militärexperte an der Uni Kopenhagen. Im Kern gehe es Washington darum, seinen sicherheitspolitischen Einfluss über dieses Territorium aufrechtzuerhalten, wenn Grönland eines Tages eine selbstständige Nation geworden sei.

Grönland wird auch zunehmend für den Tourismus interessant, betonte Volker Rachold vom Deutschen Arktisbüro des Alfred-Wegener-Instituts. "Ich war zuletzt im Mai in der Küstenregion Grönlands. Dort bin ich bei plus 20 Grad im T-Shirt herumgelaufen. Die Gletscher schwinden dramatisch. Anfang August sind an einem einzigen Tag 12 Milliarden Tonnen Eis geschmolzen." Andersherum: Das Klima dort wird freundlicher und bietet Chancen für die touristische Erschließung der Insel. Mit 2,2 Millionen Quadratmetern Fläche ist sie sechsmal so groß wie Deutschland. Bewohnt wird sie von weniger als 60.000 Menschen. Abenteuer-Urlaub im nicht mehr so ewigen Eis könnte tausende Touristen locken.

Grönland gehört zwar zur dänischen Krone, genießt aber seit 1979 weitgehende Autonomie, die 2009 nochmals erweitert wurde. Ob ein Kauf der Insel von Dänemark überhaupt möglich ist, wird von Völkerrechtlern nicht eindeutig beantwortet. Immerhin aber haben Grönländer ein Recht auf Selbstbestimmung. An ihnen vorbei kann Kopenhagen nichts entscheiden - und will es auch gar nicht. mit dpa

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