Jeder Zehnte will bei Europawahl sicher rechts wählen

Nicht mehr die Überzeugung für etwas, sondern die Ablehnung von Parteien bestimmt, wo die EU-Bürger Ende Mai ihr Kreuz machen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Die Autoren beklagen eine wahlmüde politische Mitte.

Berlin (dpa) - Gegen etwas sein: Eine ablehnende Haltung gegenüber Brüssel, dem Euro oder der Europäischen Union zu haben ist für extreme und populistische Parteien nichts Neues.

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aber könnte die Antihaltung einer Mehrheit der wahlberechtigten Europäer entscheidend den Ausgang des Urnengangs für ein neues EU-Parlament mitbestimmen.

«Viele Bürger entscheiden sich nicht mehr für eine Partei, sondern wählen gegen solche Parteien, die sie am stärksten ablehnen», sagte Mitautor Robert Vehrkamp über das Ergebnis der Studie, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Titel: Europa hat die Wahl - Populistische Einstellungen und Wahlabsichten bei der Europawahl 2019. Dafür wurde im Januar 2019 repräsentativ fast 24.000 Wähler aus 12 EU-Ländern befragt.

Beim Ergebnis stechen zwei Erkenntnisse ins Auge. Jeder zehnte wahlberechtigte Europäer will nach eigenen Angaben eine rechtspopulistische oder rechtsextreme Partei wählen. Hinzukommen noch immerhin 6,2 Prozent, die bei linksextremen oder linkspopulistischen Parteien ihr Kreuz machen wollen.

Während sich hier nach Auffassung des Demokratieforschers Vehrkamp ein Trend verfestigt hat, kämpfen die etablierten Parteien gegen zwei Probleme an. Ihre potenziellen Wähler zeigen sich laut der Studie noch wahlmüde.

Und: Eine Mehrheit des Wahlvolkes identifiziert sich mit den Parteien nicht über Zustimmung, sondern über Ablehnung. Und hier liegen die Antworten der fast 24.000 Wahlberechtigten bei der negativen Parteiidentität im gesamten Spektrum nur wenige Prozentpunkte auseinander.

52,8 Prozent würden niemals rechtspopulistische oder rechtsextreme Parteien wählen. Für linkspopulistische oder linksextreme Parteien sagen das 52,2 Prozent. 50,7 Prozent sagen das bei liberalen Parteien. Mit dem Wert von 47,8 Prozent liegt das Lager der christdemokratischen und konservativen Parteien nur knapp dahinter, gefolgt von den Grünen mit 47 Prozent. Sozialdemokratische und sozialistische Parteien schneiden mit 42 Prozent besser ab.

«Je stärker die extremen und populistischen Parteien an den Rändern werden, umso größer müssen die Koalitionen aller etablierten Parteien werden, um im neuen Europaparlament überhaupt entscheidungsfähige Mehrheiten bilden zu können. Das wiederum könnte die Ränder weiter stärken», sagt Vehrkamp. Ein Teufelskreis, der nur vermieden werden könne, «wenn die etablierten Parteien der politischen Mitte stark genug werden, um auch untereinander in verschiedenen Konstellationen Mehrheiten bilden zu können.»

Der Demokratieforscher warnt vor einem Trugschluss: «Im Wettbewerb mit den Populisten ist Nachlaufen und Nachahmung die schlechteste Strategie. Die etablierten Parteien könnten stattdessen noch stärker auf eine Gegenmobilisierung der politischen Mitte gegen die populistischen Extreme setzen. Die hohen Ablehnungswerte gegenüber den Links- und Rechtspopulisten sind dafür eine solide Grundlage.»

Laut den Autoren konnten die Wissenschaftler erstmals einen Zusammenhang nachweisen zwischen populistischen Forderungen und dem Gefühl, sich schlecht von Parteien repräsentiert zu fühlen. Durch ein Experiment wiesen die Forscher nach, dass einige Befragte plötzlich populistische Thesen vertraten, nachdem sie sich durch vorgegaukelte Parteipositionen nicht mehr in ihren Ansichten vertreten fühlten.

«Wer sich schlecht repräsentiert fühlt, denkt und wählt populistischer. Gute Repräsentation ist deshalb das beste Rezept zur Eindämmung von Populismus. Die etablierten Parteien müssen die Sorgen und Anliegen der Wähler möglichst frühzeitig aufnehmen», sagt Vehrkamp. Das sei in der Vergangenheit nicht immer gelungen, wie aktuell das für viele Wähler brennende aber von den etablierten Parteien lange unterschätzte Thema Wohnungsbau und bezahlbares Wohnen zeige.

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42Kommentare
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  • 1
    0
    Nixnuzz
    02.05.2019

    Au Mann. Wenn diese Diskussion so weitergeht entsteht wohl eine neue Form des "Schwarzen Kanals" .. Was so alles durch den Bio-Filter geht...

  • 1
    3
    Malleo
    29.04.2019

    distel..
    Richtig, denn wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß nicht wo er hingeht!
    Und, den Gutmenschen irritieren nicht die Tatsachen, dass sie einer nennt.

  • 2
    1
    Distelblüte
    29.04.2019

    @Malleo: Ja? Was wollen Sie mir damit sagen? Dass Sie sich aufs 20. Jahrhundert fixieren, habe ich schon mitbekommen.

  • 0
    5
    Malleo
    28.04.2019

    distel..
    Als Schmidt noch Kanzler war, stand auch noch die Mauer...

  • 4
    3
    franzudo2013
    28.04.2019

    Ich glaube, die FP- Redakteure haben gerade viel Freude mit diesem Blick auf die Medien. Warum auch nicht, es ist ja Sonntag.
    Liebe Distelblüte, ich habe jahrelang Spiegel online gelesen, irgendwann ging es einfach nicht mehr.
    Das Prinzip Journalismus beruht auf Unabhängigkeit und auf Fleiss. Wenn man an alle Themen mit einer Schablone und vorgefasster Meinung herangeht, ist man zwar mittags mit der Arbeit fertig, aber es entsteht kein Bild der Wirklichkeit.
    Es wird sehr schwarz-weiß und holzschnittartig. Manchmal ist das angebracht, aber das kann nicht alles sein. Der Spiegel ist nur noch Holzschnitt und Nabelschau der Gutmenschen. Das hat mit einem politischen Magazin nichts mehr zu tun. Das kann weg.

  • 3
    3
    SimpleMan
    28.04.2019

    Meine Auswahl ist: regional die FP, überegional FAZ, ZEIT, Süddeutsche Zeitung,TAZ, Welt

  • 5
    2
    Distelblüte
    28.04.2019

    @Malleo: Als Altkanzler Schmidt die NZZ las, gehörte sie auch noch keinem Rechtskonservativen Milliardär, der jahrelang versuchte, in Südafrika die Apartheid schönzureden. Die Macht ist dort, wo das Geld ist.
    Zwischen der BILD und dem Spiegel liegen Welten, was journalistischen Anspruch angeht. Nicht dass ich das T*ttenblatt jemals gekauft hätte.

  • 3
    4
    Malleo
    28.04.2019

    distel...
    Spiegel, das ist die BILD für jene, die ganze Sätze lesen können!

  • 3
    6
    Malleo
    28.04.2019

    black...
    Offensichtlich stört Sie der Blick von außen?
    Köppel und die NZZ.
    Bevorzugte auch Altkanzler Schmidt,
    warum wohl?

  • 2
    3
    Malleo
    28.04.2019

    FUW NZZ Welt

  • 3
    3
    Distelblüte
    28.04.2019

    @Franz Udo: Ich will Ihnen Ihre Lektüreauswahl ja nicht vermiesen, aber Sie sollten im Blick behalten, dass die NZZ einen veritablen Rechtsruck hingelgt hat, seit sie vom Schweizer Milliardär C. Blocher aufgekauft wurde. Er ist ebenfalls ein nationalkonservativer Politiker und bestimmt ( auch mit Hilfe seiner Finanzkraft), in welche Richtung die Berichterstattung zu gehen hat. Ein Wikipedia-Artikel über ihn ist recht aufschlussreich dazu. Ich nenne das keine unabhängige Zeitung.
    Zu Tichys Einblick hat Blackadder bereits das wichtigste gesagt.
    Ich bin ja schon froh, dass Sie hier keine Werbung für RT Deutsch oder diverse Youtube-Kanäle machen. Trotzdem finde ich, hin und wieder sollten Sie zu diversen Themen auch mal im Spiegel online, der FAZ oder vielleicht sogar der Taz stöbern.
    Das ist deutlich außerhalb der echten Infoblase, aber vielleicht keine schlechte Idee.

  • 2
    3
    franzudo2013
    28.04.2019

    Lieber Blackadder, die FP wird sich schon einordnen können und das Kompliment verstanden haben.
    Tichys Einblick ist eine Zeitung, können Sie abonnieren. Wirklich guter Jorunalismus.
    Gegen Meinung haben Sie hoffentlich nichts. Die kommt nämlich besonders in Kommentarbereichen vor und steht in einem gewissen Zusammenhang mit Freiheit.

  • 4
    5
    Blackadder
    28.04.2019

    Liebe Freie Presse: Die Reihe, in welcher ihr hier genannt werdet, sollte Euch zu denken geben.

    PS. Schweizer Zeitungen zählen für mich nur eingeschränkt, weil man von außen einen ganz anderen Blick hat und Tichy ist kein Journalismus, sondern Meinung. Mehr nicht. Und auch keine Zeitung.

  • 1
    4
    franzudo2013
    28.04.2019

    NZZ Neue Zuercher Zeitung, BAZ Basler Zeitung TE Tichys Einblick WELT und natürlich FP Freie Presse

  • 3
    2
    SimpleMan
    28.04.2019

    Welche Zeitungen empfehlen denn Sie (franzudo2013, Malleo)?

  • 5
    2
    Zeitungss
    28.04.2019

    @BS: Wenn Sie hier alles auf den Weg bringen, aber URSACHENFORSCHUNG mit großer Sicherheit nicht, es wäre nicht gewollt.

  • 4
    4
    Malleo
    28.04.2019

    Distel...
    In "Die Zeit" möchten ja nicht einmal mehr Fische eingewickelt werden.....

  • 5
    5
    BlackSheep
    27.04.2019

    @Distelblüte, und ich halte es eben für ziemlich sinnlos, sich über die Auswirkungen aufzuregen ohne sich mit den Ursachen zu beschäftigen. Aber das habe ich ja schon mal gesagt, ich denke sie haben Angst vor den Ursachen für den Erfolg der AfD.

  • 5
    6
    franzudo2013
    27.04.2019

    O Gott, wenn die ZEIT zitiert wird, ist alles zu spät, geehrte Distelblüte.
    Das ist doch keine Zeitung, das ist Gehirnwäsche reinsten Wassers. Das war früher mal eine anregende Lektüre, genau wie die Sueddeutsche. Heute tropft das Brain-Wash-Mittel aus jeder Zeile.
    Weiß Gott, was den Verfassern passiert ist ? Sie fühlen sich zur Haltung berufen, statt zu ihrem Beruf zu halten. Jede Intention geht in die falsche Richtung, so wie Slapstick, berechenbar bis zum Erdkern. Abstoßend bis in alle Ewigkeit.

  • 5
    3
    Malleo
    27.04.2019

    Ich habe bislang angenommen, dass nur an der Börse spekuliert wird.
    Die "Kaffeesatzleserei" ist regelrecht belustigend.
    Am Ende des Tages stehen Grundrechtsträger in der Kabine und wählen.
    Ab 18:00 wird ausgezählt und bei den Akteuren der Parteien beginnt das große Vergessen und jene, die sich zur Ehe bekennt haben, nutzen derweil eine Flatrate im Swingerclub.

  • 4
    2
    Freigeist14
    27.04.2019

    Distelblüte@ wollen Sie mich auf den Arm nehmen ? Die AFD ist vom Fleisch der CDU . Und ich habe mich noch nie wohlwollend zur CDU geäußert .

  • 4
    7
    Distelblüte
    27.04.2019

    @BlackSheep: In der Zeitung "Die Zeit" gab es vor kurzem einen sehr bemerkenswerten Artikel dazu:
    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-02/afd-waehler-rechtsextremismus-nsdap-gemeinden-milieu
    Es muss jeder selbst wissen, warum er oder sie die eigene Wahlentscheidung trifft. Ich halte es aber für extrem problematisch, aus den von Ihnen empfundenen Ungerechtigkeiten eine Wahlerntscheidung für eine Rechtsaußenpartei zu treffen.

    @Freigeist14: Wieso denken Sie, dass die CDU eine Alternative zur AfD sei? In Sachsen?

  • 4
    4
    BlackSheep
    27.04.2019

    @Distelblüte, Sie haben meine Frage falsch verstanden, was ist ihre Meinung warum die AfD so einen Erfolg hat? Das Sie die AfD nicht wählen habe ich begriffen und das ist schon ok, aber man muss doch mal darüber nachdenken warum ausgerechnet die Erfolg haben. Oder haben Sie Angst vor der Antwort?

  • 10
    2
    Freigeist14
    27.04.2019

    Distelblüte@ die nichtssagenden Plakate der CDU müssen Sie aber auch erwähnen . "Familien stärken " ; "Ehrenamt fördern " ; "Wohlstand ist nicht selbstverständlich " . Fehlt eigentlich nur noch "Mehr Obst zum Frühstück " .

  • 4
    5
    Distelblüte
    27.04.2019

    @BlackSheep: Sehe ich bei Ihnen die Altersverbösung, von der Tom Pauls im Interview heute in der Kulturbeilage berichtet hat?

  • 6
    4
    Distelblüte
    27.04.2019

    @Interessierte: Besser, Sie tun es nicht.

  • 5
    3
    Interessierte
    27.04.2019

    Kann man auch un-sicher Rechts wählen ?

  • 6
    7
    Distelblüte
    27.04.2019

    An alle Fand der AfD: Vielleicht kann mir einer von Ihnen deren Wahlplakate erklären?
    Zum Beispiel: "Heimat wählen". Was ist germeint? Wieso soll ich eine Heimat wählen? Müsste ich dafür nicht erst einmal auswandern und mir eine neue Heimat wählen? Oder meint die AfD genau das: Deutsche raus aus Deutschland?

    Oder auch: "Europa braucht Zukunft" (darunter ein paar rosa Babyschuhe in einem Händepaar). Soll ich mich vermehren? Mit echten, kernigen Deutschen? Wenn das so ist, dann bin ich mit 50plus leider nicht die AfD-Zielgruppe.

    Im Internet finden sich eine Menge solcher "Perlen", unter anderem der peinliche Slogan "Gott will es". Also dass die AfD gewinnt. in diesem Fall möchte ich mit einem Bibelvers aus dem Buch der Sprüche Salomos antworten (Spr. 16,18): ...Hochmut kommt vor dem Fall.

  • 5
    5
    BlackSheep
    27.04.2019

    @Distelblüte, haben Sie sich mal mit den Gründen für den Erfolg der AfD befasst?

  • 4
    7
    Distelblüte
    27.04.2019

    @Hankman: Danke für Ihre Beiträge, sie sind ausgewogen und beweisen Geduld gegenüber anderen Diskutanten - das gelingt mir nicht immer.
    Ich habe mich schon vor der Bundestagswahl mit dem AfD-Programm befasst, auch um fair urteilen zu können. Fazit: Auch wenn die Hölle zufriert, werde ich diese Partei nicht wählen können.
    Aber die AfD weiß auch, dass sie mit ihren Inhalten nicht punkten kann. Warum sonst sind ihre Wahlplakate zwar extrem (zahlreich), aber bis auf emotional gemachte Schlagzeilen inhaltsleer? Weil sie die Leute nicht mit Fakten überzeugt, sondern ihre Gefühle aktivieren will.
    Die Konsequenzen werden wir bald erleben.

  • 5
    4
    BlackSheep
    27.04.2019

    @Hankman, wenn Menschen die viele Jahre in die sozialen Systeme eingezahlt haben zu hören kriegen Sie sollen sich mit Altersarmut abfinden und Zugewanderte mit Krankenkassenkarte alles bezahlt kriegen, obwohl Sie nie einen Beitrag zahlen konnten, wirklich dämliche Legende? Von Berufswegen weis ich das das keine Legende ist.
    Wenn Sie den von mir schon oft verlinkten Bericht im Hinterkopf haben, über die zunehmende Gewalt von Zugewanderten gegen Einheimische, das ist die tägliche Erfahrung vieler Menschen auf die Sie nicht reagieren und damit die Rechten stärken. Gefährlich ist das völlige Ignorieren solcher Entwicklungen und da brauchen Sie nicht auf die AfD wähler schimpfen sondern wieder auf die Regierenden und die "Gutmenschen" die alles was ausserhalb ihres Weltbildes liegt völlig ignorieren.

  • 5
    4
    Hankman
    27.04.2019

    @Blacksheep: Ja, Sie haben wohl Recht, dass sich viele als Bürger zweiter Klasse fühlen. Das hat aber ursprünglich nicht mit den Zugewanderten zu tun (dass die so viel besser behandelt würden als die Alteingesessenen, ist eine dämliche rechtspopulistische Legende). Aus meiner Sicht hat das sehr viel mit Schröders "Agenda 2010" zu tun, die weite Teile der Gesellschaft unter Druck gesetzt und verunsichert und einen beträchtlichen Teil entwürdigt hat. Nur mal als Beispiel: Es ist doch irre, dass man 30 Jahre arbeitet, Steuern und Sozialabgaben zahlt - und im Falle von Arbeitslosigkeit nach einem Jahr genauso behandelt wird wie jemand, der noch nie gearbeitet hat. Aber statt für die Rückkehr zu einer sozialeren Politik zu kämpfen und gegen eklatante Fehlentwicklungen im System, ist es natürlich einfacher, den "Zugewanderten" die Schuld für alles zuzuschieben. Das war in der Geschichte immer so schön einfach. Es ist aber dumm und brandgefährlich.

    Was die AfD betrifft: Meine Kritik an dieser Partei stützt sich vor allem darauf, dass ich mich mit ihrer Programmatik befasst habe. Sie aber anscheinend nicht. Das Programm enthält unter anderem übelste neoliberale Vorhaben (etwa zur Sozialversicherung), deren Umsetzung vielen schaden würde. Aber alles guckt nur darauf, was die AfD zum Thema Zuwanderung und Ausländer sagt, weil sich Slogans leichter verdauen lassen als ein sperriges, seitenlanges Wahlprogramm. Das ist verhängnisvoll.

  • 7
    4
    BlackSheep
    27.04.2019

    @Hankman, um mal auf das Weinert Gedicht einzugehen, die Regierenden werden nicht klüger. Die ach so tollen Demokraten machen eine schlechte Politik, 1933 und jetzt, und wundern sich das andere Kräfte hochkommen. Anstatt mit einer Politik zu reagieren die im Lande mehrheitsfähig ist, macht man selbstgefällig weiter, man ist ja gewählt. Ein schönes Beispiel ist hier nach wie vor die Schweiz. Mit grösstmöglicher Demokratie, sprich Volksabstimmungen ist das Land trotz sehr hohem Ausländeranteil eines der ruhigsten Länder bei dem Thema. Aber man hat ja an Steinmeiers Äußerungen gemerkt das eine MItsprache des Wählers nur zu Wahl erwünscht ist. Und deshalb, auch wenn ich mich wiederhole, die Wähler zu denunzieren ist falsch, die Verantwortung für diese Entwicklungen trägt die Regierung.
    Ihre Äußerung zeigt das Sie sich mit der AfD nicht beschäftigt haben, die werden nicht gewählt weil Sie anti sind, sondern weil viele das wollen was die AfD vertritt.
    Auch wenn Sie das nicht wahrhaben wollen, in diesem Land fühlen sich sehr viele Menschen inzwischen als Bürger zweiter Klasse gegenüber den Zugewanderten und das nutzt die AfD nicht aus, sondern Sie hört zu.

  • 5
    4
    Hankman
    27.04.2019

    @Distelblüte: Wow ... Das Weinert-Gedicht stammt von 1942. Werden die Menschen wirklich im Laufe der Geschichte klüger? Ich habe das immer gehofft, aber ...

    @Blacksheep: Sie mögen den Sinn von Wahlen grob verstanden haben, aber Ihre Erklärung passt hier m. E. nicht so ganz. Ja, wenn ich jemanden gewählt habe und mit dem, was er danach an Politik abliefert, nicht zufrieden bin, wähle ich danach wahrscheinlich jemand anderes. Aber zum Sinn von Wahlen gehört eben auch das konstruktive Element: Ich wähle möglichst jemanden, von dem ich mir eine bessere Politik verspreche. Aber nur aus Protest zu wählen, um anderen Parteien "eine reinzuwürgen", oder weil man gegen etwas ist, halte ich für unsinnig. Es kann böse nach hinten losgehen, wenn man Rechtspopulisten wählt, nur weil sie so schön "anti" sind. Auch die haben ihre Programmatik. Die sollte man sich sehr genau anschauen - und dann noch mal das Hirn einschalten: Will ich wirklich das, was die wollen? Oder will ich nur, dass die anderen verlieren?

    Gleichwohl: Ich fände es sinnvoll, wenn es bei Wahlen generell die Möglichkeit einer ausdrücklichen Stimmenthaltung gäbe - wie das "weiße Votum" in Frankreich. Das wäre eine Möglichkeit, abzustimmen, ohne für jemanden zu votieren - also zählbar sein Missfallen auszudrücken, ohne dass man fragwürdige politische Kräfte stärkt. Leute, die gar nicht wählen gehen oder ihre Stimme ungültig machen, kann man arrogant als "zu blöd zum Wählen" abtun, das "weiße Votum" dagegen nicht.

  • 5
    2
    BlackSheep
    27.04.2019

    @Distelblüte, sie zeigen nur das sie die Realität nicht akzeptieren können. Es hat nichts mit Trotz zu tun wenn ich nicht die wähle mit denen ich nicht zufrieden bin.
    Wenn man etwas gegen den AfD Erfolg tun will, muss man den Druck auf die Regierenden erhöhen, denn die sind für den Erfolg der AfD verantwortlich.
    Um mal den FDP Lindner zu zitieren, das denuzieren der Wähler einer Partei die man nicht will, reicht nicht.

  • 6
    4
    Distelblüte
    27.04.2019

    Dass die meisten Menschen mit den derzeitigen Entscheidern in der Politik unzufrieden sind, verstehe ich gut - es geht mir ähnlich. Trotzdem fällt mir bei den angekündigten Trotz-Wahlentscheidungen immer wieder Erich Weinerts Gedicht ein:
    ausgerechnet den?
    Manch gekrönter Abenteurer
    Hat in Deutschland schon regiert,
    Manche polternden Erneurer
    Haben uns schon angeführt.
    Viel war nie davon zu halten;
    Doch man konnt es noch verstehn:
    Diese, auch als Staatsgewalten,
    Waren immerhin Gestalten –
    Aber ausgerechnet den?

    Wär nun in der Zeit der Krise
    Irgendeiner aufgetaucht,
    ein Prophet, ein Kerl, ein Riese,
    Wie die rauhe Zeit ihn braucht,
    Gleich als Tempelstürmer kenntlich,
    Ein Rebell, ein Phänomen,
    Wo die Menge ruft: na endlich,
    Alles wäre noch verständlich –
    Aber ausgerechnet den?

    Diesen ...umschwänzler,
    Diesen tristen Hampelmann,
    Diesen faden Temperenzler,
    Der’s nicht mal mit ... kann,
    Diesen Selterwassergötzen,
    Dies Frisörmodell auf schön,
    Davon lasst ihr euch beschwätzen?
    Und man fragt sich mit Entsetzen:
    Aber ausgerechnet den?

    Später einmal unsre Kinder
    Sehn ihn im Panoptikum.
    Um den ausgestopften Schinder
    Stehn sie dann verwundert rum.
    Und sie werden von euch sagen:
    Alles könnte man verstehn,
    Was das Volk in frühern Tagen
    An Gestalten schon ertragen...
    Aber ausgerechnet den?

    Erich Weinert

  • 4
    2
    Nixnuzz
    27.04.2019

    @franzudo2013: Meine Zustimmung haben Sie. Ich sehe allerdings auch das Problem des Personals, das die Aufgaben in unserem Sinne lösen sollen. Wer kommt "hoch genug", das wir ihn sehen und wahrnehmen können? Wie dick sind die Wolldecken, in die man solche Leute ruhigstellenderweise einpackt? Und: welche langfristig geltende Vorschrifte jeglicher Art hindern etwaige Änderungen?

  • 8
    5
    franzudo2013
    26.04.2019

    Wieder Framing. Demzufolge machen 90% links ihr Kreuz? So dumm sind die Menschen nicht.
    Nach der Gaussschen Normalverteilungskurve, welche bei vielen Wahlergebnissen empirisch bestätigt wird, ist links und rechts relativ gleichmäßig verteilt. Siegen wird, wer in der Mitte Stimmen gewinnt.
    Leider funktioniert der Mechanismus des Abwaehlens der Inkompetenz nicht mehr. Die asymmetrische Demobilisierung funktioniert leider. Merkel ist darin meisterhaft.
    Hoffen wir mal, daß ihre Prognose übertroffen wird.

  • 11
    2
    Einspruch
    26.04.2019

    Wie reif ist es , alle Feststellungen undifferenziert als Populismus abzutun und dann zu erwarten, das die Schafherde der Wähler weiter hinterher trottet, obwohl man, ( die klassischen Parteien), sich nur selbst bedient und man auch keine Lösungen anbietet.
    Nur spinnerte Ideen wie EEG und Fahrverbot und neue Steuern, etc. Als ob Steuern Probleme lösen.

  • 14
    6
    BlackSheep
    26.04.2019

    @Distelblüte, Sie haben den Sinn einer Wahl offensichtlich nicht verstanden. Ich erkläre es noch mal, man wählt jemand und der liefert eine wie auch immer geartete Politik ab. Ich bin nicht zufrieden und wähle das nächste mal jemand anders, so funktioniert das. Das was Sie als unreif bezeichnen ist ganz einfach Demokratie, aber es scheint Sie sind da nicht so für.

  • 6
    14
    Distelblüte
    26.04.2019

    Wahlentscheidung für Rechtspopulisten als Trotzreaktion auf Unzufriedenheit mit den klassischen Parteien ist irgendwie... Naja, unreif. Ist das ein Äquivalenz zum Fünfjährigen, der sich auf den Boden schmeißt und brüllt?

  • 14
    5
    BlackSheep
    26.04.2019

    Wer trägt denn die Verantwortung für diese wahlmüde MItte, das ist doch die Frage die man sich stellen muss. Aber in Deutschland trägt ja in der Politik keiner mehr Verantwortung, man erwartet nur das der Wähler einem blind folgt, aber dumm gelaufen, das klappt nicht mehr so wie früher.



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