Kreml: Nord Stream 2 wird trotz US-Drohungen zu Ende gebaut

Der Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 ist den USA ein Dorn im Auge. Nun hat der scheidende US-Botschafter in Deutschland erneut mit Sanktionen gedroht. In Moskau zeigt man sich unbeeindruckt.

Moskau (dpa) - Russland hält trotz neuer Drohungen mit Sanktionen aus den USA am Bau der umstrittenen Ostsee-Pipeline fest. Die Pläne hätten sich nicht geändert, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau der Agentur Interfax zufolge.

«Unsere Haltung zu solchen Sanktionsübungen ist bekannt. Sie ist äußerst negativ.» Peskow reagierte damit auf Äußerungen des scheidenden US-Botschafters in Deutschland, Richard Grenell. Dem Botschafter zufolge gibt es in den USA eine «überparteiliche Zustimmung» für neue Strafmaßnahmen.

Peskow sagte dazu: «Wir glauben, dass solche Bestrebungen nichts anderes sind als eine Fortsetzung von unlauterem Wettbewerb und Handlungen, die gegen internationales Recht verstoßen.» Ähnlich hatte sich auch die Nord Stream 2 AG geäußert und von einer «rechtswidrigen Diskriminierung europäischer Unternehmen» gesprochen.

Washington will das Bauprojekt stoppen und hat bereits Sanktionen verhängt. Auch die Ukraine und mehrere EU-Staaten wollen die Fertigstellung verhindern. Ursprünglich sollte die Pipeline Ende vorigen Jahres fertig sein. Deutschland, wo Nord Stream 2 anlanden soll, hatte die Sanktionen der USA kritisiert.

Die USA warnen seit langem vor zu großer Abhängigkeit der EU von russischem Gas. Sie wollen eigenes Flüssiggas, das mehr kostet als russisches Leitungsgas, in Europa verkaufen.

6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
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    Lesemuffel
    30.05.2020

    Hut ab vor der Regierung von Mecklenburg-Vorpommern, die den US-Sanktionierern klare Kante zeigen. "Wir machen weiter!" Solch eine klare Ansage wünschte man sich von der Bundesregierung gegenüber dem Weißen Haus wünschen. Und keine Solidarität der EU-Staaten, wie Polen, die gern Umschlagstelle für amerikanisches Frackinggas werden möchten und auf Terminals hoffen. Das heißt, lieber von den USA abhängig werden anstatt Partnerschaft mit dem größten Land auf dem europäischen Kontinent???

  • 14
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    Malleo
    28.05.2020

    Verkauft man sichere Energie auch als Bedrohung aus dem Osten?
    Starke Leistung der Trassenbauer trotz des amerikanischen Embargo für Baufirmen!

  • 11
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    Freigeist14
    28.05.2020

    Was hier natürlich nicht erwähnt wird ist die ungeheuerliche Entgleisung des scheidenden US-Statthalters Grenell : "Deutschland muss aufhören ,die Bestie zu füttern ,während es zugleich nicht genug in die NATO zahlt . " Und wie immer , stellt sich die Bundespressekonferenz des Auswärtigen Amtes taub oder "interpretiert anders" .

  • 12
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    Lesemuffel
    28.05.2020

    Unsere Regierung kann sich auf Moskau verlassen, die sichern für uns das dringend benötigte Gas für den Ersatz der BKK. Die atlantischen Freunde Unternehmen dagegen alles, das Projekt zu verhindern. Also müssen die Russen für Deutschland die Kastanien aus dem Feuer holen, da Berlin zu feige ist dem White House die Stirn zu bieten. Man darf allerdings nicht verkennen, dass selbst CDU-Röttgen, die FDP und die GRÜNEN gegen diese Trasse sind.

  • 10
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    Hinterfragt
    28.05.2020

    @klapa: ich ergänze mal:

    "russischem Erdgas" SICHER "versorgt."

    Denn wenn Trump mal wieder schlecht gefrühstückt und Galle auf Deutschland hat (sein nochBotschafter hat es ja gerade nochmals angedroht) und seine dreckigen Frackinggastransporte einstellt, wird es kalt in D ...

  • 16
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    klapa
    28.05.2020

    Wenn sich die Bundesregierung genau so unbeeindruckt zeigt, wird das Projekt gelingen und D langfristig und zuverlässig mit dringend benötigtem russischem Erdgas versorgt.